Contraband

Sein Hemd zieht Mark Wahlberg nicht mehr bei jeder Gelegenheit aus. Metaphern für männliche Potenz findet Contraband dennoch reichlich.

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Helikopterflüge und dröhnende Bässe: Wenn es so etwas wie Testosteron-Zeichen im zeitgenössischen Kino gibt, dann sind das vermutlich beherrschende Aufsichten, einkreisende Kamerabewegungen und das peitschende Vorwärts schneller Beats. Während Steven Soderbergh gerade in Haywire die Kraft der kämpfenden Frau feiert, ist die Eroberung des Raums in Contraband ganz klar Männerdomäne. Und der Böse lutscht Lollipops.

Wer sich über Genderfragen austoben will, der ist mit Actionreißern gut bedient. Da ist der neue Hollywoodfilm des Isländers Baltasar Kormákur keine Ausnahme. Am meisten Stoff liefert zweifellos Ben Fosters Darstellung von Sebastian. Eine recht kleine, aber bedeutende Nebenrolle, in der Foster einmal mehr unter Beweis stellt, welch oft ungenutztes Schauspielpotenzial er besitzt. Sebastian ist der Freund des Protagonisten Chris Farraday (Mark Wahlberg) und zunächst vor allem der Gegenentwurf zum Bad-Boy-gone-Spießer Chris/Wahlberg. Gegen die schon zur Regel gewordene Attitüde des Machos mit weichem Herzen (Mann zu Frau: „Ich muss das regeln. Vertrau mir. Ich weiß, was ich tue.“) ist Sebastian der Single ohne Gewissensbisse. Statt Muckis bietet er eine beunruhigende Geschmeidigkeit.

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Der Plot wird Chris und Sebastian natürlich noch in eine Konfrontation schicken, denn – so viel darf verraten werden – der Spießer riskiert in der Ferne sein Leben fürs Wohl der Familie, während der andere zu Hause großzügig als Beschützer von dessen Frau und Kindern auftreten kann. Ansonsten ist die Handlung des Remakes schnell erzählt: Wie in Reykjavik-Rotterdam (2008), bei dem Kormákur für Hauptrolle und Produktion verantwortlich zeichnete, muss der ehemals Kriminelle, König der Schmuggler, aus seinem geregelten Leben zurück in die Gangsterwelt absteigen und ein letztes Ding drehen, um seinen Schwager aus einer brenzligen Situation zu retten.

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Contraband hegt keinerlei Ansprüche, mehr als ein ordentlicher Genrebeitrag zu sein. Giovanni Ribisi gibt routiniert den fiesen Kleinganoven, vor dem sich Frau und Kind fürchten. Wahlberg verärgert niemanden als prinzipientreuer Chris, der alles unternimmt, um nicht im Knast zu landen, und nur deshalb davor zurückschreckt, gleich allen zu zeigen, wer hier der Macker ist. Stattdessen wird nach Panama gereist auf der Suche nach Falschgeld und zufällig auch noch ein sündhaft teures Gemälde aufgelesen. Wer Vorhersehbarkeiten nicht scheut und sich für Frachtschifffahrt als Männer-Bastion erwärmen kann, ist also nicht ganz schlecht bedient. Mit den herausragenden Kampfkunstsequenzen des oben genannten Haywire hat Contraband allerdings ganz und gar nichts gemein. Choreografie hatte hier offensichtlich keine Priorität, es gibt aber ohnehin kaum Kämpfe – die meiste „Action“ ist eine der Reise, des Planens und Kalkulierens. Das zentrale Shootout nach einer Auto-Karambolage interessiert die Protagonisten im Übrigen nur peripher, die eigentliche Schießerei betrifft sie gar nicht.

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Genrefilm-Subtexte eignen sich besonders für steile Thesen. Da mag man sich noch so sehr sagen, es sei ja alles nur Show, nur Bestätigung vorhandener Gesinnungen, höchstens Symptom. Wenn man einmal davon absieht, dass Contraband allen voran ein Vehikel für Omnipotenz-Fantasien und verhalten archaische Männerbilder darstellt (so weit nichts Neues), dann eignet sich der Film auch noch ganz vortrefflich für eine Analyse amerikanischer Weltanschauungen der Post-Finanzkrise. Vielleicht ist die Moral seiner Story nicht nur Lektion, sondern auch Höhepunkt des Films: Drogendealer sind einfältig und böse, egal wie viel sie absetzen; wegen Falschgeld braucht keiner ein schlechtes Gewissen haben, Geldscheine sind heute sowieso kaum etwas wert; und wer dem überteuerten Kunstmarkt eins auswischt, der ist der Held.

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Kommentare


sk

schade, ich hatte gehofft, der film sei etwas "mehr" als reiner genrebeitrag, so wie haywire.


Sneaker

Keine einzige Wendung, die nicht zu erwarten war - Schade...ein Film wie viele andere auch, hab mir auch mehr erwartet.
Honigkuchenpferd-Ende...zzz






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