Criminal Activities

Gangsterfilm mit Grünkohlshake: Jackie Earle Haley versucht sich an den Verbrechen der 1990er und bleibt dabei nur Mitläufer.

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Ein Mafiaboss mit Wellness-Shake. Grünkohl, Weizengras, dehydriertes Kaktuspulver: wichtige Schlagworte für den schrulligen Eddie Lovato (John Travolta), der für einen Fünf-Meilen-Lauf trainiert. Prominent prangt der Gesundheitsdrink in der Mitte des Kaders, während Eddie von seiner Motivation genüsslich in Richtung Quantenphysik und Ökonomiegrundregeln abschweift, bis er zur Situation der vier jungen Männer überleitet, die ihm gegenüber sitzen. Nicht einmal 15 Minuten braucht Regisseur Jackie Earle Haley, um diese vier von ihrem Wiedersehen auf einer Beerdigung über ein geplatztes Aktieninvestment – mit ein paar Schlägen und einem kurzen Zwangsaufenthalt im Kofferraum – zu ihrem Meeting mit dem großen Boss zu lotsen. Selbigen lässt Haley mit ein paar Jump Cuts in der Hotellobby erscheinen, bis er sich zu den wiedervereinten Schulfreunden gesellt. Nun sitzen der großspurige Wallstreet-Wannabe Zach (Michael Pitt), der ewige Highschool-Loser Noah (Dan Stevens), der gutmütige Ex-Alki Warren (Christopher Abbott) und der bedachte, schweigsame Bryce (Rob Brown) vor Eddie und seinem Grünkohlshake. Ihr Problem: Sie schulden ihm einen Haufen Geld.

Genre-Handlanger

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Um ihre Schuld zu begleichen, entführen die vier Freunde in Lovatos Auftrag den Lieblingsneffen seines Gangsterrivalen. Einen stümperhaften, aber erfolgreichen Entführungsversuch später findet sich der smarte Nachwuchsgangster Marques (Edi Gathegi) an einen Stuhl gefesselt wieder, umringt von den vier Anfängern. Er braucht nicht lange, um die Freunde mithilfe von Gewissensappellen, Drohungen und Monologen gegeneinander aufzuwiegeln. So weit der reproduzierte Plot, der so verdammt nah an der recht unbeachteten Krimi-Komödie Suicide Kings (1997) liegt, dass ihn wahrscheinlich nur ein Plot-Twist à la Die üblichen Verdächtigen (The Usual Suspects, 1995) vor einer Urheberrechtsklage bewahrt hat.

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Criminal Activities ist Heist-Komödien-Kino der 1990er. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern aus jener Ära lässt der Film aber kaum Hingabe für das eigene Genre erkennen. Haley und Drehbuchautor Robert Lowell reimaginieren nichts, spielen nicht mit Genreerwartungen, auch ein lustvolles Zitieren ist kaum erkennbar. Criminal Activities beschränkt sich darauf, ein Subgenre auf stofflicher Ebene auszuschlachten. Buddy-Streitgespräche, Monologe zur Lebensweisheit und cool eloquente Gangster, die man wahlweise dem Kino von Guy Ritchie, Quentin Tarantino oder den Drehbüchern von Scott Frank zuordnen kann, bestimmen den Plot, den Haley mit allerlei Mini-Subplots und Rückblenden anreichert. Er selbst tritt dabei als gesprächiger Teil des sarkastisch, beredt und autoritär aufspielenden Kahlkopf-Duos auf, das, in Lovatos Namen, entweder Projektile oder gut gemeinte Lebensratschläge verteilt. So formelhaft alle Figuren des Films angelegt sind, so erstaunlich wirkt die Spielfreude der beteiligten Schauspieler. Das Jungdarstellerquartett belebt die austauschbaren Streitigkeiten, während die Gangsterabteilung genüsslich ihren Status mit Augenzwinkern herunterspielt. Doch die Dynamik der Akteure ist gegenüber den wenig komplexen, aber gewaltig ausufernden Dialogwänden über weite Strecken machtlos.

Karma is a bitch

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Einzig das Konzept von Karma, das sich durch alle Abzweigungen des Plots zieht, gibt Criminal Activities einen Hauch von Originalität. Die Sünden der Vergangenheit, die der Film in kurzen Rückblenden serviert, ziehen in der Gegenwart blutige Folgen nach sich. Das gilt sowohl für gewalttätige Ehemänner, die mit Brecheisen bearbeitet werden, als auch für Gangster-Informanten, die zu groß auftrumpfen. So kommt die Rache des Schicksals zwar mitunter überraschend, aber nie ohne Packungsbeilage. Denn auch das Potenzial dieses thematischen Unterbaus wird auf die Formel „Das Leben ist ein Nullsummenspiel“ eingedampft und in den bereits prall gefüllten Dialog-Vordergrund gelagert, wo Marques die Aufgabe der Präsentation zukommt. Criminal Activities wirkt wie ein für zwei Jahrzehnte verschollener Genrebeitrag, der so austauschbar ist wie Grünkohl- und Weizengrasshakes.

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