Das Comeback

Wer Konventionen liebt, im Kino nicht gerne überrascht wird und sich auch die dritte Wiederholung von Rocky V angeschaut hat, wird Das Comeback (Cinderella Man) lieben.

Das Comeback

Ron Howard ist ein anerkannter Regisseur. Oscarprämiert und von den Massen an der Kinokasse für Filme wie Apollo 13 (1995) und A Beautiful Mind (2001) entlohnt. Was Howard dabei im Laufe der Jahre geworden ist, könnte man als den konventionellsten Spürhund auf der Suche nach dem größten gemeinsamen Geschmacksnenner bezeichnen. Seine Filme sind grundsätzlich handwerklich mindestens solide und darüber hinaus unterhaltsam, oft sogar spannend. Häufig motiviert der ehemalige Schauspielkinderstar seine Darsteller dabei zu überdurchschnittlichen Leistungen. Die Gefahr bei diesen sicheren Filmen ist jedoch augenscheinlich: irgendwann verkommen sie zu reinen Konzepten ohne Seele und vor allem ohne Überraschung. Jede Szene scheint nur darauf aus zu sein, den Zuschauer in seiner Seherfahrung zu bestätigen, ihn nicht zu verunsichern, sondern seine Erwartungen zu erfüllen.

Bei Das Comeback (Cinderella Man) lauert der Schrecken schon in der ersten Einblendung. Ein Zitat weist daraufhin, daß es keine ergreifendere Geschichte im Boxsport, als die nun folgende gäbe. Das mag ja auch sein, nur wie soll sich dies dem Zuschauer vermitteln, wenn er jede Einstellung der folgenden zweieinhalb Stunden bereits einmal woanders gesehen hat? Man könnte Howard einen klassischen Erzähler nennen, man könnte aber auch seine Einfallslosigkeit anprangern, zum Beispiel, wenn er wichtige Hintergrundinformationen über die Zeit der Weltwirtschaftskrise über einen auf dem Straßenboden liegenden Zeitungsausschnitt vermittelt.

Das Comeback

Der historische Hintergrund bei Das Comeback ist entscheidend, und so werden auch immer wieder Daten eingeblendet, vornehmlich, wenn historische Boxkämpfe stattfinden. Der erste am 30.11.1928 im New Yorker Madison Square Garden. Jim Braddock (Russell Crowe) gewinnt die Auseinandersetzung und entkleidet sich zu Hause. Die Kamera filmt den von Schmuck beladenen Nachttisch und es kommt, was kommen muß – die nächste Einstellung zeigt ein nur noch ärmlich eingerichtetes und ohne schmucke Utensilien versehenes Schlafzimmer. 25.9.1933 – Braddock ist wie alle Amerikaner von der Weltwirtschaftskrise eingeholt. Mit ihm ging es derweil abwärts wie mit dem ganzen Land. Obwohl er heldenhaft noch mit einer gebrochenen Hand kämpft, entzieht man ihm nach zahlreichen Niederlagen die Boxlizenz.

Schon bald befindet sich Jim im freien Fall, ehe er auf das Sozialamt angewiesen und ohne Strom dem Zuschauer ein filmisches Signal gibt, dass er nun endgültig die Talsohle erreicht hat: „Ich kann nicht mehr beten.“ Streichereinsatz.

Nur gut, daß er so ein redlicher, hart arbeitender Kerl ist und die passende Frau gefunden hat: Mae (Renée Zellweger) liebt ihn über alles und selbst in den existenziell bedrohlichsten Phasen halten die beiden zusammen wie Pech und Schwefel. Da stellt sich das Wunder zwangsläufig ein: Jim erhält eine zweite Chance. Die Geschichte ist bekannt, Titel und Poster verschweigen es nicht: natürlich wird er sie nutzen. Um dann seine Schulden beim Sozialamt zurückzuzahlen. Er steigt zum „Stolz von New Jersey“ auf, eine ganze Region, ja, eine ganze Nation richtet sich an ihm auf. Jetzt fehlt ihm nur noch eines, um den Weltmeistertitel von einem ungehobelten versnobten Totschläger zurückzuholen, nämlich die ganze Unterstützung seiner besorgten Frau. Nun denn, wir wissen ja, wie Adrian in solchen Fällen ihrem Rocky in letzter Sekunde zur Seite springt und so läßt sich auch Mae kurz vor der ersten Runde in den Katakomben des Madison Square Gardens blicken. Nach dem Happy End erfahren wir dann auch noch, dass Jim ehrenvoll im Zweiten Weltkrieg gedient hat. Als wenn wir das nicht längst geahnt hätten...

Das Comeback

Cinderella Man ist Biopic und gleichzeitig Period Picture, was auch für Scorseses Anfang des Jahres gelaufenen Aviator gilt. Doch während der New Yorker Regisseur sein Publikum mit innovativer Kameraarbeit, blendendem Dekor und grandiosen Schauspielern verwöhnte, wartet Howard nur mit Letzterem auf. Dabei liefern Zellweger und Crowe im Grunde genommen nur das ab, was man von ihnen erwarten darf. Auch der wortlose Cameoaufritt des früheren Muhammad Ali-Trainers Angelo Dundee weiß nicht wirklich zu begeistern. Absolut erstaunlich dagegen ist die Ausfüllung der Nebenrollen. Paddy Considine, Bruce McGill, Nicholas Campbell und allen voran Paul Giamatti bescheren dem Film seine stärksten Momente. Auch Craig Bierko als Champion Max Baer weiß zu überzeugen, allerdings muss er mit dem Manko leben, an Robert DeNiro als Jake LaMotta in Wie ein wilder Stier (Raging Bull, 1980), ebenfalls von Scorsese, zu erinnern. Eine Erinnerung, die Cinderella Man gar nicht gut tut.

Trotz all dem wird der Film bereits als potentieller Oscarkandidat gehandelt, was allerdings einen Rückschritt bedeuten würde. In diesem Jahr wurde dort nämlich ein Boxerfilm ausgezeichnet, der genau den Mut und die Bravour aufwies, die Cinderella Man komplett abgeht: Million Dollar Baby.

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