Das Leben der Anderen

Eine Sonate vom guten Menschen oder das Porträt eines Unbelehrbaren? Fest steht, dass Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck schon jetzt eines der Glanzlichter des Kinojahres 2006 gesetzt hat.

Das Leben der Anderen

„Manche Menschen ändern sich nie!“ lautet eine Parole, die von den drei Weltverbesserern in Die fetten Jahre sind vorbei (2004) an Hauswände gemalt wird. Wenn manche sich nie ändern, muss es auch die anderen geben, die bereit sind über ihre Fehler nachzudenken und daraus die richtigen Konsequenzen für sich selber zu ziehen. Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) lässt sich nur schwerlich in eine dieser beiden Kategorien stecken. Als ein folgsamer, verlässlicher Diener und Anhänger des real existierenden Sozialismus soll er in einem zunächst routinemäßigen Überwachungsauftrag den Schriftsteller Georg Dreymann (Sebastian Koch) auf dessen wahre Loyalität und Linientreue hin untersuchen. Nach außen gibt sich Dreymann nämlich gerne als der pflegeleichte Liebling der Mächtigen, doch was denkt er, wenn kein staatlicher Aufpasser ihm zur Seite steht?

Genau das muss Wiesler im Auftrag seines Vorgesetzten, Oberstleutnant Grubitz (Ulrich Tukur), herausfinden. Dazu wird Dreymanns Wohnung verwanzt, mit Überwachungskameras im Eingang versehen und rund um die Uhr im Schichtbetrieb observiert. Mit der Zeit taucht der Stasi-Mann immer tiefer in das Leben des Anderen ein. Er protokolliert, wann sein Zielobjekt was mit wem redet und macht. Sogar die gemeinsamen Liebesnächte mit der Theaterschauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) werden von Wiesler abgehört. Dabei weiß er nur zu gut, dass die gesamte Operation eigentlich nur einem einzigen Zweck dient: Kulturminister Hempf (Thomas Thieme) möchte im Kampf um die attraktive Christa-Maria einen unliebsamen Nebenbuhler aus dem Verkehr ziehen. Diese Tatsache lässt ihn zunehmend an der Legitimität der Operation zweifeln. Er beginnt, die Berichte an seinen Vorgesetzten zu fälschen, damit Dreymann keine Repressalien fürchten muss.

Das Leben der Anderen

Mit Das Leben der Anderen setzt Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck einen wichtigen Kontrapunkt zum vielfach ostalgischen Zeitgefühl der Post-Good Bye Lenin! (2003)-Ära. Wie schon der kürzlich angelaufene Der rote Kakadu (2005), thematisiert sein Film die übermächtige Schattenseite des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaates. Die Erzählung beginnt mit einer Einführung in die Schulungs- und Verhörtaktiken der Stasi. Da züchtet ein Unrechtsregime mit deutscher Präzision neue Verteidiger der Unfreiheit und des Terrors heran, mit dem von Ulrich Mühe brillant verkörperten Hauptmann Wiesler als willigen Ausbilder und Vollstrecker. Er ist überzeugt von seiner Arbeit, weil er überzeugt von den Werten dieser Diktatur ist, die er selber nicht als Diktatur empfindet. Umso interessanter ist es dann mitzuerleben, wie für ihn während der Überwachungsaktion mit jedem Tag ein Stück aus dieser noblen Fassade einer angeblich gelebten sozialistischen Utopie herausbricht. Das legt den Blick frei auf ein marodes, kaputtes System.

Die parallel montierten Szenen zwischen Dachboden, wo Wiesler inmitten einer Bespitzelungsapparatur Tag und Nacht verbringt, und Künstlerwohnung, in der Dreymann Rachepläne gegen die ihm plötzlich feindlich gesonnene Obrigkeit schmiedet, zeugen von einer unglaublichen Intensität und Spannung. Intensiv ist es deshalb, weil Ulrich Mühe ein Mienenspiel gelingt, das die ganze innere Zerrissenheit seines Filmcharakters meisterlich dokumentiert. Die Spannung entsteht aus einem Zusammenspiel von Schnitt, Kamera, Gabriel Yareds sehr atmosphärischem Score und der dunklen Vorahnung, dass diese Geschichte, so wie sie angelegt ist, kein gutes Ende nehmen kann. Ein vergleichbares flaues Gefühl in der Magengegend kreierte Vadim Perelmans Haus aus Sand und Nebel (House of Sand and Fog, 2003), ebenfalls ein Film über den Zusammenprall zweier unterschiedlicher Welten und Weltanschauungen. Während dort Roger Deakins mythisch aufgeladene Bilder vom nebelbedeckten San Francisco für eine bedrückende Stimmung sorgen, folgt hier Kameramann Hagen Bogdanski einem stringenten düsteren Farbkonzept. Dreymanns Welt erstrahlt in der ersten Filmhälfte in warmen meist bräunlich gelben Farben, wohingegen Wieslers Plattenbaudomizil im kühlen Blau und Grau lebensfeindlich und unbewohnt wirkt.

Das Leben der Anderen

Die beiden Protagonisten in Das Leben der Anderen scheinen zunächst nicht viel miteinander gemein zu haben. Einerseits lernt der Zuschauer einen selbstbewussten, den Verlockungen des Lebens nicht abgeneigten Intellektuellen kennen, dem ein Mann ohne Eigenschaften gegenüber steht, der im Mausgrau seiner Arbeitskleidung eine durch und durch angepasste Existenz führt. Henckel von Donnersmarck erweist sich als genauer Beobachter dieser ungewöhnlichen und komplexen Beziehung. Die Kamera folgt dazu beiden Männern bis in Momente größter Intimität. Auf diese Weise erhält auch der Zuschauer eine entfernte Ahnung davon, was es heißt, in einem Klima der Angst und des Misstrauens leben zu müssen.

