Das Imperium der Wölfe

Der zweite Spielfilm von Chris Nahon (Kiss of the Dragon, 2001) ist ein Actionthriller mit komplexer Handlung nach amerikanischem Vorbild, der leider in der zweiten Hälfte Logik und die Angemessenheit der Mittel vernachlässigt, und den auch Jean Reno nicht retten kann.

Das Imperium der Wölfe

Alles ist sehr flach in diesem Film. Die Schärfentiefe, die Gesichter und Körper überdeutlich vor verschwommenen Hintergründen abhebt, als bewegten die Personen sich auf einem schmalen Grat; die sicher geglaubte Existenz als Ehefrau, aus der man urplötzlich hinausgeschleudert wird, als hätte man unbewusst einen Schritt über eine unsichtbare Grenze getan - über den kleinen scharfen Bereich hinaus, den die Kamera einfängt, hinein in unbekanntes Terrain.

Flach ist aber auch die Geschichte in diesem französischen Action-Thriller, der beginnt wie ein intelligentes Rätsel und endet wie ein Projekt, bei dem die Drehbuchautoren Chris Nahon, Christian Clavier und Franck Ollivier nach diesem alten Spiel verfahren sind, in dem einer einen Satz schreibt, der nächste einen weiteren Satz und immer so weiter, bis eine wirre Geschichte dabei herauskommt, die für ein Amüsement bei einer Abendgesellschaft taugt, aber nicht für einen Film.

Anna Heymes (Arly Jover) ist mit einem hohen Beamten des Innenministeriums verheiratet. In der ersten Einstellung liegt sie, in blaues, kaltes Licht getaucht, auf einem Behandlungstisch. Sie soll Fotos identifizieren. Bei Personen der Zeitgeschichte gelingt ihr das, aber das Foto ihres Ehemannes zeigt ihr nur einen Unbekannten. Sie leidet unter Amnesie, ihr Mann Laurent (Philippe Bas) will sie überreden, sich operieren zu lassen. Ihr kommen Zweifel, ob sie wirklich diejenige ist, die sie zu sein glaubt.

Zur gleichen Zeit untersucht der junge Polizist Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) drei Frauenmorde im türkischen Viertel von Paris. Die Leichen wurden bestialisch geschändet, ihre Gesichter verstümmelt. Mit der Hilfe des ehemaligen Kommissars Schiffer (Jean Reno in einer schmierigen, brutalen Rolle) kommt er bald dahinter, dass der Killer auf der Suche nach einer bestimmten Frau ist und die drei ermordeten Mädchen nur Zufallsopfer wurden, weil sie ihr ähnlich sahen.

Das Imperium der Wölfe

Diese beiden Handlungsstränge laufen eine ganze Zeit lang nebeneinander her, was tatsächlich zum Aufbau einiger Spannung führt. Renos Schiffer, dessen Motivation den ganzen Film hindurch undurchsichtig bleibt, bekommt reichlich Gelegenheit, seine skrupellosen Ermittlungsmethoden zu demonstrieren - zum Beispiel durch das Abtrennen von Fingern durch eine Papierschneidemaschine. Nerteaux als “guter Cop” fühlt sich bald in eine rabiate Pariser Unterwelt entführt, die in allen Farben ausgemalt wird.

Als Anna schließlich entdeckt, wer sie wirklich ist, wird der Film von Regisseur Nohan zu einer Mischung aus Nikita (Luc Besson, 1990) und The Bourne Identity (Doug Liman, 2002). Damit sind auch schon zwei Filme genannt, die das Problem von Das Imperium der Wölfe (L’Empire des Loups) illustrieren. Nikita war ein Actionthriller aus Frankreich, der Maßstäbe gesetzt hat und sogar später von Hollywood schwach kopiert wurde (Codename: Nina, 1993); The Bourne Identity, in dem es um einen zur Kampfmaschine ausgebildeten Agenten geht, der sein Gedächtnis verloren hat, war ein routinierter US-Streifen. Das Imperium der Wölfe ist das Bemühen zu stark anzumerken, in dieser Liga mitzuspielen.

Nahon spielt an vielen Stellen kreativ mit dem Baukasten des Actionthrillers. Aber immer wieder fehlt ihm das Gespür für den richtigen Einsatz der Mittel. Dazu gehört unter anderem der leitmotivisch völlig übertriebene Regen. In wirklich jeder Szene, die in Paris spielt, regnet es; das ist ein Bild, das sich sehr schnell abnutzt. Dazu gehört auch, dass Anna ihre Verzweiflung über die Erkenntnis, dass ihr Gedächtnis gelöscht wurde, mit einem penetranten Beben der Nasenflügel darstellt.

Und das Ende, für das die Hauptfiguren extra in eine einigermaßen spektakuläre ostanatolische Landschaft reisen müssen, ist eine fast lächerliche Erinnerung an das immer gleiche Finale in den klassischen James-Bond-Filmen, mit Explosionen und finaler Schlacht. Nur ohne die für James Bond typische Selbstironie.

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Kommentare


Stefan

Ich kann die Kritik in Teilen nachvollziehen, die Handlungsstränge sind wirklich dürftig verknüpft. Aber schauspielerisch fand ich den Film durchaus ansprechend, die Atmosphäre habe ich auch sehr dicht erlebt und die Spannung hielt sich über die ganze Länge des Films...Da ich von einem Actionfilm vor allem dichte Atmosphäre, Spannung und eine interessante Geschichte erwarte war ich mit dem Film voll zufrieden und hab mich gut unterhalten gefühlt! Mit kleinen Abstrichen ein guter Film!


Muammer KAZANCI

Jean Reno allein ist es wert einen Kinobesuch zu mchen. Er überzeugt auch hier. Alles andere am Film ist lächerlich. Di ebeiden Handlungsstränge, deren Zusammenführung kramphaft erscheint. Der Ausflug nach Ostantolien. Bisweilen ist die Geschichte hinter der Geschichte weit interessanter. Es dürfte nicht alzuweit hergeholt sein, wenn die Türkophobie Frankreichs auch cinaastisch Ausdruck erlangt, indem gerade die dunkelsten Gestalten Türken sind. Alles Zufall und Fiktion? Aber sicher und der Papst ist insgeheim Moslem.


Maria Vasileiadou

Na ja...Und wir haben wieder
die Türkenphobie.Ob dass nicht schon seit Jahren nicht der Fall ist weil genau Sie schüren diese Phobie.Der Film war UND ist SEHENSWERT.


el zorro

EIN SEHNENSWERTER FILM GUTER SPANNUNGSAUFBAU LEIDER SCHWÄCHELT DER FILM IM ZWEITEN TEIL ERHEBLICH.
SEHR GUTE DARSTELLER ABER DAS FINALE EINFACH NUR ENTÄUSCHEND UND KAUM NOCH VERSTÄNDLICHE ZUSAMMENHÄNGE.
WILDE SCHIEßEREIN UND DANN AUS,WAHRSCHEINLICH BUGET ALLE ODER DARSTELLER KEINE ZEIT MEHR. SCHADE,TROTZDEM UNTERHALTSAM.






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