Dave Chappelle’s Block Party

Umsonst und draußen. Wer hierbei an Auftritte lokaler Hinterhofbands denkt, wird von dieser Party angenehm überrascht sein. Denn Dave Chappelle versammelt zu seiner Block Party in Brooklyn die Crème de la crème des R’n’B und Rap, dokumentiert vom Wunderkind der Musikclips Michel Gondry.

Dave Chappelle’s Block Party

Stars der Hip-Hop-Szene wie unter anderem Mos Def, Kayne West, The Roots, Erikah Badouh, Jill Scott sowie die wiedervereinten Fugees werden sich im Verlauf dieses Dokumentarfilms der 2004 in New York stattgefundenen Block Party nacheinander das Mikrophon in die Hand geben. Das alles um dem Comedy-Star Dave Chapelle bei dem „Konzert, das er selbst immer sehen wollte“ stimmkräftig zu unterstützen. Doch ist aus diesem Zusammentreffen kein reiner Hip-Hop-Konzertfilm über ein aufgeblasenes Mega Event geworden, sondern neben der Realisierung einer Art Kiezfest kombiniert aus Comedy und Live Acts entstand eine Milieustudie über das Leben und die Menschen in Brooklyn.

Abgesehen von den Auftritten der Musikergrößen auf der letztendlichen Party nehmen den Großteil des Filmes deren Vorbereitung ein. Was nach der Darstellung langweiliger Logistikprobleme klingen könnte, wird in Dave Chapelle’s Block Party zu einem unterhaltsamen Streifzug durch die Heimatstädte des Initiators. So begleiten wir Dave Chappelle durch die Straßen Brooklyns und Ohios, erleben wie er ein kleines Schwätzchen mit deren Anwohnern aller Hautfarben hält, mit seinem unwiderstehlichen Witz so genannte Golden Tickets, welche am Block Party Day Zugang zum Back Stage Bereich verschaffen, unter die Leute bringt.

Dave Chappelle’s Block Party

Dave Chappelle, der Comedian mit dem Fachgebiet „racial stereotypes“ - er ist vor allem in den USA berühmt für seine satirischen Sketche über verbreitete Rassenklischees - lässt es sich auch in diesem Film nicht nehmen, die Leute vor der Kamera das sagen zu lassen, wofür die Medien Fernsehen und Radio nur ihren berüchtigten „Piep“ als Auslassung übrig haben. Dabei handelt es sich widererwartend keineswegs um Hip Hop klischierte, pseudo-verwerfliche Schimpfwörter, sondern um politische oder rein private Statements zum Leben in Brooklyn und in dieser Welt. Und die geladenen Gäste tun es Chappelle gleich: Ursprünglich sollte Lauryn Hill als Solo Performerin bei der Block Party auftreten, doch gab ihre Plattenfirma Columbia die Songs ihres Albums „The Miseducation of Lauryn Hill“ nicht frei. Dem zum Trotz formierte sich spontan die alte Band The Fugees neu, begruben ihr Kriegsbeil und spielten neben einigen improvisierten Solosongs Hills ein Set ihrer gemeinsamen Hits. Bei all dem Staraufgebot dieser Party bleiben jedoch immer die Menschen der Stadt die wirklichen Ehrengäste des Abends. So wird der Auftritt der Invincible Marching Marauders, einer ortsansässigen Brass Band zum eigentlichen Highlight des Abends, den auch die folgenden Musiker in deren Begeisterung beim Musizieren nicht überbieten können. Hip Hop back to its roots.

Dave Chappelle’s Block Party

Die Aufzeichnung der Ereignisse übernahmen der Franzose Michel Gondry und sein Team, bestehend aus Größen der innovativen Filmszene der USA wie Produzent Bob Yari, der jüngst so beachtliche Filme wie L.A. Crash (2004) sowie Mord und Margaritas (The Matador, 2005) hervorbrachte, oder Julie Pong, die zusammen mit Gondry für Levi’s 1994 den am häufigsten prämierten Werbespott aller Zeiten produzierte. Michel Gondry, neben seinen Videos für Musiker wie Björk, Beck oder den White Stripes vor allem für seine verrückt-naiven Spielfilme wie Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, 2004) oder Human Nature (2001) bekannt, bebildert Dave Chapelle’s Block Party in einer angemessen nüchternen Art. Ganz im Dienste der Berichterstattung nimmt hier die Kamera eine rein aufzeichnende Funktion wahr, auch wenn Rhythmus und Vibes der Musik durchaus zu einer schöpferischen Verarbeitung einladen. Ebenso entstand das Plakat zum Film durch eine Gemeinschaftsarbeit aus einem ausgeschriebenen Wettbewerb heraus. In seiner Aufmachung sehr an Filmplakate der so genannten Blaxploitation-Filme der 70er Jahre erinnernd, schließt sich hier der Kreis einer kreativen Kooperation verschiedenster Künstler an dem Film, in der sich trotz immensem Staraufgebot keiner in den Mittelpunkt des Scheinwerferlichtes zu drängen versucht.

In dieser unterhaltsamen Dokumentation eines kleinen Großereignisses auf den Straßen New Yorks gelingt seinen Machern ein charmanter Film mit wahrer Seele, der seine klare Botschaft mit Emotionen zu verbinden weiß. Ein sehr menschlicher Beitrag zur Darstellung der Hip-Hop-Szene, deren Ursprung im Medientaumel so leicht unter die Räder gerät.

Kommentare


sam duller

korrekturhinweis: der link zum gondry-interview führt nicht zum gondry-interview


Frederic

Vielen Dank für den Hinweis. Der Link wurde korrigiert.






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