Das Vermächtnis des geheimen Buches

Jon Turteltaub und Jerry Bruckheimer machen mal wieder richtig Krach und schicken die Familie Gates auf einen erneuten nationalen Selbstfindungstrip. Das ist lang und laut, auch sehr verspielt, aber nicht sehr interessant.

Das Vermächtnis des geheimen Buches

Benjamin Franklin Gates, schon sein Name strahlt amerikanisches Nationalbewusstsein aus, ist und bleibt die auf die USA zurechtgestutzte kleine Version des souverän die Welt durchreisenden Archäologen Dr. Jones. Wie Harrison Ford in den bisher drei Indiana-Jones-Filmen (1981-1989) – als vierter ist für dieses Jahr Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) angekündigt – einen Mann verkörperte, der Geheimnisse aller Kulturen in der ganzen Welt ausfindig macht, so geht es in der Arbeit von Gates (Nicholas Cage) anscheinend immer um Amerika, vielleicht noch kleiner: um seine eigene Familiengeschichte.

Der heimliche amerikanische Nationalsport Ahnenforschung wird hier nämlich auf die Spitze getrieben und führt immer wieder zu den Gründungsmythen der Nation zurück. Irgendwie mischte die Familie Gates bei den wichtigen Ereignissen der amerikanischen Geschichte mit. Das ist in Das Vermächtnis des geheimen Buches (National Treasure: Book of Secrets) so, das war im Vorgängerfilm Das Vermächtnis der Tempelritter (National Treasure, 2004) nicht anders. Diesmal soll ein Urahn der Gates’ an der Ermordung von Präsident Lincoln beteiligt gewesen sein, und um das Ansehen seiner Familie zu bewahren, muss Gates, das Drehbuch will es so, eine verschollene Indianerstadt aus Gold finden.

Das Vermächtnis des geheimen Buches

Zurück zu den Ursprüngen also, und dazu passend besuchen Gates und Gefolge Paris und London. So gibt es den Eiffelturm und Buckingham Palace in ein paar kurzen Einstellungen zu sehen; ansonsten sind auch diese markanten Orte nur Staffage für wüste, aber langweilige Verfolgungsjagden und fröhliche Einbrecherspielchen.

Über den Großteil der viel zu langen Laufzeit des Films geht es so einigermaßen flott voran – wie auch in den Tomb-Raider-Filmen (2001, 2003), ebenfalls Indiana-Jones-Epigonen, wird hier ganz auf kurzfristige Schauwerte gesetzt, nur dass deutlich weniger geschossen wird und nirgendwo Angelina Jolie durchs Bild schwingt. Dafür türmt das Drehbuch selbstbewusst eine Verschwörungstheorie auf die andere (Area 51! Freimaurer! Lincolns Ermordung!), und ergänzt sogar noch eine eigene zu Mount Rushmore. Dann verschwinden Protagonisten wie Antagonisten gemeinsam im Untergrund und finden sich in einer Höhle mit Fallen wieder, die Indiana Jones aus lauter Langeweile sofort verlassen hätte – zumal das Tempo des Films hier auf einmal deutlich nachlässt.

Das Vermächtnis des geheimen Buches

Das Vermächtnis des geheimen Buches wäre aber schon von Anfang an völlig uninteressant, wenn der Film nicht – auf politisch stets belanglose Art – so intensiv nationale Selbstvergewisserung mit den Mitteln der Popkultur betriebe. Dazu bezieht er nicht nur US-amerikanische Monumente und Institutionen in seine Ikonographie und Handlung ein, sondern lässt auch den Präsidenten von Bruce Greenwood spielen. Der hatte bereits in Roger Donaldsons Thirteen Days (2000) ein amerikanisches Staatsoberhaupt gegeben, nämlich John F. Kennedy.

Jon Turteltaubs Film ist aber auch sonst reine, spielerische Pastiche: Er lässt zwei Secret-Service-Agenten mit den Namen Sledge und Hammer hinter Gates herjagen, und Patrick Gates, Benjamins Vater, wird sicher nicht umsonst von Angelina Jolies Vater Jon Voight gespielt, der auch als Lara Crofts Vater in Tomb Raider (2001) zu sehen war. Die einzigen ernsthaften – und dann auch berührenden – Momente erlaubt sich Turteltaub, wenn Patrick und seine Ex-Frau (Helen Mirren) sich wieder nahe kommen. Da sieht man zwei erfahrene, wunderbare Schauspieler in viel zu kleinen Rollen dabei zu, wie sie mit wenigen Worten und etwas Mimik mehr Bedeutung und Charaktertiefe vermitteln als der restliche lange, laute Film.

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Kommentare


Stille100

Heute gesehen: Ein sehr guter Film, mit viel Spannung, Aktion und coolen Sprüchen mit Witz! Sehr überzeugend gemacht! Es hat auch einen leichten hang zur Romantik! Wer also Indi und Krokodile Dundi mag, wird auch diese neue Art von Abenteuerfilm mögen!


Michael

Endlich mal wieder ein gescheiter Film im Kino, wofür es sich lohnt zu bezahlen. Spannung pur und hat was von Indy (Rätseln).


eruvawen

Wie immer gibt es Leute die gerne schlechte Kritiken schreiben und Filme versuchen auseinander ...... sorry aber eigentlich tun mir diese leute nur leid sie können sich keinen film mehr einfach so anschauen ,der film hat mir spass gemacht ein guter film den man sich gerne anschaut . Scheiss auf kritiken ;) selber entscheiden






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