Das Meer in mir

Alejandro Amenábar verfilmt die Lebensgeschichte des querschnittsgelähmten Ramón Sampedro, gespielt von Javier Bardem, der öffentlich für einen selbstbestimmten Tod eintrat, ein Recht, dass ihm gerichtlich verwehrt wurde. Dabei bleibt der Regisseur aber zu nah an der dem Film zu Grunde liegenden Biographie und findet kaum originelle visuelle Lösungen.

Das Meer in mir

Ramón Sampedro (Javier Bardem) trägt das Bild des Meeres in sich, dass er vor über 27 Jahren bereist hat und von dem er immer noch träumt - ein Symbol für unerreichbares, vergangenes Glück. Seit einem Unfall ist der Galizier ans Bett gefesselt, wird versorgt von der Familie seines Bruders José (Celso Bugallo), eines einfachen Bauern. Weil er sein Leben nicht mehr als menschenwürdig empfindet, kämpft er vor Gericht für aktive Sterbehilfe - ein Fall, der nationales Aufsehen erregt.

Man kommt nicht umhin, Javier Bardem hervorzuheben, wenn man von Das Meer in mir (Mar adentro) spricht. Bardem ist einer der vielseitigsten Schauspieler Spaniens, der nicht zuletzt durch Rollen in Filmen Pedro Almodóvars und als Hauptdarsteller in John Malkovichs eindrucksvollem Regiedebüt Der Obrist und die Tänzerin (The Dancer Upstairs, 2002) international Anerkennung erworben hat. Für Das Meer in mir wurde er bereits bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Coppa Volpi als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und erhielt außerdem den Europäischen Filmpreis. Tatsächlich zeigt er in Das Meer in mir eine beeindruckende Leistung, denn als querschnittsgelähmter Ramón Sampedro sind Bardems Ausdrucksmöglichkeiten auf seine Mimik beschränkt - eine Einschränkung, die den Spanier nicht an seiner meisterlichen Leistung hindert. Das ihn umgebende Ensemble ist ihm dabei in jeder Hinsicht ebenbürtig: Trotz der Konzentration des Films auf seinen Protagonisten, gelingt es ihnen, ihren Figuren Tiefe und Nachhaltigkeit zu verleihen.

Das Meer in mir

Alejandro Amenábar, der außerhalb Spaniens durch Öffne deine Augen (Abre los ojos; 1997) und vor allem The Others (2001) bekannt wurde, legt sein Augenmerk in dieser emotionalen Geschichte eines Kampfes um Selbstbestimmung, auf die präszise Wiedergabe der Biographie Sampedros. Die Schwäche des Films liegt in der Tatsache, dass Amenábar zwar ein souveränes Biopic, eine auf Zelluloid gebannte Biographie, gedreht hat, für dieses Genre aber keine originellen visuellen Lösungen findet. Ausdrucksstarke Momente gelingen ihm meist über Sprache, etwa beim Rezitieren von Sampedros Gedicht, welches der Verfilmung den Titel gab.

Das Meer in mir ist vor allem aber ein weiteres Biopic, in dem die Lebensgeschichte eines besonderen Menschen detailgenau wiedergegeben wird. Schade ist in diesem Fall, dass das mögliche politische Potential des Films - die Auseinandersetzung mit dem Thema aktive Sterbehilfe - nur als einer von vielen Aspekten im Leben Sampedros abgehandelt wird. In Das Meer in mir, das für den diesjährigen Oscar für den Besten Ausländischen Film nominiert ist, liegt der Fokus alleine auf der persönlichen Dimension des Protagonisten. Damit liegt er im Trend der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, die mit unter anderem Ray (Regie: Taylor Hackford; USA, 2004), Martin Scorseses Aviator (USA, 2004) oder auch Oliver Hirschbiegels Der Untergang (Deutschland, 2004) viele Filme für den Oscar nominiert hat, die sich ausschließlich unpolitisch dem privaten Blick auf das individuelle Leben oder das historische Ereignis widmen.

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