Crank 2 - High Voltage

Was passiert, wenn man einer Frau in den Silikonbusen schießt? Crank 2: High Voltage kennt die Antwort. Und zeigt es.

Crank 2: High Voltage

Manche Filme sind per se keine Kritikerlieblinge. Dass die Crank-Franchise bei den meisten Journalisten und schreibenden Cineasten nicht auf Gegenliebe stößt, ist kein Geheimnis. Ein Genreprodukt dieser Art braucht sich darum aber nicht zu scheren, kennt es seine verlässliche Zielgruppe doch ganz genau. Die trifft man beim „Männerabend“ eines Multiplexes, bei der deutschen Fassung und Bier im Angebot. Die Vorstellung ist nicht nur ausverkauft, es wird sogar noch ein zweiter Saal gefüllt.

Ein Ohren- und Augenzeugenbericht

Die Belegschaft setzt sich ziemlich genau zu 97 Prozent aus jungen Männern zusammen. Das Verhältnis ändert sich, als zwei Damen nach einer Viertelstunde das Kino verlassen. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die meisten Zuschauer noch nicht ganz durch ihre Popcorntüte gefressen, die ersten Toilettenpausen werden trotzdem schon genommen. Bei besonders gut gemeinten Witzen prosten sich einige Grüppchen zu. Ganz vorne in der Gunst liegt das Tourette-Syndrom als Running Gag.

Crank 2: High Voltage

Doch viel wird nicht gelacht. Dabei geben sich die Synchronsprecher alle Mühe. Für verschiedene asiatische Volksgruppen und Nationalitäten bieten sie eine Bandbreite von Bezeichnungen über „Sushi“ und „Chop-Suey“ bis hin zu „Schlitzaugen“. Freund Chop Suey übrigens muss sich als Auftakt nicht enden wollender Analreferenzen eine Schusswaffe, gut geölt, rücklings einverleiben lassen. Eine schwarze Prostituierte, auch deren Gesäß der Kamera Aufmerksamkeit gewinnt, hört auf den Namen Chocolate. Von Bohnenfressern ist ebenfalls die Rede. Natürlich dürfen „Tucken“ nicht fehlen, wenn der Held besonders wütend ist, schimpft er: „blöde Homo-Fotze“. Irgendwann meine ich den Begriff „Betonscheißkörper“ zu hören, da leide ich aber schon am Fäkalsprachoverkill und halluziniere vielleicht. Zweifelsfrei allerdings geht es da um den Körper des Hauptdarstellers Jason Statham. Beschrieben von einer betagten Dame, die sogar einen selbstreferenziellen Touch ins Spiel bringen darf. Sie findet, Chelios, der Protagonist, habe ausgesehen, wie „dieser Fahrer“. Ruhe im Publikum. Nicht gecheckt? Ok, „Transporter“ liefert die Dame hinterher. Nun freut sich der Kinosaal hörbar. Kennen wir doch, natürlich.

Crank 2 legt es nicht auf Zweideutigkeiten an. Vielmehr geht es um das ständige Appellieren an infantile männliche Fantasiewelten. Kaum eine Szene, in der nicht primäre oder sekundäre weibliche Geschlechtsteile im Bild sind. Genau so häufig ist von männlicher Potenz die Rede. Crank 2 operiert nicht nur in seiner Direktheit nach der Funktionsweise eines Pornos, er bedient sich auch seiner Bilderwelten und seiner Handlungslogik.

Crank 2: High Voltage

Ebenso explizit ist der Versuch, die vermeintliche Geschwindigkeit des Films zu extrapolieren. „9 Sekunden später“ lautet eine Texttafel.

