Colombiana

Schön wie die Orchidee, nach der sie benannt ist, aber tödlich: Profikillerin Cataleya sinnt auf Rache an einem Drogenpaten. Luc Besson beweist in Colombiana wieder einen Riecher fürs moderne Actionkino – laut, unlogisch, aber unterhaltsam.

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In ihrem Filmdebüt war Natalie Portman gerade 13 Jahre alt. Sie verkörperte Mathilda, ein Mädchen, dessen Familie von korrupten Polizisten skrupellos ermordet wurde. Sie kommt zum Zeitpunkt des Massakers vom Einkaufen zurück, nimmt davon Notiz, sucht aber gedankengegenwärtig Zuflucht bei ihrem Nachbarn, einem schüchternen Profikiller. Von ihm will sie das Handwerkszeug lernen, um sich zu rächen. Leon – Der Profi (Léon, 1994) gehört zu Luc Bessons besten Filmen, weil er beeindruckende Schauspieler einzusetzen weiß (nicht zuletzt Gary Oldman als aufbrausenden Psychopathen), über die Moral des Tötens durchaus tiefgreifend reflektiert und zudem das Menschliche in der Mädchen-Killer-Beziehung nicht ausblendet.

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In Colombiana, für den Besson als Co-Autor und Produzent fungierte, sieht das anders aus. Die frühen 1990er Jahre, in denen hier im Prolog die Eltern der neunjährigen Cataleya von dem Drogenpaten Don Luis ermordet wurden, sind vorbei – auch in den Darstellungsformen des Actionthrillers. Eine ausgewogene Spannungskurve und Passagen der Charakterzeichnung sind einer schweißtreibenden Dauerhatz und Reißbrettfiguren gewichen. Die liebevoll eingerichtete Wohnung in New York als Hort des Rückzugs wurde durch eine High-Tech-Festung in Chicago mit Überwachungsbildschirmen und verstecktem Waffenarsenal ersetzt. Während Leon Mathilda rational Wissen um Waffen und Methoden lehrte, hat Cataleya bei ihrem raffinierten Mord im Gefängnis die Eleganz und Sexyness einer Virginia Baker in Verlockende Falle (Entrapment, 1999) und beim Nahkampf im Bad mit Handtüchern und Zahnbürste die funktionale Durchschlagskraft eines Jason Bourne adaptiert – inklusive schneller Schnitte und bewegter Handkameras.

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Dreizehn Jahre nach dem Mord an ihrem Eltern ist die Kolumbianerin zur Profikillerin gereift – wie, wird nie wirklich geklärt. Durch Morde an zahlreichen Kriminellen versucht sie, Don Luis auf sich aufmerksam zu machen und aus der Reserve zu locken – logisch scheint das nicht. Doch Regisseur Olivier Megaton und Kameramann Romain Lacourbas, das Team von Transporter 3, wissen dabei um die Schauwerte, die Colombiana zu bieten hat. Der geschmeidigen Zoe Saldana scheinen über die Hälfte der Laufzeit die BHs ausgegangen zu sein, bei Schießereien an hübsch fotografierten exotischen Schauplätzen spritzt in nahezu sadistischen Ausmaßen das Blut. Erst recht, wenn Haie im hauseigenen Pool nach Beute gieren. Im modernen Actionkino – so scheint es – muss es gemäß einer Überbietungslogik richtig krachen. Fragwürdigkeiten im Drehbuch (zahlreiche Anachronismen; ein Handyfoto führt durch arge Konstruiertheiten das FBI auf Cataleyas Spur) bekümmern Besson, der auch die Drehbücher zu From Paris with Love (2010) und 96 Hours (Taken, 2008) als Vertreter dieses explosiven Kinos der Attraktionen beisteuerte, nur wenig in dieser späten Quasi-Fortsetzung seines Killermädchen-Thrillers.

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Colombiana ist schnell geschnitten, kann am Anfang mit einer gut choreografierten Verfolgungsjagd mit Parcours-Sportelementen aufwarten und erweist gar im Einsatz eines S.W.A.T.-Teams zur Erstürmung von Cataleyas Wohnung dem großen Vorbild seine Referenz. Kurzweilige Action-Unterhaltung ist also zumindest dann garantiert, wenn man nicht allzu lange über das launige und abwechslungsreiche Actionkino der 90er Jahre reflektiert, das in einem Großteil der Fälle zumindest um Witz oder ein originelles Spektakel bemüht war. Dies geht Colombiana als ein Vertreter des hollywoodesken Genrekinos von Luc Bessons EuropaCorp.-Filmen leider vollkommen ab.

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