Das A-Team

Die Verfilmung der Fernsehserie aus den 1980er Jahren bleibt ihrer Vorlage treu, ragt aber genau deshalb nur wenig aus der Masse ähnlicher Filme heraus.

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Im Jahr 2010 bringt Hollywood gleich gruppenweise verstoßene Soldaten und verratene Söldner auf die Leinwand; in den USA ist The Losers (2010) bereits angelaufen, in dem ein Trupp geheim operierender Soldaten sich gegen einen Bösewicht in der CIA zur Wehr setzen muss, und The Expendables (2010) zeigt lauter Superstars als von ihrem Auftraggeber betrogene Söldner. Die Titel sind stets ironische Selbstbezeichnungen, denn die Protagonisten sind natürlich die Besten ihres Fachs, im Sprengen, Schießen und Hüpfen macht ihnen niemand etwas vor.

Zugleich sind die Filme, wie die meisten Actionblockbuster, schon in ihrer Grundanlage Konstrukte, die nicht mehr ernst genommen werden wollen, denen die Ironisierung ihrer eigenen Handlung immer schon eingeschrieben ist: So viel wird da geballert und gerannt, so selten bekommt eine Hauptfigur auch nur einen Kratzer ab, und am Ende funktioniert immer der komplizierte Plan, den sich der Denker in der Truppe ausgedacht hat.

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Genau deshalb ist es nur konsequent, dass es jetzt also auch Das A-Team (The A-Team) als abendfüllenden Spielfilm gibt, nach der gleichnamigen Fernsehserie aus den 1980ern, die problemlos als Blaupause für all die vorab genannten Filme dienen kann: Vier Soldaten einer Spezialeinheit, zu Unrecht unehrenhaft entlassen, die sich als Söldner für ehrenhafte Zwecke anheuern lassen, spielen hier die Hauptrollen in immer ähnlichen Folgen mit stets kurz vor Schluss bereinigten Ungerechtigkeiten. Die Serie gibt ihren Figuren feste Typologien – der schlagfertige Schönling, der schwarze Rammbock, der irre Pilot und der etwas ältere Denker –, und wenn der Pulverdampf verzogen ist, heißt es: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Regisseur Joe Carnahan, der mit zwei weiteren Autoren auch das Drehbuch verfasst hat, will es auch jüngeren Zuschauern leicht machen, sich in die Konstellation der immerhin gut fünfundzwanzig Jahre alten Show einzufinden, und erzählt seinen Film nicht nur als Geschichte von den Ursprüngen, sondern verlegt ihn auch vage in unsere Gegenwart. „Irgendwo in Mexiko“ fangen Film und „A-Team“ an, schon bald darauf aber sind wir im Irak und damit auf dem sicheren Boden eingespielter Genre-Topoi.

Das A-Team 2

Recht schnell werden die vier Männer dann bei einem geheimen Auftrag übers Ohr gehauen und müssen deshalb, zunächst mit Unterstützung der CIA, ihre Unschuld beweisen, indem sie den wahren Bösewicht ausfindig machen. Die Jagd ist dabei geografisch so erratisch-umherwandernd, wie die Actionszenen in der Tat spektakulär, aufregend und völlig übertrieben bis bekloppt sind. Mit einem Panzer an Fallschirmen ein abgeschossenes Flugzeug verlassen? Klar. Hütchenspiel mit Frachtcontainern? Gerne.

Nach dem überaus brutalen, oft misslungen schwarzhumorigen Smokin’ Aces (2007) verzichtet Carnahan hier darauf, viel Gewalt zu zeigen – dennoch führte Das A-Team in den USA tatsächlich deshalb zu Diskussionen, weil der Film Nebenfiguren en gros, wenn auch meist ohne große filmische Aufmerksamkeit, ihre Leben nimmt und somit die familienfreundliche Politik der Fernsehserie, in der trotz aller Explosionen und Schüsse praktisch nie jemand ums Leben kam, nicht konsequent weiterverfolgt.

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Der Exzess von Das A-Team liegt jedoch weniger in den Gewaltdarstellungen als in der Menge verbogenen und zerteilten Metalls, zumal im durchaus großartig überzogenen Finale. Und er liegt in der Chuzpe, mit der uns all das als originell und aufregend verkauft werden soll. Zwar ist der Film trotz seiner ausführlichen Länge von fast zwei Stunden nie wirklich langweilig, es wird aber zum Ende hin überdeutlich, dass er dem Kino nichts zu bieten hat, was der Actionfilm nicht schon zu Genüge enthält.