Gegen Ende stellt der Film dann ganz direkt die entscheidenden Fragen: Wer war dieser Gerd Wiesler eigentlich? Ist der Mann, der nach der Wende durch die Straßen Berlins schlurft und Zeitungen austrägt, noch die gleiche Person, die früher ihren Studenten an der stasieigenen Hochschule eine rücksichtslose Verhörtechnik predigte? Und war er nicht trotz all seiner Taten im Dienste des staatlichen Terrors im Grunde genommen doch ein guter Mensch? Eine Antwort hierauf fällt nicht leicht.

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Kommentare


Martha

Egal, ober er an der Kasse ein Erfolg wird (was ich mir fast nicht vorstellen kann, weil er dazu einfach zu intelligent ist, und die Deutschen ihren Ballermann 6 einfach lieber haben), eines steht fest: Dieser Film wird ein Klassiker.


C.

Ein wunderbarer Film, mal todtraurig und mal zum Lachen, aber auf jeden Fall immer mit leisen Untertönen, die den Zuschauer zum Nachdenken zwingen.
Ich kann "Das Leben der Anderen" nur wärmstens weiterempfehlen.


Sabine

Subtiles und anspruchsvolles Kino!!


Thomas

Toller Film, tolle Schauspieler, mal lustig, oft nachdenklich, aber immer spannend auch ohne action, insgesamt beeindruckend,passt in kein Klischee, keine Schwarz-weiß Malerei, sondern sehr facettenreich und interessant in Szene gesetzt, also ein Film den ich nur empfehlen kann


A.

Das ist zweifellos einer der besten Filme, die ich je gesehen habe...


Axel Höber

Hallo!
Der technische Aufwand, mit dem die Wohnung abgehört wurde erscheint mir zu hoch. mit einem Miniatursender von Conrad, der mit einem Kassettenrecorder abgehört wird, hätte man sicher bessere Ergebnisse erzielen können. Man hätte die Gespräche gleich aufnehmen können, ohne sie erst in die Schreibmaschine zu tippen.
In einem Raum beginnen auch die Scheiben im Takt der Sprache zu schwingen. Bei einem Laserstrahl, der auf die Fensterscheiben gerichtet wird, kommt es zu Inferenzen zwischen den Laserstrahl und den an der Scheibe reflektierten Laserstrahl, so daß damit auch Gespräche in einem Raum abgehört werden können.


Ch.

*****(!) Kino at its best!!!


Kristina

Der Film "Das Leben der Anderen" ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die wirklich unter dem Stasi-Terror zu leiden hatten.
Es lohnt sich nicht, den Film zu sehen. Sparen Sie bitte Ihr Geld für qualitativ wertvollere Filme.


Roland Wehringer

Ich würde Ihnen hier widersprechen. Der Film ist eine Genugtuung für Leute, die unter dem Terror des MfS litten, da er diesen Terror (in einem Spielfilm zum ersten Mal) drastisch und explizit beschreibt. Sehr viele Leute, die unter der Stasi gelitten haben und teils mehrjährig in Stasi-Haft waren, haben an diesem Film ja auch mitgewirkt.


Roland Brasse

Ich würde Ihnen hier widersprechen. Der Film ist eine Genugtuung für Leute, die unter dem Terror des MfS litten, da er diesen Terror (in einem Spielfilm zum ersten Mal) drastisch und explizit beschreibt. Sehr viele Leute, die unter der Stasi gelitten haben und teils mehrjährig in Stasi-Haft waren, haben an diesem Film ja auch mitgewirkt.


Gerda

Ein sehr unterhaltender Film, den man aber nicht als Geschichtsunterricht sehen sollte.


wilhelm friedberg

ich verstehe den hype über diesen film nicht ganz. gut ist er auf jeden fall, aber soooo gut?!


anonym

jaja, im letzen moment dien nachnamen ändern weil man anonym bleiben will isn bisschn beinlich. aber genial is der film trotzdem...


Bodo Prengel

Ganz, ganz großes Kino, wie man es in Deutschland leider viel zu selten zu sehen bekommt. Intelligenter und stimmiger kann man ein Drehbuch einfach nicht schreiben. Fazit: Der Film, den man dieses Jahr gesehen haben muss!


M.Falcke

Kunst versus Dummheit - Aufruf zum Filmboykott

Ich hatte heute das unleidliche Missvergnügen diesen Film sehen zu können/ müssen. Gemeinsam mit einer Rentnergruppe der PDS, zwei Gymnasialklassen und ein paar durch PR verlockter Zuschauer fand ich mich im Kino wieder. Und so unvereinbar wie das Publikum war auch der Film. Ja, Film kann man das Ganze noch nennen. Schliesslich darf jeder für das Kino produzieren - wenn er die Finanzierung zusammenbringt. Ja, mir ist wichtig das Jeder seine Meinung auch künstlerisch ausdrücken darf. NEIN: eine Diktatur darf man jedoch NICHT verfälscht und mit einem versöhnlichen Mäntelchen umkleidet darstellen - besonders wenn der blutige Geschmack und der Horror noch nicht einmal Geschichte ist! Als ob zehntausende Opfer der Stasi und der Repression der SED-Diktatur nicht noch leben würden und wahrhafter bezeugen können WIE die Zersetzung des "Schild und Schwert der Partei" wirklich funktionierte.

Da ich selbst knappe 3 Jahre meines Lebens hinter dicken Mauern der Stasi-Haftanstalten und Gefängnisse verbringen musste, freut mich jeder ernsthafte Versuch die DDR als das darzustellen was sie war: ein miefige Diktatur Deutschen Ungeists. Erst die braune Kacke und dann die blutrote Knute im Namen des Kommunismus der doch dem Menschen diene: beides widert mich an.

Statt einem sehenswerten Film bekam ich einen - vielleicht im Kern noch gut gemeinten - Plot vorgesetzt, der in jeder Hinsicht vor Unfähigkeit und vor Falschheit nur so strotzte. Es verging keine Minute in der das inhaltliche Totalversagen nicht ablesbar war.

