Coriolanus

Ralph Fiennes lässt uns ins Leere laufen. Sein Coriolanus ist vor allem eines: gesprochener Shakespeare.

Coriolanus 01

Auge in Auge, Bart an Bart: Caius Martius Coriolanus (Ralph Fiennes) und sein Widersacher Tullus Aufidius (Gerard Butler) stehen sich gegenüber, umarmen sich. Männerliebe. Sie sind sich nah, auch äußerlich. Es ist das mittlere von drei Aufeinandertreffen. Die anderen beiden Male wird Martius gar kein Gesichtshaar tragen. Glatze und Drachentattoo prägen seinen Look im Normalfall – und das ist die akute Kampfeslust. Einmal frisiert Tullus Aufidius ihn selbst. Wenig später hat Martius den Frisierstuhl als Thron gewählt. Auf ihm wird er soft. Aufgeweicht durch die Worte seiner Mutter Volumnia (Vanessa Redgrave).

Worte sind es überhaupt, die dominieren – vermeintlich erstaunlich bei so vielen virilen Männern der Tat. Letztlich aber doch naheliegend. Ralph Fiennes verfilmt Shakespeare. Dort siegt im Zweifelsfall immer, wer die bessere Rede hält. Und so richtig glücklich wird keiner.

Coriolanus 02

Dass nicht nur Rom und Umgebung verdächtig offensichtlich nach Belgrad und Umgebung aussehen, sondern auch das Volk von entsprechenden Schauspielern und Komparsen verkörpert wird, legt eine deutliche politische, allegorische Lesweise nahe. Zumal die Handlung mehr oder weniger in der Gegenwart spielt. Nur die Sprache hat sich ein paar Jahrhunderte gehalten – und die erzählt von Zuständen, die noch mal deutlich älter sind. Aber all das lässt sich erstaunlich flüssig in die Gegenwart übertragen. In jene Gegenwart, die nach Mubaraks unfreiwilliger Abdankung ein ägyptisches Militärregime sehen wird. Vor einem solchen scheinen sich auch die Römer zu fürchten. Wobei der Vorwurf, der Coriolanus zum Verhängnis werden soll, mit seiner Berufung nicht zusammenhängt. Es ist sein Stolz, den man ihm nicht verzeihen kann.

Serben hin, Mubarak her. Irgendwann soll Coriolanus eine Mittlerrolle zwischen den eigentlichen Streitparteien einnehmen, und auch der Nahostkonflikt scheint auf. Diese Szene gehört ganz Vanessa Redgrave, die den Film in ihren wenigen Szenen prägt, unbeirrt und beeindruckend Shakespeare spricht. Die Männer tun dies in wechselnden Stimmlagen. Fiennes glänzt hier in seinem Spezialgebiet, Gegenpart Gerard Butler flüchtet sich in seinen schottischen Akzent, spricht aber irgendwie genauso, als stünde ihm Jennifer Aniston gegenüber.

Coriolanus 03

Coriolanus ist also mehr eine Sprechübung, ein vor Kameras gedrehtes Theaterstück, als eine politische Allegorie.  Eigentlich ist das eine Wohltat, gerade auf der Berlinale. Hätte doch die Inszenierung nur etwas mehr zu bieten, als Gerard Butler im Gamer-Modus.

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