Conan 3D

Conan ist mit Marcus Nispels Neuverfilmung in der Gegenwart angekommen. Die ist leider weder kultig noch skurril, sondern eine graue, uninspirierte Schlachtplatte.

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Sowohl Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) als auch Freitag, der 13. (Friday the 13th, 1980) und Conan der Barbar (Conan the Barbarian, 1982) haben sich nicht zuletzt durch ihre charakteristischen Hauptfiguren inzwischen zu festen Bestandteilen der Populärkultur entwickelt. Ein Mythos ist um Leatherface, Jason Vorhees und eben Conan entstanden, der verbirgt, dass – zumindest in den beiden letzten Fällen – hinter der unangreifbaren Klassiker-Fassade der Genre-Filme nicht viel mehr als Belanglosigkeit steckt, die von der Fangemeinde trotzdem oder gerade deswegen kultisch verehrt wird.

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Marcus Nispel kann also durchaus als unfreiwilliger filmischer Aufklärer bezeichnet werden, dem es durch sein Recyceln von Klassikern des fantastischen Kinos gelingt, diese aus dem Mythos der filmgeschichtlichen Bedeutung zu zerren und dem Logos im Tageslicht der Gegenwart zuzuführen. Leider kommt den Werken dabei regelmäßig ihre Aura abhanden, werden sie ihrer Einmaligkeit entkleidet. Original und Remake, pardon: Neuinterpretation müssen sich aneinander messen und lassen dadurch beide ihre Defizite zutage treten. So offenbart Conan der Barbar eine sprunghafte Story fern jeder Kausalität, während Conan 3D mit einer stringenten Handlung und nur wenigen Abschweifungen auf der Plot-Ebene die Nase vorn behält.

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Dabei zerstört Marcus Nispel zusammen mit seinen drei Drehbuchautoren unbeirrbar den Charme des Originals. Wo dort ganz im Sinne der Comicvorlage Rot- oder Blaublenden, antiquierte Rückprojektionen und effekttechnisch inzwischen veralteter Geisterspuk das Geschehen in eine ebenso nostalgische wie magische Atmosphäre tauchten, setzt die zeitgemäße Neuinterpretation ganz auf Realismus. Ultrabrutale Kampfszenen in mal grauen, mal dunklen Bildern und viel zu große Einstellungsgrößen bei einer entfesselten Wackelkamera, die jeden Überblick bei den zahlreichen Actionszenen unmöglich macht, sind die rhetorischen Mittel, die zumindest ein moderates Maß an „Authentizität“ in eine archaische Sagenwelt transportieren sollen. Allein daran lässt sich schon ablesen, dass Nispel das Conan-Universum – das nicht nur aus den beiden Schwarzenegger-Filmen, sondern einem ganzen Fundus aus Comics, Romanen und Fernsehserie besteht – im Kern nicht verstanden hat.

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Jason Momoa als Conan wirkt wie ein Pin-up mit einem coolen Schwert-Gimmick, mit dem er sich ganz in der Manier eines Hack-&-Slay-Games durch eine fiktive Welt reich an barbarischen Bedrohungen kämpft. Der Mut zum Epischen, den sich das Original mit einem Schwertkampf übenden Conan oder detailreichen Opferritualen erlaubte, wird einer stumpfen Masse-ist-Klasse-Logik in Hinblick auf die Höhe des Bodycounts geopfert. Wo Schwarzenegger mit stumpfen Aktionen (Umhauen eines Kamels) und seiner Antwort auf die Frage „What is best in Life?“ in unnachahmlich trampeligen Charme unfreiwillig komische wie enorm unterhaltsame Momente produzierte, langweilt Conan 3D mit seiner grimmigen Ironiefreiheit. So reiht sich Nispels martialischer Meuchelmarathon wortlos in seine zweifelhafte Galerie unnötiger Neuverfilmungen ein.

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Kommentare


Peter

Danke, einmal mehr bestätigt sich diese seit Jahren anhaltende Seuche mit der Wackelkamera, verbunden mit zu nahen Aufnahmen. Schrecklich! Da lobe ich mir die alten Actionfilme der 80er, wo das Betrachten einzelner Szenen noch gut möglich war!


MrBrutus

Unter all dem schlechtem an diesem Film, das wichtigste, was einfach fehlt, ist die Spannung!
Erst gestern kam zum x-ten Mal im Fernsehen der Film "Ein wahres Verbrechen", wo Clint Eastwood als Reporter einen jungen, farbigen Unschuldigen in letzter Sekunde vor der Giftspritze rettet, indem er gerade noch so das entscheidende Beweisstück findet. Obwohl ich diesen Film mindestens schon drei mal gesehen hatte und mich auch an das Ende noch erinnern konnte, so fand ich den Film dennoch bis zum Schluss wiedermal spannend!
Ganz anders diese Conan-Verfilmung. Conan wird von Anfang an als so ein Übermensch dargestellt, dass jedwede Action-Szene, auch wenn noch so reißerisch und aufwendig inszeniert, völlig langweilig und allenfalls chaotisch daherkommt. Der Zuschauer erwartet zu keinem Zeitpunkt, dass Conan irgendeinen Kampf verlieren würde!

Neben allem anderen Schlechten, was schon gesagt wurde, könnte man noch die unrealistische und häufig fehlerhafte 3D-Darstellung benennen, welche in vielen Szenen einfach nur unrealistisch wirkt (Dieses nachbearbeitete 3D wirkt so, als wären die einzelnen Objekte auf kleine Bildchen (sprites) aufgemalt, welche im dreidimensionalem Raum hängen). Teilweise sind aber auch Fehler enthalten, wo die Ränder der einzelnen 3D-Bilder nicht genau die Struktur der jeweiligen Objekte trifft (z.B. wird ein Teil des Gesichts abgehackt näher angezeigt, als der Rest!?!).
Das einzig Gute dürften wohl nur die selten vorkommenden Szenerieaufnahmen einer mystischen Landschaft sein, was aber eben eher an den Stil von "Herr der Ringe" erinnert, allerdings ohne eine großartige Athmosphäre aufzubauen.






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