In einer Mischung aus dokumentativer Kamera und eher literaturtypischer Sprache, gaukelt der Autor/Regisseur dem Publikum eine Stasi vor die es so nie gab. Man lässt den Stasiprotagonisten sämtliche Verfolgungsmassnahmen selbst machen und darstellen: er hört ab, er beschattet, er tritt als Vernehmer im Verhör auf und er fühlt sich immer mehr seinen Opfern zugeneigt. Das ganze wird garniert mit possenhaften Bildern über die Arbeitsweise der Stasi. So dringt man
ohne Absicherung in die Wohnung des "Feindobjekts" ein (ja, so nannte man beobachtete Menschen im Jargon des MfS), baut unterm Dach des Deliquenten gleich noch eine Abhörstation ein und lässt sich dort zum täglichen Dienst nieder. So richtig heimelig und unauffällig das Ganze. Oder man lässt die Stasi zur offiziellen Wohnungsdurchsuchung antreten und hört dann so Sätze wie "Genosse Meier und Schulze durchsuchen die Küche, Genosse Schmidt und Hoffmann das Bad". Nomen est omen! Ein schwatzhafter Geheimdienst in einem schwatzhaften Film. . .

Was für den einen oder anderen als Erbsenzählerei anmuten dürfte ist für Menschen, die bis zum erbrechen durch derartige konspirative Methoden geschädigt wurden, keine Lappalie. So aber entsteht ein Bild der Stasi das einen unprofessionellen und kaum von offiziell tätigen "Ordnungskräften" unterscheidbaren Eindruck abgibt. Das war nicht die Absicht des Films aber es wird das Ergebnis sein. Ein trottelig ungeheimer Geheimdienst der in seinen Reihen echte Helden verbarg.

Neben den dutzendfachen dümmlichen Darstellungen des Geheimdienstapparats der DDR macht das Ende des Films meine Empörung so stark das ich darüber öffentlich schreiben möchte: denn eine Hauptausage des Films ist einem Täter gewidmet der zum Helfer der Opfer wurde. Der Zuschauer bekommt eingetrichtert: Ein hoher Offizier der Stasi half den Opfern der Stasi. Der Film endet somit auch mit einer Szene, in der der Stasitäter Dank und Ruhm für seine Taten bekommt: ihm wird ein Buch gewidmet.

Ich widme diesen Beitrag meinem Boykottaufruf: sparen Sie sich den Film und besuchen Sie lieber die Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin (oder www.stasiopfer.de). Dort erfahren die Besucher durch ehemalige politische Häftlinge wie die Verfolgung durch das MfS tatsächlich war. Der Besuch kostet nichts ist aber nicht umsonst. . .


dietmar fritze / frizztext

Man sollte sich den Film ansehen "Das Leben der anderen": Um bloß nicht zu vergessen, worüber Deutsche ernsthaft nachzudenken hätten: Über Bespitzelung und Verrat an die Polizei, was des Verratens nicht wert wäre, hätte man denn Achtung vor Meinungsfreiheit und dem Mut des Selbstdenkens. Was die Gestapo in der Hitlerzeit trieb, lebte als Stasi weiter in der DDR. Als deutsche Mentalität, mit nicht so ganz ausgefeilter Pedanterie und Technik, gab es dergleichen übrigens auch in Westdeutschland: Berufsverbote und die dazugehörigen Behördenflure und Einschüchterungen, endlose pedantische Beobachtungen und höhnisch-hämische Schriftsätze.

"Das Leben der anderen", das Leben der Intellektuellen und Künstler, wurde von den Nazis gehasst und den Kommunisten - und soziale Schichtungen mit den üblichen Hass-Reaktionen gibt es auch in der BRD (und der ganzen restlichen Welt). Ein Film also nicht nur für "Ossis", sondern über anthropologische Grundtatbestände. Die Uniformen mögen von Land zu Land anders aussehen.

"Die Sonate vom Guten Menschen", Songtitel und wesentlicher Kern der Message dieses Filmes, könnte einen glatt wütend werden lassen: Wahrscheinlich gab es keinen einzigen IM, der seinen Opfern wirklich aus der Patsche geholfen hätte. Das ist das ärgerlich Illusionäre an diesem Film, der Gesten des Verzeihens ans "Happy" End stellt, wo eigentlich Wut und Rache hingehören. Beim Songtitel "IM Martha" (Christa-Maria Sieland, im Film dargestellt von Martina Gedeck, der Hauptdarstellerin unlängst im fröhlichen Kinowerk "Bella Martha") - für sie stülpt sich zwar sicherlich das Herz um, für die anderen aber, die "tausend Augen" der "unsichtbaren Front", für sie bricht dieser Film herein wie ein Justizverfahren, das es in Deutschland leider nie gegeben hat. Weder nach dem Ende der Nazi-Diktatur noch nach dem Abgesang des Honecker-Staates - noch nach dem Ausklingen der Berufsverbote in Westdeutschland. Der Staat klagt seine Helfershelfer und Paladine niemals an.

Dieses wichtige Film-Dokument hilft uns dabei, uns erneut auseinanderzusetzen mit Typen wie Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) oder dessen direkten Vorgesetzten, dem Leiter der Abteilung Kultur bei der Staatssicherheit Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) oder gar dem "hohen Tier" Minister Bruno Hempf (Thomas Thieme).

Das schleimige Verzeihen, das Schauspieler Sebastian Koch schon im Albert-Speer-Film zu mimen hatte, das praktiziert er auch als bespitzelter DDR-Künstler Georg Dreyman.

Die bedrohlich kriechende Hintergrund-Musik ist die passende Mayonnaise zu dieser Welt, die man so weit zurückdrängen sollte wie möglich: Denn ihre Überreste bedrohen immer noch unsere geistige Freiheit, wenn auch nicht mehr in diesem perfekten, durchschlagenden Maße.


