Das Omen
Die Flugzeuge, die am elften September 2001 die Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, waren ein Zeichen der bevorstehenden Apokalypse. Genauso der Hurrikan Katrina im Jahr 2005. Es steht zu befürchten, dass der Sohn Satans die Erde betreten hat.

Diese offenkundig mit allzu heißer Nadel zusammengestrickte Verschwörungstheorie steht am Anfang des Remakes eines Horrorfilmklassikers aus dem Jahr 1976, Richard Donners Das Omen (The Omen). Die Eröffnungssequenz lässt Schlimmes befürchten. Dieser unfreiwillig komische Einstieg, der den Gegenwartsbezug und damit die offensichtlichste Differenz zum dreißig Jahre alten Original durch aus den jeweiligen Zusammenhängen gerissene Nachrichtenbilder zu erreichen versucht, weckt Erinnerungen an andere Neukontextualisierungen klassischer Horrorstoffe, die ähnlich unbeholfen zu Werke gingen. Am härtesten traf es William Friedkins Exorzist (The Exorcist, 1973). Der Versuch, diesen Teufelsaustreibungsfilm mit einer horrorfilmtauglichen Vorgeschichte zu versehen, endete für Warner Brothers nach einer extrem schwierigen Produktionsphase in einem finanziellen und ästhetischen Fiasko. Nachdem Paul Schraders Version aufgrund fehlender viszeraler Elemente von den Studiobossen abgelehnt wurde kurbelte Renny Harlin den effektüberfrachteten – und angesichts des Produktionsumfangs in technischer Hinsicht erstaunlich unbedarften – Exorzist: The Beginning (2004) herunter, der an den Kinokassen ebenso wenig Erfolg hatte, wie Schraders schließlich doch fertiggestellter spannungsarmer Dominion: Prequel to the Exorzist (2005) auf dem DVD-Markt.
Twentieth Century Fox ließ sich davon nicht abhalten, das Remake eines anderen, stilistisch und strukturell ähnlichen Films auf die Leinwand zu bringen und es kann Entwarnung gegeben werden: Trotz der fragwürdigen Eingangssequenz ist John Moores Das Omen-Version ein solider, stellenweise sehr gelungener Horrorfilm.

Storytechnisch geht der als Actionregisseur bekannt gewordene John Moore (Im Fadenkreuz – Allein gegen alle, Behind Enemy Lines, 2001) kein Risiko ein. Der Plot seines Filmes entspricht dem der Vorlage aufs Genaueste. Wie 1976 steht die Familie Thorn im Mittelpunkt. Robert Thorn (Liev Schreiber) zieht mitsamt seiner Frau Kathryn (Julia Stiles) und dem Kind Damien (Seamus Davey-Fitzpatrick) nach England, wo er einen Botschafterposten antritt. Nur Robert weiß, dass Damien nicht der leibliche Sohn des Paares ist – dieser starb kurz nach der Geburt und wurde, um Kathryn den Schock zu ersparen, gegen ein Waisenkind ausgetauscht. Nachdem sich Damiens erstes Kindermädchen während seiner Geburtstagsfeier erhängt hat, wird beiden Elternteilen nach und nach klar, dass mit dem Kind, welches sich bald mit geheimnisvollen Hunden und seiner neuen, ebenfalls äußerst mysteriösen Gouvernante Mrs. Baylock (Mia Farrow) umgibt, etwas nicht stimmt. Mithilfe des Fotografen Jennings (David Thewlis) kommt Robert schließlich der fürchterlichen Wahrheit auf die Spur.
Die Ähnlichkeiten zwischen der klassischen Version der Geschichte und der Neuauflage beschränken sich nicht auf die Handlungsebene. Moore übernimmt neben Figuren und Plot auch Teile der Originalmusik des legendären, 2004 verstorbenen Filmmusikkomponisten Jerry Goldsmith, sowie einige der effektivsten Kameraeinstellungen der Vorlage.

