Das Ende - Assault on Precinct 13

In der Neujahrsnacht werden Polizisten und Gefangene des Polizeireviers 13 Opfer eines mit blutiger Präzision vorgetragenen Anschlags. Das Ende naht...

Das Ende - Assault on Precinct 13

Ein Undercover-Einsatz endet im Desaster, zwei Polizisten sterben, nur Sergeant Roenick (Ethan Hawke) überlebt. Acht Monate später sitzt er am Schreibtisch einer Randbezirkspolizeistation. Waren die Bilder des Einsatzes eben noch schnell geschnitten, mit verwirrenden Reißschwenks und überbelichteten Farben, so ist nun auch auf der Bildebene Stille eingekehrt.

Der französische Regisseur Jean-François Richet beginnt seine Narration klassisch. Er baut eine Opposition zwischen Dschungelkampf-Guerillakrieg in den Straßen und Schreibtischjob auf, wechselt vom illuminierten sommerlichen Asphalt in das dunkle Winterlicht, etabliert den dramaturgisch wichtigen Schneefall. Doch noch entscheidender ist die Drehbuchkomponente: Der Protagonist mit seinem Konflikt ist eingeführt. Roenick trinkt, ist von Schuldgefühlen zerfressen. Es ist die letzte Nacht des Jahres. Eine Schwellenzeit. Natürlich muss auch der Held sich verändern, den Schritt wagen – er wird seine Waffe wieder aus dem Schreibtisch holen müssen. Im bald beginnenden Kampf gegen hochtechnisierte Eindringlinge, die den Gefangenen Bishop (Laurence Fishburne) eliminieren wollen. Dieser wird beschuldigt, ein Copkiller zu sein – verkörpert also geradezu Roenicks Trauma. Doch die beiden müssen sich mitsamt aller im Gefängnis eingeschlossenen Belegschaft und Insassen zusammenraufen und gegen die übermächtige Bedrohung von Außen zur Wehr setzen.

Das Ende - Assault on Precinct 13

Das Ende etabliert nicht von ungefähr klassische Helden mit Westerneinschlag – der Film ist das Remake einer Hommage an Howard Hawks Rio Bravo (1959). Wie im Western, so verhandelt auch die Neuauflage ständig moralische Fragen, wobei die Positionen nur selten verwischen. Doch was ihr abgeht, ist die Geradlinigkeit des Klassikers. Dafür versucht der Thriller, den Zuschauer mit zu vielen Wendungen zu überraschen. Was daran liegen mag, dass man sich von dem Original, John Carpenters Anschlag bei Nacht (Assault on Precinct 13, 1976) absetzen wollte. Doch dieser anarchische Gewaltfilm scherte sich nicht um Drehbuchkniffe, massenkompatible Standardhelden oder moralinsäure Fragestellungen. Dieser späte und radikale Ausläufer des New Hollywood ließ einfach eine Horde wahnsinniger, terroristischer Sadisten auf die Menschen im Precinct 13-Revier los. Deren Motivation? Egal! Mit dem von Carpenter selbst komponierten Synthie-Sound und eindringlich grobkörnigen Bildern wusste der Regisseur sein Publikum zu schocken.

Dies geht Richets Film völlig ab. Bei ihm wird der Konflikt vor allem auf technischer Ebene ausgetragen: Die Eindringlinge sind mit allen Schikanen ausgerüstet, tragen Schutzanzüge und müssen durch das Glas ihrer Schutzhelme in den Kopf geschossen werden, wenn man sie ausschalten will. Fällt einer, bemächtigt man sich dessen Waffe, bis man das Ungleichgewicht so gut wie möglich ausgleichen kann. Man schmiedet Strategien, es ist Kriegszustand. Die Gefahr visualisiert sich hier vor allem in den roten Strahlen der Nachtsichtgewehre. Sie sind die Vorboten schießwütiger Materialschlachten. Doch Roenick und Bishop wissen sich zu wehren – wie gesagt, mit Kopfschüssen. Die von ihnen ausgelösten Blutfontänen sind das einzige vermeintliche Schockmoment in diesem braven Actionthriller. Die Tötungen sind so sauber, als hätte der französische Regienovize allen Dreck Carpenters sterilisiert. Nur einmal überrascht der Film mit einer unerwarteten Tötung.

Das Ende - Assault on Precinct 13

Was zu Beginn des Films reizt, ist die Starriege, im Minutentakt werden neben Hawke und Fishburne noch Hochkaräter wie John Leguizamo, Maria Bello, Brian Dennehy, Gabriel Byrne, Ja Rule und Matt Craven eingeführt. Doch ihr Spiel kann sich innerhalb des technischen Machtkampfes nicht entfalten.

Das Ende – Assault on Precinct 13 ist ein solider Thriller, der es mit anderer Kinodutzendware durchaus aufnehmen kann. Was ihn schmälert, ja klein macht, ist der Titel. Denn zu Carpenters Klassiker fehlt ihm doch einiges.

Kommentare


k

total der fehler behaftete film. polizisten als mörder und idioten in einem.






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