Martin Fischer

Florian Henckel von Donnersmarck ist offensichtlich jung, zu jung, um das zu begreifen, was und vor allem wie es damals wirklich stattgefunden hat. Als Betroffener in der zweiten Hälfte der 80er Jahre kann ich mich inhaltlich im wesentlichen dem Beitrag von M. Falke anschließen, es wurde schlecht recherchiert. Abgesehen von Schrift und Umgangston stimmen etliche Details, wie z.B. Türklinken, Aufzug, der Wartburg des Wiesner (das Heck gab es erst ab 1989)usw. nicht. Außerdem ist es mehr als fraglich, ob man einen derartigen Aufwand für einen doch mehr als linientreuen Künstler, der die Funktionäre mit Genosse anspricht und sogar DDR-Platten zu seinem Geburtstag abspielt, betrieben hätte. Wenn dem je so gewesen wäre, hätte es de facto überhaupt keine Künstler mehr gegeben. Für sehenswert halte ich den Film trotzdem alleine schon wegen der grandiosen Leistung Ullrich Mühes und überhaupt der sehr gelungenen Wahl der Schauspieler.


Annika Becker

Ich finde diesen Film genial.An alle Kritiker:Man kann nicht in 130Min. "alles" zeigen, immer der Wahrheit entsprechen und "jedem" gerecht werden. Trotzdem halte ich diese Momentaufnahme jenen Schicksals für gelungen.Es gibt wahrlich trivialere DDR-Filme.Wenn ich mir das sonstige trübe Kinoprogramm reinziehe, erquickt sich mein Herz an solch einer Umsetzung. Megagigatoll.


Marcus

Ungeachtet ob der Wartburg nun Fließheck hat oder nicht, kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen.
Auch nach dem Kinobesuch hat mich dieser Streifen noch lange beschäfftigt.
Das schaffen Mission Immpossible II und ihres gleichen nicht.


Stefan Scheffka

Zunächst solltet Ihr wissen, dass ich seit 20 Jahren überzeugter Wessi bin. Ich kann also definitv nicht beurteilen "wie" es wirklich im Arbeiter- & Bauernstaat zugegangen ist und auch nicht wie das "Schild und Schwert" der SED - also das MfS- gearbeitet hat. Ich habe aber immerhin vor 2 Jahren die zu Filmende auftauchende Berliner Gauckbehörde besucht und dort einen Einblick in Stasi- Über-wachungstechnik & Praktik erfahren. Wie die Stasi aber in EDinzelfällen gehandelt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. D.L.d.Anderen aber kann ich beurteilen und ich finde das dem Regiesseur hiermit ein Meisterwerk gelungen ist. Natürlich mischen sich hier Realität und eine große Portion Fiktion doch waurm soll es so abwegig gewesen sein, dass ein Stasi-Offizier Zweifel am DDR-Regime bekommen haben und nicht mehr im Sinne seiner Vorgesetzten
gehandelt haben soll ? Vom Ende -5 Jahre später- wird er sicherlich nichts geahnt haben. Einene großen Fehler hätte ich aber zu bémerken. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass in einem Mietshaus mit mehr als 4 Parteien auf dem Dachboden ein Sammelsorium an Überwachungstechnik installiert werden kann, ohne dass Irgendwer was bemerkt. Schwer vorzustellen dass der Stasispitzel ungehindert Tag und nacht spionieren und sich vollkommen sicher sein kann. Über das Ende kann man streiten - Kitsch oder nicht ?
Ich finde das Ende, welches mich wirklich verblüfft hat für diesen Film mehr als gelungen. Der gesamte Film ist für mich schlicht perfekt: Glänzende Schauspieler, hervorragende Sets und Spannung von der 1. bis zur letzten Minute, sowie eine Handlung deren Orte oft wechsteln, die aber stets nachvollziehbar bleibt. Ich finde Das Leben der Anderen passt perfekt in den neuen Trend der Deutschland-Verarbeite-Deine-Geschichte-Filme und hat sämtliche Filmpreise verdient.


wiesner

Der Film ist mehr als nur Gut, ich habe einen Teil meines Lebens etwas übertrieben dargestellt gesehen. Ich heiße zwar nicht Wiesner, war aber in einer solchen Position und kann bestätigen, das es viele Wiesner´s gab und - hoffentlich noch gibt.

Das Details falsch sind, den Dachboden gab es nicht, dort stand im Keller irgendwo ein Verschlüsselungsgerät (SIR) genannt und die Aufzeichnungen wurden in ein Dienstgebäude übertragen, wo der Auswerter saß.

Aber bitte auch mal zur Kenntnis nehmen, ohne die Wiesners hätte es die friedliche Revolution nicht gegeben.

Ich bin in dieser Zeit Zynicker geworden, ich empfehle Kurt Tucholsky, "ein älterer, aber leicht besoffener herr" nit den Zitaten "da tut man was von Revolution und weiß ganz genau, mit diese partei kommt Sie ganz bestimmt nicht" oder "was brauchst du Grundsätze, wenn du einen Apparat hast". Das ist von Gerd E. Schäfer im pallast der Republik zelebriert worden, wurde per Schallplatte produziert und dann eingestellt, als einer der Betonköpfe den Inhalt begriff. Aber Kurt Tucholsky war schon tot, bestrafen ging nicht.

Und diesen Mut sollte man hervorheben und würdigen.

Ich wünsche mir bei der vorherrschenden Bürokratie in Deutschland viele Wiesners, menschen, die vor Ihrem Gewissen entscheiden, auch wenn das Ergebnis Ihnen zum materiellen Nachteil gereicht.

Dies sollte eine Diskusionseinladung sein.

Übrigens, kennt jemand die dort als Sonate gespielte Musik, ich hätte sie gern.