Gelächter kommt da nicht mehr auf, aber auch weit und breit keine Spannung oder Begeisterung in den Sitzreihen. Selbst die Freunde des Groben und Direkten, des Lauten und Vulgären, leiden an der Redundanz und Einfallslosigkeit des Dargebotenen. Immer wieder muss Chelios sein Elektroherz – das natürliche ist ihm gestohlen worden – schocken, immer wieder gerät er in lieblos gestaltete und aneinander gereihte Schießereien, Prügeleien und Verfolgungsjagden. Selbst das Zielpublikum ist sichtbar enttäuscht. Den Outtake im Nachspann, Highlight alter Burt-Reynolds-Filme, sehen nur noch die wenigsten. Dabei hatten am Ende zwei Zuschauer geklatscht, ein dritter sich angeschlossen. Sie brauchten allerdings weniger als 9 Sekunden.

Trailer zu „Crank 2 - High Voltage“


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Kommentare


Rumpel

Ich glaub dir kein Wort!
98% Männer im Publikum also und die wenigen Frauen sind nach einer Viertelstunde raus?
Blödsinn!
Bei meinem Kinobesuch waren etwa die Hälfte Frauen und die haben auch bei diversen besonders abgedrehten Szenen am lautesten gelacht.
Wen wunderts, Jason Statham ist ja auch ein Frauenschwarm. ;)

Der Film ist sehr tabulos und hantiert so ziemlich mit allen Klischees, die es gibt. Und gerade deshalb, weil er vor nichts Respekt zeigt, ist dieser Film schön unverkrampft und unterhaltsam. Also bitte, liebe Leser, ignoriert diesen eher von der verkrampfter Political Correctness und Prüderie des Autors also vom Film selbst zeugenden Review und seht euch den Fim an, es lohnt sich!


Sebastian

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen.
Ich weiß nicht in welchem Kino das gewesen sein soll, aber bei mir waren ebenfalls einige Frauen anwesend, die bis zum Schluss "durchgehalten" haben. Gelacht wurde auch; denn der Film ist lustig!

Verständlicherweise ist der Film nicht für jeden gemacht, sicherlich auch nicht für den Filmkritiker. :)

Ansehen lohnt sich! Eine tiefgreifende Handlung voller Emotionen wird denk ich auch gar nicht vorausgesetzt.
Crank 2 ist einfach ein wenig...krank...


Tim

Hm... habe die Kritik deswegen zuende gelesen, weil sie das Ganze mal etwas nüchterner betrachtet, aber zuletzt muss ich sagen: Der Autor der Kritik gehört offenbar nicht zu der Zielgruppe des Films und diese dann einfach als eine infantile Männergruppe darzustellen ist wohl das klischeebelasteteste, was ich hier finden kann.

Natürlich ist der Film nicht wie andere. Hat aber auch keiner erwartet bei dem Titel und der Vorgeschichte.

Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, musste ich am Ende einen Augenblick nachdenken: Worum ging es nochmal? Da die Szenen noch schneller und exotischer als im ersten Film verlaufen, ist es schwer alles bei einem Mal sehen wirklich mitzubekommen.
Umso mehr lohnt es sich ein weiteres Mal zu schaun!

Für mich persönlich war das bisher dieses Jahr das absolute Highlight, aber jedem das Seine!


wizud

Ich habe den Vorgänger Crank 1 bis zur Hälfte gesehen, dann ein starkes Bedürfnis nach filigraner Poesie und tiefschürfender Intellektualität verspürt: Pasolinis Teorema im Ohrensessel(gerne verstaubt), dazu eine mild aufgebrühte Tasse Kamillentee.
Die ich wohltemperiert zu mir nehme, um mir nicht die Hitzigkeit meiner schmerzhaft unterdrückten (Homo-)Sexualität ins Gedächtnis zu rufen. Wie als weiteres Zeugnis der Triebabfuhr kritzele ich ein flüchtiges "Ficken" auf crèmefarbenes Büttenpapier: Crank 2 habe ich nicht gesehen, ich fände ihn bestimmt - nicht gut (hüstel).

gerührt von Eurem Mitleid, liebes Prekariat


Fritz

ich habe den Film auf DVD gesehen.
Er ist zum brüllen komisch!
Das abgedrehteste und verrückteste was ich je gesehen habe.
Spitze!


Plebs

wizud, einfach klasse!


Unkas

Kompletter Schwachsinn. Eine blösinnige Aneinanderreihung bescheuerter Absurditäten.






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