Dark Water – Dunkle Wasser – Kritik

Hollywood hat den „J-Horror“ längst für sich und sein Publikum entdeckt. Daher verwundert die amerikanische Neuauflage des japanischen Gänsehautstreifens Dark Water nicht. Was zunächst mehr überrascht, ist die Tatsache, dass Walter Salles hierbei die Regie übernahm.

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Mit Filmen wie Central Station (Central do Brasil, 1998) oder Die Reise des jungen Che (Diarios de motocicleta, 2004) wurde der renommierte brasilianische Regisseur Walter Salles eher für feinfühlige Dramen und humanistisches Autorenkino als für nervenzerrende Schocker bekannt. Dennoch sieht er sich selbst auch als einen horror-movie aficionado, der mit den Filmen Hitchcocks, Polanskis oder Tourneurs aufwuchs und seit jeher einen psychologischen Horrorfilm inszenieren wollte. Sein Hollywood-Debüt bot ihm nun Gelegenheit dazu.

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Dark Water – Dunkle Wasser ist das Remake von Hideo Nakatas melancholischer Geistererzählung gleichen Titels (im Original: Honogurai mizu no soko kara, 2001). Im Wesentlichen behalten Salles und Drehbuchautor Rafael Yglesias den Plotverlauf der japanischen Vorlage bei, verlegen ihn aber in die amerikanische Gegenwart: Aufgrund finanzieller Nöte sieht sich die allein erziehende Mutter Dahlia (Jennifer Connelly) dazu gezwungen, mit ihrer kleinen Tochter Cecilia (Ariel Gade) nach Roosevelt Island zu ziehen, einer unmittelbar vor Manhattan gelagerten Insel für die minder Bemittelten New Yorks. In dem von ihnen bewohnten Apartmentkomplex zeigen sich alsbald Anzeichen der Verwahrlosung und des Verfalls. Ein stets wiederkehrender, tropfender Wasserfleck an ihrer Zimmerdecke und mysteriöse Fußschritte aus dem zuoberst gelegenen, verlassenen Apartment beunruhigen die junge Mutter zunehmend. Als Dahlia diese, wie weitere unheimliche Geschehnisse mit dem Geist eines verschwundenen Kindes in Verbindung bringt, der sie und ihre Tochter anscheinend entzweien will, beginnt sie, an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln.

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Schleichend bahnt sich das Grauen seinen Weg in die Welt Dahlias und ihrer Tochter – oder besser gesagt: sie bahnen sich langsam ihren Weg in die Welt des Grauens. Wenn sie mit der Seilbahn durch die bekannten Wolkenkratzerschluchten Manhattans fahren, hinweg über den East River zu den slumartigen Nachbarschaften Roosevelt Islands, dann lassen sie das gewohnte New York zurück. Keine Hektik, kein reges Treiben, kein Lärm mehr – aber auch keine Lebendigkeit. Stattdessen: verlassene Orte in monochromen Farben, durchnässt vom unaufhörlichen Regen. Dem Tod scheint man hier näher zu sein. Salles gelingt es, von Anfang an eine bedrückende Atmosphäre des entrückten Roosevelt Islands und seines gespenstischen Apartmentkomplexes zu entwerfen.

Die Entdeckung dieses abgelegenen New Yorker Settings, das unverständlicherweise von der Filmindustrie bisher ignoriert wurde, erweist sich als ein Glücksgriff für den Film. Denn neben aller Poetik mit der Kameramann Affonso Beato seine düsteren, verwaschenen Bilder vor dem stimmungsvollen Hintergrund entwirft, bereichert es Dark Water mit einer Art urbanem Realismus. Für den ehemaligen Dokumentarfilmer Salles ist das Realitätsprinzip ein grundlegender Aspekt seiner Arbeit. Wie sein Vorbild Polanski, dessen unerreichte Meisterwerke Ekel (Repulsion, 1965) und Rosemaries Baby (Rosemary’s Baby, 1968) sich beim Betrachten des Filmes aufdrängen, verankert er den Schrecken im Wirklichen.