Danke


MoritzvonMühlhausen

Die Fehler im „Leben der Anderen“

Die auffälligsten Fehler :

1)
Falsches Haus:
Die Stalinbauten in der Wedekindstraße (im Film das Wohnhaus des Schriftstellers von Außen) haben keine großräumigen, spitzen Dachböden, sondern Flachdächer. (Diese sollten als Kampfposten der NVA und der Betriebskampfgruppen der Arbeiterklasse dienen , weil sie, wie die Häuser in der Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee auch, mitunter die erste Verteidigungslinie der Republik bildeten, sollten feindliche Truppen aus dem Westen einfallen.)
Also kann der Stasi-Offizier unmöglich von dort aus irgend etwas abgehört haben. Aber er hätte sich leicht beim Hauswart (der Parteibeauftragte, der das Hausbuch geführt hat) einnisten können; auch dazu waren Hauswarte da. Jedoch etwas, was diese Häuser alle haben, was im Film aber nicht erwähnt wurde, sind riesige unterirdische Keller- und Bunkeranlagen, die ohne weiteres als Lauschposten hätten dienen können.

2)
Die Stalinbauten wurden zwischen ca. 1950 und 1954 errichtet. Die Filmwohnung von Innen war aber eine Altbauwohnung von ca. 1908 mit Parkett, Stuck und Türschwellen. Die Stalinbauten haben alle einen dunkelroten Holzbeton-Fußboden, der keine Türschwellen hat, weil er gegossen wurde. Aber ohne eine Türschwelle hätte der Dichter kein Versteck für die Schreibmaschine gehabt.

3)
Wäre die Wohnung passend zu den Innenaufnahmen, auch von Außen ein Altbau gewesen, wäre keine Klingelanlage, geschweige denn eine Gegensprechanlage vorhanden gewesen. Die sanierten Altbauten Ostberlins haben meist erst weit nach der Wende eine Klingel- Gegensprechanlage bekommen und viele nicht sanierte Altbauten haben bis heute keine.

Daraus folgt:
Der Stasioffizier, der auf dem in einem Stalinbau nicht vorhandenen Dachboden nicht hätte sitzen können, hätte auch nicht die nicht vorhandene Klingelanlage einer Altbauwohnung kurzschließen können. Entweder sitzt Horch und Guck auf dem Trockenboden eines Altbaus, dann gibt es keine Klingel von Außen, aber dafür eine Türschwelle in der Wohnung, oder er sitzt ein einem Stalinbau, womöglich im Keller, wobei es dann die Klingel von Außen gibt, aber eben keine Türschwelle, worunter der Schriftsteller seine geschmuggelte Schreibmaschine hätte verstecken können. Ergo, die Geschichte hätte sich unmöglich so unter den gezeigten Umständen ereignen können.

4)
Als die Schauspielerin zum ersten mal aus dem Wagen des Ministers gestiegen ist und ins Haus ging, haben sie und ihr Schriftsteller-Freund sich in einem völlig anderen Haus (Das Fenster und die Fassade von außen waren anders.) geküsst, nur Sekunden nachdem sie ins Haus ging, es war weder die Stalinbau-Wohnung in der Wedekindstr., noch die Altbau-Wohnung, die später im Film für die Innenaufnahmen verwendet wurde.

5)
Nicht so grundlegend tragisch aber nichtsdestotrotz als Stilbruch zu werten: Die Schauspielerin trägt einen Straps und dicke Baumwollstrümpfe. Die Garnitur kann man ganz deutlich in zwei Szenen erkennen.
Die Kerngeschichte des Films spielt wohlgemerkt 1984 und nicht 1924. IM OSTEN GAB ES AUCH STRUMPFHOSEN! Und wenn nicht, der Schriftsteller-Freund, der in den Westen reisen durfte, hätte ihr welche mitgebracht . Außerdem fickt die Tussi mit einem Mitglied des ZK. Spätestens bei der zweiten Bums-Begegnung hätte der fette Bonze ihr Strumpfhosen besorgen können. Oder schließlich hätte sie selbst ein Paar Forum-Schecks im Intershop dafür verwenden können.

6)
Der mit dem Schriftsteller befreundete Regisseur soll sich im Januar erhängt haben, aber der Friedhof war bei der Beerdigung ganz schön grün. Außerdem werden Tote im Januar in Berlin kaum beerdigt, weil der Boden meist gefroren ist.

7)
Der Spiegel-Journalist reist dem Drehbuch zufolge nach Ostberlin unter einem anderen (falschen) Namen und hängt schließlich seine Stasibeschattung in Prenzlauer Berg ab. Völliger Schwachsinn! Alle Autos mit Westkennzeichen wurden in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei, der NVA und rund einer Million IMs des Ministeriums für Staatssicherheit genug beschattet.
Und daß ein Bürger der Bundesrepublik mehrere Pässen mit verschiedenen Namen besitzt, ist unrealistisch; es sei denn, der Spiegel-Journalist war auch Mitarbeiter des BND und/oder Urkundenfälscher.

8)
Musste sich ein prominenter DDR-Schriftsteller von einem westdeutschen Journalist erklären lassen, dass er die illegale Schreibmaschine und die darauf geschriebene, verbotene Literatur an einem sicheren Ort zu verstecken hätte? Waren die Wessis wirklich alle so clever und die Ossis so doof?

9)
Den auf einer, in die Hauptstadt der DDR hereingeschmuggelten Schreibmaschine, geschriebene Spiegel-Beitrag hätte kein West-Journalist eigenhändig in einem Geheimfach seiner eigenen Aktentasche aus der DDR herausgeschmuggelt. Die in der DDR nicht akkreditierten Westjournalisten haben lange vor 1984 gelernt, die Ostaufträge von Angehörigen ihrer Botschaft bzw. der Ständigen Vertretung heraus bringen zu lassen.

10)
Das Ministerium für Staatssicherheit verlegt in der Wohnung des Dichters/der Schauspielerin hunderte von Metern Kabel . Der Stasi standen aber schon Mitte der Siebziger drahtlose Wanzen zur Verfügung. Und wenn es schnell gehen musste (im Film sollen es knapp 20 min gewesen sein) wurden sie auch eingesetzt. (Und somit war Stasi übrigens auch nicht auf einen nicht vorhandenen Dachboden (s.o.) angewiesen.)

