Planet der Affen – Revolution

Eine vertraute Geschichte aus der Zukunft. Affen und Menschen geraten durch eine unglückliche Abfolge von Ereignissen aneinander.

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Wenn uns die Geschichte etwas gelehrt hat, dann, dass es selten gut geht, wenn sich Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Interessen und Glaubensmodellen ein Stück Land teilen müssen. Matt Reeves (Cloverfield, 2008) widmet sich diesem Problem sehr anschaulich in Planet der Affen – Revolution (Dawn of the Planet of the Apes), dem zweiten Teil des Reboots, das den dystopischen Roman von Pierre Boulle noch einmal unter anderen Vorzeichen denkt. Affen und Menschen haben sich hier in ihrer Evolution stark angenähert. Während Erstere bereits mit einem Bein in der Zivilisation stehen, sind Letztere in ihre Entwicklung wieder zurückgefallen. Die wenigen von ihnen, die nach einer tödlichen Epidemie am Leben geblieben sind, hausen in einer verfallenen Kirche in San Francisco und kommen nicht damit klar, keinen Strom mehr zu haben. Anders als die Affen, die sich aus der Fundgrube von Mutter Natur bedienen, leiden die Menschen an ihrer Abhängigkeit von ihren eigenen Errungenschaften.

Affen sind die besseren Menschen

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So ähnlich die beiden Gruppen in Revolution einander geworden sind, so sehr hat sich auch eine gewisse Konkurrenz entwickelt. Die Situation zwischen Affen und Menschen ist nach einem tragischen Zwischenfall, gelinde gesagt, angespannt. Schnell wächst die gesunde Vorsicht zur zerstörerischen Angst heran, der Andere könne eine Bedrohung für die eigene Existenz darstellen. In so einem vergifteten Klima braucht es nicht mehr als den Fehltritt eines Einzelnen, um die Lage eskalieren zu lassen. Schon die alte Planet der Affen-Reihe (1968–73) bezog sich stark auf die Missstände einer Gesellschaft, die sich selbst als zivilisiert begreift. Reeves knüpft an diese Tradition an, auch indem er nicht ganz unproblematische Parallelen zwischen der afroamerikanischen Bevölkerung und den Affen zieht. Die wenigen Worte, die Letztere noch recht unbeholfen sprechen, erinnern durch ihre Intonation deutlich an Ebonics. Doch der Film interessiert sich dabei weniger für die Rolle der Primaten als Unterdrücker (wie die frühen Filme der ersten Reihe) oder Unterdrückte (wie die späteren), sondern geht einen Schritt zurück, zu einem Zustand, in dem die beiden Gruppen noch getrennt voneinander leben und sich das Wissen über den Anderen auf ein paar Vorurteile beschränkt: Affen sind unzivilisiert, und Menschen wollen zerstören. Letztlich ist es nur ein ängstlicher Schimpanse namens Koba, der aus Groll gegen die Menschen eine Intrige anzettelt, die zum Krieg führt.

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Überraschenderweise führt Reeves in die Handlung seines Films, indem er sich auf die Seite der Affen schlägt. Die ersten zehn Minuten spielen ausschließlich in einer Hüttenkolonie im Wald, um die sich das doch sehr klar strukturierte Leben der Primaten abspielt: Jagen, Essen, Feuer machen und Nachwuchs gebären. Es ist schon bemerkenswert, wie der Film hier zumindest vordergründig eine anthropozentrische Perspektive vermeidet und die Menschen bei ihrem ersten Auftritt gar als trampelhafte Eindringlinge in einen Hort des Friedens inszeniert. Dabei funktioniert die Empathie für die Affen natürlich nur, weil sie mehr Mensch sind als die doch durch die Bank recht blass gezeichneten Menschen selbst, die sogar ein Schauspieler wie Gary Oldman nicht viel interessanter macht. Das liegt nicht nur daran, dass wir an den Konflikten der Affen, besonders an den Machtkämpfen zwischen Cäsar und Koba, näher dran sind, sondern auch daran, dass sie ein menschliches Antlitz haben. Die etwas leblos wirkenden Masken aus den 1970er Jahren sind mittlerweile einer raffinierten Motion-Capture-Animation gewichen, die zwar noch Spuren der Künstlichkeit in sich trägt, zugleich aber eine beeindruckend nuancenreiche Mimik ermöglicht.

Emotionale Erpressung

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Ohnehin geht es in Revolution weniger darum, die Unterschiede zwischen den Parteien zu betonen als ihre Gemeinsamkeiten. Als verbindendes Leitmotiv dient besonders die enge Bindung zwischen Eltern und Kindern, die Reeves durch Gegenüberstellungen mehrfach unterstreicht. Den Affen Cäsar und Malcolm (Jason Clarke) – der gewissermaßen seine menschliche Entsprechung ist – verbindet nicht nur ihr Pazifismus, sondern auch ihre Rolle als liebender Ehemann und Vater, die der Film gerne mit ein wenig Pathos unterstreicht. Die betont gefühlvolle Herangehensweise, die den Vorgänger Planet der Affen: Prevolution (Rise of the Planet of the Apes, 2011) von früheren Verfilmungen abgegrenzt hat, treibt Reeves noch etwas weiter. Teilweise fühlt man sich emotional ein wenig erpresst, wenn der Film seine dringliche Geschichte unter der kitschigen Musiksoße von Michael Giacchino begräbt und dazu noch ab und zu ein kleines Äffchen mit Kulleraugen in die Kamera schauen lässt.

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Seine Stärken entfaltet Revolution dafür, wenn er buchstäblich nach vorne will und seine Bilder mithilfe der neuesten Technik entfesselt. Die Affen sind für den Film schon deshalb interessanter, weil sie eine größere Bewegungsfreiheit haben, die sie auch immer wieder die Schwerkraft überwinden lässt. Gemeinsam mit ihnen schwingt man als Zuschauer von Baumkrone zu Baumkrone, klettert über die Golden Gate Bridge oder wirbelt bei einem dynamischen Zweikampf zwischen Cäsar und Koba durch das Innere eines Kirchturms, während darunter die Pyrohölle lodert. Wenn die beiden einander gegenüberstehen, ist das zwar Teil einer rasanten Actionszene, unterstreicht aber auch noch einmal, was die Tragik hinter dem unlösbaren Konflikt zwischen Menschen und Affen ist. Es mag wie ein Allgemeinplatz klingen, aber die größte soziale Relevanz in Revolution hat die Feststellung, dass der Feind nicht der Andere ist, sondern jemand aus den eigenen Reihen, der unfähig ist, mit den Anderen friedlich zusammenzuleben.

Trailer zu „Planet der Affen – Revolution“


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