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Der Horror ist für Salles ganz real. Er ist für ihn die auseinanderdriftende Gesellschaft, die Schere zwischen Arm und Reich, die emotionale Kälte und Gleichgültigkeit von Mitmenschen, die Feindlichkeit einst Liebender, die Vereinsamung des Individuums. Eine solche Welt gebärt ihre eigenen inneren Gespenster aus den Neurosen und Psychosen, die den modernen Menschen befallen. Die Figur der Dahlia ist eines ihrer Opfer, psychologisch differenziert und glaubhaft dargestellt von der den Film tragenden Jennifer Connelly. Sie mimt keine hülsenhaft bleibende Scream Queen, sondern verkörpert ihre Rolle mit einer solch mentalen Fragilität, dass man als Zuschauer daran zweifelt, ob die rätselhaften Ereignisse irrealen Ursprungs oder eben doch nur Auswüchse Dahlias kranker Psyche sind.

Anders als das japanische Original interessiert sich Salles – auch kulturbedingt – weniger für paranormale Geistererscheinungen als vielmehr für die seelische Desintegration seiner Heldin innerhalb einer menschenfeindlichen Umwelt. So sind ihm denn auch jene Momente des Films am besten gelungen, die Dahlias Paranoia und ihren inneren Kampf um die Bewahrung der eigenen Integrität schildern, während die rein physischen Horrormomente, die Konfrontationen mit dem Geist des kleinen Mädchens, nur wenig angsteinflößend bleiben.

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So dürften all jene Zuschauer, die den genreüblichen fließbandmäßigen Schrecken auf Schrecken erwarten, von Dark Water enttäuscht sein. Salles verzichtet auf effekthascherische Schocks. Sein Film bietet vielmehr ein schleichendes, omnipräsentes Gefühl der Beklemmung als des Terrors und positioniert sich mit seinem Verzicht auf Blut und Gewalt im Bereich des sophisticated horror wie etwa The Sixth Sense (1999) oder The Others (2001).

Leider trübt das vom Originalfilm zum Teil abweichende und etwas aufgesetzt wirkende Finale, bei dem dann doch noch einige konventionelle Spannungsmomente erzwungen werden, den positiven Gesamteindruck von Salles’ Film. Alles in allem ist ihm mit Dark Water jedoch ein leiser, atmosphärischer Horrorthriller gelungen, der die vorherigen amerikanischen „J-Horror“-Remakes Ring (2002), The Grudge (2004) und Ring 2 (2005) zwar nicht an Schrecken, wohl aber durch ein gewisses Maß an künstlerischer Ernsthaftigkeit übertrifft. Zudem ist es der erste Film in dieser Reihe von Neuverfilmungen, der qualitativ mit seinem Original mithalten kann, auch wenn er diesem – außer einer stärkeren Psychologisierung der Geschichte – nur wenig Neues hinzufügt.

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Kommentare


Lempa

Hmmz... Naja... Ich find den Film ja mal richtig schlecht.
1. War es langweilig
2. Hat es für mich irgendwie keine Handlung gegeben
3. Keine Spannung

Naja, macht euch eure eigene Meinung!


The Bimmer

Noch nie habe ich Metropolis so real (!) gesehen wie in diesem Film. Was für ein Ort!


dari

fast der ganze film war total langweilig bis auf den schluss der war ok


Ari

Dieser Film ist brilliant! Die Atmosphäre des Films ist zu jeder Zeit beklemmend und spannend. Die Spannung baut sich aber eher über die Psyche auf, und nicht wie in anderen Horrorfilmen über Schockmomente und Gemetzel. Die düstere Stimmung in dem Film ist so super gemacht- ich bin begeisert. Man kann diesen Film halt nicht mit Streifen wie The Ring vergleichen.


sandra stern

das ist bestimt ganz gruselig denk ich ob wohl ich es nicht gesehen hav


Die kleine Ikoku

Dieser Film ist wohl nur für diejenigen langweilig, die absolut kein Einfühlungsvermögen und nicht mal im Ansatz ein Gespür für subtile psychologische Vorgänge besitzen, sondern eher auf plumpe und gewaltätige Schockeffekte abfahren. Fragt sich, welche Rückschlüsse man nun auf den Charakter dermaßen ignoranter Kritiker ziehen kann??






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