Date Night - Gangster für eine Nacht

Nachts sind alle Katzen grau. Für die Fosters, ein ganz gewöhnliches Pärchen aus der amerikanischen Suburbia, wird es in Shawn Levys neuester Komödie allerdings ziemlich bunt.

Date Night – Gangster für eine Nacht

Die Stunden nach dem Sonnenuntergang scheinen es Regisseur Shawn Levy angetan zu haben. Nach zwei späten Ausflügen ins Museum spielt sein neuester Film Date Night – Gangster für eine Nacht (Date Night, 2010) größtenteils, wie sollte es anders sein: nachts. Bevor es jedoch dunkel wird, zeigt er uns noch schnell den Alltag der Fosters, und der sieht so aus: Beide gehen ihren regulären Jobs nach, kümmern sich in ihrer spärlichen freien Zeit liebevoll um ihre beiden Kinder und verbringen die Wochenenden in den gemächlichen Vorstädten New Jerseys. Zum Alltag gehört auch die Date Night – ein Abend, den das Paar wöchentlich in der lokalen Taverne verbringt, um genau jenem Alltag für die Dauer eines romantischen Dinners zu entfliehen. Das kann nur schiefgehen, und wenn sich Claire (Tina Fey) und Phil (Steve Carell) grau in grau gegenübersitzen und sich das Gespräch zwischen beiden mühsam von einer Banalität zur nächsten schleppt, ist das Scheitern des Vorhabens auch mehr als augenscheinlich.

Abwechslung verspricht da ein Abendessen im angesagtesten Restaurant der Stadt – nicht im phlegmatischen NJ, sondern in NY, der Stadt, die niemals schläft. Mit Einbruch der Dunkelheit findet auch der Film eine neue visuelle Grundstimmung. Anders als am hell ausgeleuchteten (All-)Tag halten unscharfe Schattierungen Einzug, akzentuieren kräftige Farbtöne das Geschehen: Neonreklame beleuchtet die Straßen, die Scheinwerfer der Autos ziehen ihre Streifen, die Lichter der Großstadt verströmen ihren diffusen Schein. Die Nacht spielt mit den Farben, und sie spielt Shawn Levy in die Hände, der den sichtbaren Kontrast zum Alltag gar nicht erst inszenieren muss, er findet ihn, ganz besonders in Manhattan, bereits vor.

Date Night – Gangster für eine Nacht

Die Fosters streifen ihre graue Kleidung ab, hüllen sich in ein elegantes blaues Abendkleid und einen feinen schwarzen Smoking, betreten das auf Monate im Voraus ausgebuchte Lokal – und nehmen die Reservierung eines anderen Pärchens. Jetzt sind sie die Tripplehorns. Der Rollentausch beginnt, und die besten Momente des Films ergeben sich im Spiel der beiden Protagonisten mit ihrer neuen, temporären Identität: im beinahe kindlichen Erstaunen, dass sie nun neben Wyclef Jean sitzen. Im ungehemmten Parlieren mit zwei durchaus ernst dreinschauenden Männern, die die vermeintlichen Tripplehorns aus dem Restaurant begleiten. Was die beiden Herren mit ihnen vorhaben? Sie wollen das, was die Tripplehorns, nicht aber die Fosters, besitzen – notfalls mit Gewalt. Und für die Tripplehorns, also die Fosters, beginnt der Ernst des Spiels.

Von diesem Moment an wirkt der Film ein wenig getrieben: Flucht- und Wiederbeschaffungsversuche, wilde Schießereien, eine obligatorische und leider allzu ausführliche Verfolgungsjagd, in der ein PS-strotzender Audi R8 die Hauptrolle spielt, und schließlich das finale Zusammentreffen in einem illegalen und ziemlich puffigen Stripclub. Date Night – Gangster für eine Nacht macht seinem Untertitel alle Ehre, enthält alle Zutaten, die man dem kriminellen Milieu gerne zuschreibt, hangelt sich jedoch von einem Action-Element zum anderen und bedient bereitwillig auch die klassischen (Rollen-)Klischees. Die Frauen sind in dieser Gangsterwelt Objekte der Begierde, die auf Kommando zu tanzen beginnen. Auch dem Paar aus der Vorstadt bleibt eine gemeinsame Show nicht erspart, die der Film leidlich ausweitet. Den muskelbepackten Retter in der Not gibt Mark Wahlberg als IT- und Sicherheitsexperte Holbrooke Grant, der für die Fosters mehr oder weniger bereitwillig seine Gespielin links liegen lässt. Dessen penetrant nackter Oberkörper mutiert als Parodie der Starpersona Wahlbergs zu einem Running Gag des Films. Date Night spielt bewusst mit dem tatsächlichen und filmischen Vorstellungsbild des Schauspielers – gleiches gilt auch für Tina Fey und Steve Carell. Ihnen, wie auch einigen anderen Akteuren, scheinen die Rollen wie auf den Leib geschrieben.

Date Night

Was bei dieser intendierten Inszenierung des Vertrauten abhanden kommt, ist die zu Beginn des Rollenwechsels vorhandene Qualität des leichtfertigen Spiels zwischen Claire und Phil. Lediglich in einzelnen Momenten blitzt sie immer wieder auf, etwa wenn die beiden mit den echten Tripplehorns zusammentreffen und sich für den „Raub“ der Reservierung rechtfertigen. Auch der parodistische Umgang mit der von Hollywood unermüdlich präsentierten Alltagswelt familientauglicher Wohlfühlfilme verliert sich im Laufe der zunehmend überspannten Handlung. Shawn Levy gibt der gehäuften Action den Vorzug – was aber, betrachtet man die beiden Nachts im Museum-Filme des Regisseurs, nicht weiter verwunderlich ist. So wird aus Date Night eine zwar rasante Pärchen-Komödie, die jedoch das nächtliche Spiel mit der anderen Identität nicht gänzlich auslotet.

Das Ende des temporären Rollenwechsels kündigt sich übrigens durch die grellen Scheinwerfer eines Polizei-Helikopters an. Das Spiel ist aus. Die Nacht verliert auch filmästhetisch ihren Glanz. Der Alltag wartet auf das Paar aus New Jersey.

Trailer zu „Date Night - Gangster für eine Nacht“


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