11)
Um die Wohnung des Dichters/der Schauspielerin auf Wanzen zu prüfen, lässt der Dichter den Onkel eines Freundes aus dem Westen kommen, wobei sie lauthals Anti-DDR-Sprüche klopfen.
Warum hat der Schriftsteller nicht einfach ein Kofferradio an die Wand gehalten? Jeder, der nach 1900 geboren wurde, weiß doch, dass ein Mikro zusammen mit einem Lautsprecher eine akkustische Rückkoppelung gibt, oder?

12)
Zusammen mit dem Westberliner Onkel saßen alle herum und haben Bier gesoffen. Und dann ist der Onkel wieder unbehelligt nach Westberlin zurückgefahren? Nach der StVO der DDR war am Steuer 0,0 Promille erlaubt. Und wäre nicht der Fahrer eines dicken, kapitalistischen Mercedes, der nach Bier stinkt, an der Grenze kontrolliert worden? (Schließlich war der Freikauf von Gefangenen aus Westdeutschland und Westberlin eine nicht unbeachtliche Devisen-Einnahmequelle der DDR.)

13)
Außerdem soll der Onkel, laut Drehbuch, über die Grenzübergangsstelle Heinrich-Heine-Strasse JEDEN Sonnabend ein- und ausreisen. Die GÜSt Heinrich-Heine-Strasse war jedoch nur für Westdeutsche, nicht aber für Westberliner.
Und normalerweise, auch zu DDR Zeiten, hat ein Jahr ca. 52 Sonnabende. Einreisen durften Westberliner allerdings nur ca. 30 mal im Jahr.

14)
Auf dem Parkplatz des Ministeriums für Staatsicherheit in der Normannenstraße gibt es nur Trabis und Wartburgs. Wo sind die Skodas, Volvos, Mazdas und Polos? Die DDR hat ab 1975 Volvos für die Privilegierten und ab 1982 Mazda 323s für jedermann importiert. Zumindest einige Stasi-Mitarbeiter hatten Mitte der 80er schon andere Fahrzeuge.

15)
Auch auf diesem besagten Parkplatz ist ganz im Hintergrund und ganz klein das gelbe Schild mit dem Bundesadler am Eingang vom Haus 7 zu erkennen.

16)
Die meisten prominenten DDR-Künstler gingen nicht so selbstverständlich davon aus, dass ihre Wohnungen nicht präpariert waren. Begriffe wie Wanzen, Abhöranlagen, Richtmikrofone, waren sogar schon vor der Wende allgemein bekannt

17)
Generell stand Schwert und Schild der Partei nicht im Treppenhaus herum und hat geklingelt und dann sich großzügig angekündigt; sie war nicht die GEZ. Sie hätte die Tür sofort aufgebrochen und die Bude brutal gestürmt.

Fazit:
MfS hat nicht nur Wohnungen nach möglichen Beweismaterial durchsucht, sondern auch solches gepflanzt falls notwendig. Sie war die deutsche Version vom sowjetischen Komitet Gosudarstvennoy Bezopasnosti (Komitee für Staatssicherheit) und die Nachfolgeorganisation der Gestapo. Sie war eine paranoide Geheimpolizei, die schätzungsweise ein sechszehntel der geängstigten DDR-Bevölkerung dazu genötigt hatte, als Spitzel für sie zu arbeiten. Zu der Zeit, in der dieser Film spielt, war das MfS, gemessen an der Größe der Bevölkerung des Landes, der größte, wenn nicht auch der mächtigste Geheimdienst der Welt.

Der Film zeigt nichts von der alltäglichen Paranoia des Staates gegenüber dem Westen, nichts von dem immer angespannten Zustand der Bevölkerung, die sich zuerst in die Schlange stellte und dann fragte, was es zu kaufen gab, jener Bevölkerung, die ständig auf dem Prüfstand der sozialistischen Gesellschaft stand und dann die resultierende Unsicherheit bzw. den Frust durch einen hohen Alkoholkonsum zu kompensieren versuchte. Die Tablettensucht der Schauspielerin wurde im Film lediglich als Mittel zur Erpressung benutzt. Die Ursacht der Sucht wurde ignoriert. Und vor allen zeigt der Film nichts von der Hassliebe des einzelnen DDR-Bürgers zu seinem sozialistischen Vaterland.

Diese Kritik des Filmes soll nicht in erster Linie die Unfähigkeit eines neuen deutschen „Filmemachers“, die jüngste deutsche Geschichte filmisch glaubhaft darstellen zu können, anprangern, sondern vor allem auch die Bereitschaft der Filmpreis-Juries, eine verharmlosende Vergangenheitsdarstellung mit Preisen maßlos zu überhäufen.


gudrun

Ich wollte mir diesen Film ÜBERHAUPT NICHT ansehen. Nun diese Woche das Erlebnis. Natürlich, uns Ossis holt dann doch die Vergangenheit ein. Dies tut aus den verschiedensten Gründen weh. Aber es war gut, es tat gut. Endlich ein wirklich guter Film, eine wunderbare Geschichte, geniale Schauspieler, ohne eine Zeit/ Geschichte albern darzustellen, sondern mit dem notwendigem Ernst und Respekt. Es war hervorragendes Kino.


Bene

Schön das es Leute gibt die uns so eindrinlich auf ach so auffalllende Fehler in einem Film aufmerksam machen. Dazu kann ich nur sagen:
könnte es nicht Bilder geben, die dem Zuschauer etwas ganz bestimmtes vermitteln wollen und deren Sinn von machen Leuten, auch wenn sie noch so genau hinschauen leider nicht entdeckt werden?
z.B. zu "Fehler" 1): Könnte es nicht sein, dass der gewaltige Abhörapparat ganz bewusst auf dem Dachboden eingerichtet wurde (auch auf die Gefahr hin das ca. 1 von 1000 Zuschauern bemerkt, das dies praktisch nicht möglich war) um zu zeigen, dass die Stasi das Leben der Menschen in der DDR im wahrsten Sinne des Wortes "Über"wachte (in diesem Falle eben anhand des Dachbodens eines Wohnhauses)?
Immerhin soll ein Film etwas ganz bestimmtes verbildlichen ,wobei das Bild nicht immer zwingeng der realistischen Umsetzung entpsrechen muss. Übrigens gibt es in der Filmgeschichte einige andere Beispiele bei denen mit einem "Kunstgriff" ein ganz bestimmter Sachverhalt mehr oder weniger realistisch dargestellt wird. ("2001: Odysee im
Weltraum", "Fight Club", "Star Wars" etc.)
Zu guter letzt möchte ich mich bei dem etwas aufgebrachten Ton entschuldigen, jedoch hat es mich etwas verärger wie man ein solches Meisterwerk wie "Das Leben der Anderen" dermaßen auseunandernehmen kann (ohne es hinterher wieder zusammenzusetzen)
Vielen Dank für die aufmerksamkeit