Wie Richard Donners Film kann das Remake vor allem aufgrund der technischen Fertigkeiten seiner Macher überzeugen, auch wenn die Stärken des Originals im direkten Vergleich in den Vordergrund treten. Denn gerade die Sequenzen, in welchen Moore sich deutlich von Donner entfernt, können wenig überzeugen. Unter anderem ändert er zwei der, den Film strukturierenden, Sterbesequenzen ab, die nun weit weniger effektiv gestaltet sind und kaum noch etwas von der inszenatorischen Wucht der Vorlage bewahren können.
Überhaupt sagt die direkte Gegenüberstellung der beiden inhaltlich fast identischen Filme viel über die Veränderungen der Darstellungskonventionen Hollywoods in den letzten 30 Jahren aus. Die größte Differenz zwischen den Werken scheint in ihrer unterschiedlichen Bezugnahme auf die außerfilmische Realität zu bestehen. Die im Umfeld New Hollywoods entstandene Vorlage bezieht ihren Reiz, wie die meisten Horrorfilme dieser Generation, aus der Tatsache, dass der irrationale Schrecken in eine im Grunde realistisch gezeichnete Welt, die gezielt mit den fantasmagorischen Traditionen des Genres bricht, eindringt. Das London, in welchem Richard Donner seine Geschichte situiert, erscheint anfangs fast naturalistisch und nur ganz langsam schleichen sich Fantasyelemente in die Mise en scène ein. Die neue Version setzt dagegen von Anfang an bedingungslos auf Stilisierung. Bereits die Szenen, die in England spielen, stellen nie den Anspruch, soziale Realität darzustellen. Sobald sich der Schwerpunkt der Handlung nach Italien verlegt, wird Moores Konzept noch deutlicher: Hier bestimmen verschneite, pittoreske Landschaften und Schauplätze wie ein düsteres Kloster, dessen Bewohner eher wie Nachkommen Darth Vaders als wie katholische Priester wirken, die Szenerie. Insgesamt orientiert sich Moores Ästhetik stärker an den Traumwelten der britischen Hammer-Studios als an New Hollywood.
Dies muss natürlich kein Nachteil sein. Und ist es in diesem Fall auch nicht. Denn Moore beherrscht sein Handwerk und außer einigen oben erwähnten stilistischen Unsicherheiten sowie den dilettantischen Versuchen, den Film in der Zeitgeschichte zu verankern – zu allem Überfluss wird schließlich auch noch der Tod Papst Johannes Paul des Zweiten in Bild gesetzt – kann man dem spannenden und gut fotografierten Schocker höchstens einige Besetzungsschwächen vorwerfen. Am deutlichsten werden diese im Falle Julia Stiles, die alleine aufgrund ihrer Physiognomie in Teeniekomödien besser aufgehoben scheint als in Horrorfilmen. Auch Liev Schreiber kann nie aus dem Schatten Gregory Pecks, sein Vorgänger in der Rolle des Robert, treten. Eine schöne Randnotiz stellt die Besetzung der Rolle der Mrs. Baylock mit Mia Farrow dar. Diese spielte 1968 die Hauptrolle in Roman Polanskis Rosemaries Baby (Rosemary’s Baby), dem Film der das Genre neu belebte und zumindest bis in die späten siebziger Jahre entscheidend prägte. Nun sorgt sie in ihrem ersten Horrorfilm seit Richard Loncraines Full Circle (1977) dafür, dass die Brut des Bösen auch weiterhin die Leinwände der Welt unsicher machen kann.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 01.06.2006
Kommentare zu Das Omen
andreas jacke 23.06.2006 19:13
warum was neues machen -- wenn es doch soviele gute Dinge aus der klamottenkiste gibt???
unnötig - sonst gut gemacht!!!
C-Unit 31.07.2006 05:32
Auf irgendeine Weise, erinnert mich der Film an mich. Wahrscheinlich der kleine Junge in dem ein Dämon steckt, naja wie auch immer der Film war nicht schlecht, besonders geil war das Ende find ich. Als ich im Kino war hab ich mich so amüsiert das glaubt man gar nicht, die anderen Zuschauer waren nicht so begeistert, aber ich musste einfach lachen als die Alte vor dem Typen am Auto stand und die überfahren wird. Genauso geil war der Kick den er ihr gab im Zimmer als sie am Boden lag, echt ich konnt nicht mehr ich hab bis zum Ende gelacht. So das wollt ich ma los werden. Also denn viel Spaß den nächsten Schreibern...
?? 20.08.2006 13:41
?????
was hat das ende zu bedeuten??
und für wen war das Begräbnis?
mfg
velvetpain 14.02.2007 22:43
Sehr schwache Neuverfilmung. Überflüssig und uninteressant in bester Blockbustermanier:(
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Film-Angaben
Titel: Das Omen
Originaltitel: The Omen
USA 2006
Laufzeit: 100 Minuten
Kinostart: 06.06.2006
DVD-Angaben
Titel: Das Omen
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 105 Minuten
Extras: Kommentar von John Moore, Glenn Williamson und Dan Zimmerman; „Omenismen“ - Featurette; „Die Offenbarung 666“ - Featurette; „Die Abbey Road Sessions“ - Featurette; Nicht verwendete Szenen und alternatives Ende; Trailer
Verleih ab: 18.12.2006
Verkauf ab: 15.01.2007
Copyright Das Omen
Fotos: © 20th Century Fox
BERLINALE 2012

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