Das Schloss im Himmel

Shita und Pazu kämpfen gemeinsam mit einer Horde wilder Piraten gegen ihre bösartigen Verfolger. Der Trickfilmklassiker Das Schloss im Himmel verkürzt die Wartezeit auf den neuen Film des japanischen Animeregisseurs Hayao Miyazaki.

Das Schloss im Himmel

Kleine Jungen mit wehenden Haaren, Mädchen mit verzauberten Amuletten, die ihnen magische Kräfte verleihen, sympathisch naiver, mystisch-esoterischer Science-Fiction Unsinn und zahllose Kämpfe in futuristisch-fantastischen Welten. Kein Zweifel, Das Schloss im Himmel (Tenkû no shiro Rapyuta, 1986) ist ein Anime, wie es im Buche steht. Die Popularität dieser japanischen Zeichentrickfilme im Allgemeinen und der Werke Hayao Miyazakis (Chihiros Reise ins Zauberland, Sen to Chihiro no Kamikakushi, 2003) im Besonderen sorgte nun dafür, dass ein Klassiker des Genres mit 20 Jahren Verspätung die deutschen Leinwände erreicht.

Die Geschichte beruht vage auf dem dritten Teil des Klassikers der Fantasyliteratur Gullivers Reisen (Gulliver’s Travels), übernimmt von Jonathan Swifts Vorlage allerdings nicht viel mehr als die Konzeption der schwebenden Insel Laputa. Ansonsten geht Miyazaki eigene Wege. Seine Version der Geschichte stellt die junge Shita in den Mittelpunkt, die aufgrund eines Halsbandes, das sie von ihrer Großmutter erhalten hatte, von verschiedenen Bösewichtern gejagt wird. Gemeinsam mit dem jungen Pazu flieht sie vor ihren Verfolgern und schließt sich schließlich der Piratin Dora an, die es allerdings ebenfalls auf den Schmuck des Mädchens abgesehen hat. Im Verlauf der abenteuerlichen Reise gelangt die ungewöhnliche Crew auf die Spur der legendären Insel Laputa.

Das Schloss im Himmel

Swifts Laputa war eine Stadt der hochgebildeten, aber inhumanen Technokraten, letztlich eine Techno-Dystopie, die eine Gefahr für das christliche Abendland darstellte. Von dieser politisierten Konzeption ist in Das Schloss im Himmel nicht viel übrig geblieben. Dessen Laputa lässt sich ideologisch kaum festlegen, erscheint vielmehr wie ein Sammelsurium unterschiedlichster technischer und mythologischer Fragmente. Anders als die Swiftsche Fantasie ist Miyazakis Film keine Satire, wie die meisten Animes ist auch Das Schloss im Himmel nur in äußerst geringem Maße auf die physische Realität bezogen.

Was nicht heißen soll, dass Das Schloss im Himmel im Umkehrschluss politisch völlig unbedenklich wäre. In der Tat ist ein sexistischer Grundton in der Märchengeschichte nicht zu übersehen. Shita findet ihre Berufung auf dem Piratenschiff wie selbstverständlich nicht im Maschinenraum sondern in der Küche und Pazu wird im überbordenden Finale durch den Gebrauch seiner Schusswaffe zum Mann. Allerdings wird die Geschlechterordnung durch die Figur der Dora etwas aufgebrochen, eine – freilich nicht sehr feminine – Powerfrau, die ihre ausnahmslos männliche Crew mit eiserner Faust führt. Mit Hilfe dieser krummnasigen Amazone fällt es um einiges leichter, über die chauvinistischen Anklänge der Geschichte hinwegzusehen und sich in den wie stets überbordend phantastischen Traumwelten Miyazakis zu verlieren.

 

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