Regina Schneider

Das Leben der Anderen war ganz anders! Donnersmarck hat tatsächlich den ehemaligen höchsten Stasikader für ZTersetzungsfragen und die politische Untergrundarbeit der Stasi als Berater an seiner Seite zugelassen. Das Riesenbaby ist wie ein Depp mit seiner Story auf die Fälschungen der Stasi hereingefallen und hat eine lächerliche Version der Stasi gezeigt. Das soll der beste Film sein? Das ich nicht lache! Ich saß selbst fast 2 Jahre in der Haft wegen der Stasi und kenne deren Vorgehen und meine Stasiakten wiegen 63kg schwer. Aber auf die Betroffenen hat ja noch nie jemand Rücksicht genommen, weder früher noch nach dem Untergang der DDR. Dabei gibt es sie und ihre vehemente Kritik! So zum Beispiel schliesse ich mich der Kritik im Forum der www.stasiopfer.de an. Und mich widert an das Donnersmarck die intellektuellen Klugscheißer auf seiner Seite wiederfindet. Kein Wunder das unser Land zweifach Krieg und Diktatur verantwortet!


Nikolai

Der Film "das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmark ist, filmisch betrachtet, wohlgelungen. Er hat einen guten Erzählrythmus, atmosphärische Kulissen, eine gute Kameraführung, fantastische Schauspieler und wirkt eigentlich nicht so lang, wie er in Wirklichkeit ist.
Und doch hat der Film einen entscheidenden Schwachpunkt: Er wirkt unglaubwürdig. Er beginnt zwar mit einem trockenen semidokumentarischen Einleitungstext über die Funktion und Arbeit der STASI und zeigt danach ein noch authentisch wirkendes Verhör und die Schulung von kommenden STASI-Offizieren. Doch direkt danach entwickelt sich der Film zu einem Ammenmärchen über ein System, dass es so nie gegeben hat, mit Bürgern, die es nie gab.
Kulturminister Hemf (Thomas Thieme) will den Autor Georg Dreymann (Sebastian Koch) abhören lassen, um ihn aus dem Weg schaffen zu können und dann dessen Freundin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) zu bekommen. Doch der beauftragte STASI-Oberst (Ulrich Mühe) entwickelt sympathie für sein Opfer und schützt es, ungeachtet der eigenen Verluste dadurch.
Dies ist eine sehr rührende Geschichte, die leider in der wirklichen DDR nie stattgefunden haben kann. Dazu muss man nicht dort gelebt haben, um das zu sehen. Man muss nur versuchen, seinen Kopf zu benutzen während man den Film sieht, anstatt nur Popcorn reinzustopfen:
Vielleicht ist Georg Dreymann selbst systemtreu und unverdächtig. Doch zu seinen engsten Freunden gehören Leute wie der Theaterregisseur Jerska (Volkmar Kleinert), der ein Berufsverbot hat, und der Journalist Hauser (Hans-Uwe Bauer), der selber schon in STASI-haft sass. Wenn Dreymann solche Freunde hat, warum wird er nicht schon von vornherein überwacht? Selbst, wenn die STASI ihm traute, würden sie doch zu gerne wissen, worüber seine Freunde so reden, wenn sie zu besuch sind. Aber nein, die Überwachung muss erst eingeleitet werden.
Und da kommt dann schon das nächste Problem. Die ganze Aktion ist hochgeheim. Aber die STASI steht mit einem Mannschafftswagen voller grauer Männer an helligstem Tage vor dem Haus, um dann, wenn Dreymann gerade weg ist, gesammelt die Wohnung zu stürmen. Und kein Bewohner in der Strasse kriegt es mit?!?
Ja doch, die Nachbarin von Dreymann gegenüber sieht alles durch den Türspion. Daraufhin wird sie von Oberst Wiesler bedroht, er würde ihrer Tochter den Studienplatz nehmen, wenn die Nachbarin was verrate. In einem wirklichen Polizeistaat, hätte er ihr sowas nicht sagen brauchen - es wäre ihr auch so klar gewesen. Vielmehr hätte er sie zu einem "informativen Gespräch" über ihren Nachbarn eingeladen und sie zum IM gemacht. Das wär vielfach glaubwürdiger und realistischer gewesen, als das ach-so-schockierende Ausnutzen von C.M.Sieland später im Film.
Die eigentliche Installation der Mikrofone ist auch sehr amüsant. Die ganze Zeit tragen die grauen Stasi-Leute graue Handschuhe. Klar, sie dürfen ja keine Fingerabdrücke hinterlassen. Denn wenn Dreymann nun was entdeckt und zur Polizei geht und die dann die Fingerabdrücke untersuchen und dann die STASI-Agenten festnehmen ... HALLOOOO, wo zum Teufel sind wir hier. Das ist nicht die DDR, das ist ein Kindergarten! James Bond für möchte-gern-politisch-bewusste.
Später, als Dreymann einen Systemkritischen Text verfassen will, "testet" er seine Wohnung als Hausers Onkel aus Westberlin zu Besuch ist: Sie prahlen lauthals in der Wohnung, dass sie Hauser in dem Kofferraum des Onkels in den Westen schaffen wollen. Als der Onkel über die Grenze kommt ohne kontrolliert worden zu sein, betrachten sie die Wohnung als sicher. Es scheint, als halte Florian Henckel von Donnersmarck alle Bürger der DDR für Volltrottel. Glaubt er wirklich, dass ein Bürger in der DDR meinte, so einfach seine Wohnung "testen" zu können. Und glaubt er wirklich, die STASI wäre so dumm gewesen, auf so eine platte Idee reinzufallen. Und was ist das für ein schrecklicher Polizeistaat, in dem man nur seine Wohnung testen muss, und schon ist man vor allem sicher? Ja, wenn das so einfach war, was war denn dann so schlimm in der DDR?
Aber es kommt noch besser: Dreymann bekommt Besuch von einem Journalisten aus dem Westen, der Dreymanns Text rausgeben soll. Wieslers vorgesetzter Grubitz (Ulrich Tukur) spricht ihn auf jenen Journalisten an, dessen Auto "vom Grenzübergang bis in den Prenzlauer Berg verfolgt worden und dann aus den Augen verloren" sei. Wiesler deckt Dreymann und sagt, er wisse von nichts. Dabei ist es unrealistisch, ein West-Auto in der DDR "zu verlieren". Irgendjemand, der lokale ABV, ein Stasi-Mitarbeiter, der in der selben Strasse wohnt, ein IM in einer Nachbarwohnung, irgendjemand hätte das Auto vor Dreymanns Haus gesehen und weitergemeldet.
Überhaupt würde eine solche Überwachung niemals von einer Person allein durchgeführt werden, sondern immer von vielen verschiedenen Organen mit vielen verschiedenen Mitarbeitern. Agenten mit Abhøranlagen, aber auch einfache Bezirkspolizisten, IMs, die die Nachbarwohnungen oder das Haus gegenüber bewohnen (siehe oben), "unauffällige" Agenten zum beschatten auf der Strasse etc.. Damit es nämlich auch gar nicht dazu kommen kann, dass einzelne Mitarbeiter plötzlich Partei ergreifen, wie es im Film passiert. In einem Polizeistaat wird jeder von jedem kontrolliert - auch die, die kontrollieren.
Der Film zeigt in keinster Weise, wie es in der DDR zuging, sondern lediglich, wie sich ein westdeutscher Regisseur vorstellt, wie es zugegangen sein müsste.

