Crazy, Stupid, Love

Mit erstklassiger Besetzung erzählen die Regisseure Glenn Ficarra und John Requa (I Love You Phillip Morris, 2009) in ihrem zweiten Film von einem Reigen aus ziemlich verrückten Liebesbeziehungen.

Crazy  Stupid  Love 07

Der Jetzt-ist-auch-alles-egal-Gesichtsausdruck von Steve Carell ist unbezahlbar. Die Züge hängen schlaff herunter, zwischen den Augen bildet sich eine kleine Falte, und er blickt sein Gegenüber mit zugleich fragenden und wissenden Augen an. Das Gegenüber ist in diesem Fall Jacob (Ryan Gosling), ein eleganter, durch und durch straffer Lebemann und passionierter Frauenabschlepper, der sich bereit erklärt, dem leidenden Geschlechtsgenossen in einer Art Crashkurs seine Männlichkeit zurückzugeben. Dann folgt das, was Männer immer tun, wenn sie sich besser fühlen wollen: Sie gehen, nun ja, shoppen.

Man merkt: Crazy, Stupid, Love hat einen feinen Sinn für Ironie. Doch dem Gesichtsausdruck von Cal (Carell) tut die Runderneuerung mit elegantem Jacket und italienischen Schuhen gut, er ist wie verwandelt. Was aber andererseits schade ist, und übrigens zu den insgesamt drei Dingen gehört, die an diesem schönen Film schade sind.

Crazy  Stupid  Love 13

Cal ist verzweifelt, weil seine Frau die Scheidung will. Seine erste Reaktion darauf ist, aus dem fahrenden Auto auszusteigen; seine zweite, in Bars zu sitzen und allen, die es nicht hören wollen, von seinem Unglück zu erzählen. Der Name des Liebhabers der Ehefrau, David Lindhagen (Kevin Bacon), immer wieder in verschiedenen Situationen zu verschiedenen Anlässen ausgesprochen, zieht sich dabei wie eine Beschwörungsformel durch den Film.

In einer Geschichte, die Crazy, Stupid, Love heißt, kann es aber nicht nur um eine gescheiterte Ehe gehen. Vielmehr wird ein wahrer Reigen von Beziehungen und Leidenschaften aufgefächert, von der erwachenden jungen über die im Ehealltag vergessene und die außereheliche bis schließlich zur geradewegs hoffnungslosen Liebe: Cals zwölfjähriger Sohn hat sich in die Babysitterin verschossen, die wiederum schwärmt für Cal. Der unwiderstehliche Jacob muss feststellen, dass er sich in eine Frau verliebt hat, bei der seine herkömmlichen Methoden nicht wirken („Ist das Dein Ernst? Du siehst aus wie gephotoshopped!“, ruft sie beim Anblick seiner Bauchmuskulatur. Das ist nur eine von vielen klugen Dialogzeilen.) Damit sind noch nicht alle Verwicklungen erzählt, die sich wie in einer klassischen Verwechslungskomödie zu einem komischen Finale mit durchaus ernsten Untertönen auflösen.

Crazy  Stupid  Love 12

Die Besetzung geizt nicht mit großen Namen. Carell wurde bereits gewürdigt. Goslings Rolle ist sehenswert anders als sein Slacker in Blue Valentine (2011). Julianne Moore spielt Cals scheidungswillige Frau Emily, wobei ihre Figur, das ist die zweite Sache, die ein wenig schade ist, nicht so oft zu sehen ist, wie man in einem Julianne-Moore-Film erwarten würde. Emma Stone, spätestens seit Einfach zu haben (Easy A, 2010) in bester Erinnerung, spielt die junge Frau, die sich Jacobs Charme zu erwehren versucht, und Marisa Tomei hat einen großartigen Auftritt als einsame, liebesbedürftige, hysterische und todkomische Lehrerin. Eine Entdeckung ist Analeigh Tipton als 17-jährige Babysitterin Jessica, deren aufblühende Sexualität die Handlung gehörig durcheinanderwirbelt.

Das Erstaunliche ist, dass trotz dieses Aufgebots an großen weiblichen Namen und trotz der Sorgfalt, die in jede einzelne ihrer Rollen gelegt ist, die Frauenfiguren allesamt nicht im Zentrum stehen. In Crazy, Stupid, Love geht es über die weiteste Strecke um die Beziehung von Steve Carells gehörntem Familienvater und Ryan Goslings Barhocker-Casanova. Für eine romantische Komödie, eigentlich ja ein Frauen-Genre, ist das durchaus ungewöhnlich, aber umso interessanter.

Crazy  Stupid  Love 03

Am Ende, und das ist die dritte Sache, die ein bisschen schade an Crazy, Stupid, Love ist, steht dann die Standard-Erkenntnis, dass Sex nur mit Gefühl gut ist und dass es doch eine „richtige“ Form von Liebe gibt. Das wird überflüssigerweise und außerdem noch recht pathetisch in einer Rede vor der versammelten Schule ausgeführt. Liebe ist halt, anders als vom Titel behauptet, doch nicht so richtig crazy. Höchstens stupid.

Trailer zu „Crazy, Stupid, Love“


Trailer ansehen (4)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.