Denn das Erbe der Fernsehserie Das A-Team, für deren Qualität man sich nur mit einiger romantischer Vergangenheitsverklärung auch heute noch begeistern kann, wird eben nicht nur in diesem Film, sondern ebenso in Streifen wie The Losers mit verwaltet, die bis zur typologisierten Zeichnung der nachgerade archetypisch erscheinenden Figuren dem Erfolgsrezept des „A-Teams“ huldigen.

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One-Liner und Patronen fliegen also auch in anderen Actionkomödien in vergleichbarer Zahl; Das A-Team zeichnet sich dann zum Beispiel dadurch aus, dass es mit festen Versatzstücken seines Quellenmaterials ironisch und respektvoll zugleich umgeht, wenn zum Beispiel der schwarze Van von B.A. Baracus (Quinton Jackson) zwar im Film erscheint, aber gleich zu Beginn zu Schrott gemacht wird – in einer Fortsetzung wird er sicher wieder auftauchen. Das Geplänkel zwischen den Protagonisten – Dialoge muss man das nicht nennen – funktioniert außerordentlich gut, und das Hormonlevel der angepeilten Zielgruppe dürfte nicht nur durch die sehr maskulinen Identifikationsfiguren, sondern auch durch Jessica Biel in einer Nebenrolle in Bewegung versetzt werden.

Und was mehr als fluffiges Entertainment für große Jungs könnte man bei der Verfilmung dieses Stoffes auch im Sinn haben?

Trailer zu „Das A-Team“


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Kommentare


ChristiansFoyer

Von Carnahan hätte man nach dem ziemlich guten "Narc" zwar ein bißchen mehr erwarten können, aber sei's drum. Hätte hier wohl weit schlimmer kommen können, als das der Film 'nur' nicht der aller originellste ist und ansonsten klingt das alles nach sauber konsumierbarem Entertainement


bingo

ich denke, der Film war super. und ich liebe Murdock. er war wirklich krank


Daniel

Ich gebe zu, ich bin auch gute 20 Jahre, nachdem ich sie zum ersten Mal im ARD Vorabendprogramm gesehen habe, "Nostalgie"-Fan der Serie und irgendwas muss sie haben, da ich das bei anderen, ähnlich gelagerten Serien, nicht sagen kann. Bzgl. der Kinoversion hatte und habe ich arge Zweifel, vor allem, weil es zwangsläufig eine völlig andere Besetzung ist, der vermutlich nichts anderes übrigbleibt, als die Originale nachzuahmen. Aber ausgerechnet Originalität vom Film zu verlangen kann nur schief gehen. In kaum einer anderen Serie dürfte schließlich jede einzelne Folge 1:1 den gleichen Ablauf haben. Lustig hätte ich allerdings gefunden, wenn der Film einem wichtigen Grundprinzip des Originals treu geblieben wäre: Egal wieviel geballert wird und wie viele Jeeps durch die Gegend fliegen - es stirbt niemand !


Ich will meine 60 Minuten Lebenszeit zurück!

Ich hatte wirklich 0 Erwartungen an diesen Film. Dass selbst die so dermaßen untertroffen werden konnten, hat mich schockiert.

Sowas Überdrehtes und Flaches habe ich wirklich selten gesehen. Der Charme des Originals mit Füßen getreten.

Bei der bescheuerten Fallschirm-Panzer-Szene ist mir endgültig der Geduldsfaden gerissen und ich bin rausgegangen.

Ich will meine 60 Minuten Lebenszeit zurück.


swwsws

Mein Lieblings-Film.
Besser wie die Serie, mehr Witze ;)


Michael Schütze

Der beste Film aller Zeiten. Genau die richtige Mischung aus Action und Witz. Die Schauspieler haben auch wie die Faust aufs Auge gepasst. Habe ihn jetzt schon 4 mal gesehen und freue mich auf eine Fortsetzung.


Gunnar Gampert

Wer die Serie mag oder liebt wird diesen Film garantiert zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zählen!
Wie man aus der Serie kennt, lernen sich die vier nicht zufällig kennen, sondern dienen in der gleichen Kompanie im Vietnamkrieg wo sie einen Befehl verweigern, der sie vors Kriegsgericht bringt und zum A-Team macht.
Der Film soll ja die Vorgeschichte zeigen, wies zum A-Team kommt, was aber nicht durch Zufallsbegegnungen in Mexiko bzw im Irakkrieg geschieht. Also meiner Meinung nach der letzte scheiss! Und dann noch der Kölner Dom in Frankfurt...






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