Viele sagen, "das Leben der Anderen" sei halt nur ein Spielfilm, und da habe man auch ein gewisse künstlerische Freiheit. Das ist schon wahr, doch ist das Problem, dass viele Leute genau das zu vergessen scheinen und mit Kommentaren kommen wie: "Da habe ich ja mal gesehen, wie das in der DDR war" und "so war das also mit der STASI", gleichzeitig mit, dass der Film in Wirklichtkeit die Verhältnisse in einem Polizeistaat schamlos verharmlost. Will man wirklich was über die STASI lernen, sollte man lieber Filme wie "Brazil" von Terry Gilliam oder "1984" sehen. Das sind zwar Science Fiction, treffen aber die Verhältnisse der DDR hundertmal besser.


Niki

Der Film sollte ein Homage an Menschlichkeit, Ehre und Idealismus sein. Warum müssen die vermeintlichen "Fehler" immer so (typisch für die Deutschen) kritisiert werden?
Es ist das erste deutsche Film mit so viel Wärme und Emotionalität, den ich gesehen habe. Die Deutschen könnten noch viel mehr solche Filme brauchen. Es ist Zeit, dass deutsche Kino sich von albernen Komödien und lächerliche Billigfilme verabschiedet. Sonst wird die ganze Welt denken, die Deutschen seien oberflächlich und billig. Das Leben der anderen hat Deutschland international wieder interessant gemacht und zwar als ein Land, dass auch Idealisten in sich birgt!!


Andreas Böhme

Ich kann nur sagen: ganz großes Kino, wenn auch an manchen Stellen etwas überzogen. Und das kann ich sagen als ehemals Betroffener, der mit der STASI in Berührung kam und aufgrund des christlichen Glaubens lange Zeit überwacht wurde. Dieser Film hat mich tief getroffen und beschäftigt mich seither jeden Tag.


Jocki

Ich habe den Film gestern zum erstenmal im TV gesehen. Hatte mich eigentlich schon lange darauf gefreut. Schließlich sollte es ja den Ehrungen und Preisen zufolge, einer der besten deutschen Filme sein. Aber ich war tief enttäuscht von der hahnebüchenen Story.
Ich bin in der DDR aufgewachsen und ich behaupte: so einen lieben, guten STASI-Offizier hat es niemals gegeben!!
Von wegen Opfer schützen und decken und zu dessen Gunsten auch noch Berichte fälschen...ha ha ha.
Selbst wenn der STASI-Mann in seinem tiefsten Inneren eine gute Seele gehabt hätte, er hätte niemals so aus seiner Haut schlüpfen können. Er wurde ja selber überwacht!!
Man hat in der DDR von einigen Fällen gehört, in denen STASI-Leute vielleicht aus Gewissensgründen übergelaufen sind, vielleicht haben einige deshalb auch Suizid begangen.
Aber dass sich ein STASI-Offizier wegen einer zu überwachenden Person die eigene Karriere verbaut und dann auch noch im Apparat verbleibt, ist absolut unglaubwürdig.
Der Schluß des Filmes ist der Gipfel der Verhöhnung: Ein ehemaliges Opfer widmet in tiefer Dankbarkeit seinem STASI-Schergen ein Buch!!
von Donnersmarck sollte Märchenfilme machen.
Und noch eine Bemerkung zum Schluß.
Es wundert mich doch sehr, dass der Film bisher in der Öffentlichkeit nur positiv bewertet wurde. Wahrscheinlich passt es nicht ins Bild, sich kritisch zu äußern, wenn ein Film so hochkarätig besetzt ist und viele Preise einheimst und außerdem noch zum großen Teil durch öffentliche Fördermittel finanziert wurde!!






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