Cold War

Kriegsschauplatz Büro. Ein Polizeithriller aus Hongkong sucht das perfekte Erfolgsrezept.

Cold War 05

Wenn man an einen Polizeithriller denkt, kommen einem wohl als Erstes Uniformträger im Einsatz in den Sinn. Hüter des Gesetzes, die sich auf die Jagd nach Verbrechern machen und dabei keinen Körperkontakt scheuen. Cold War enttäuscht solche Erwartungen. Zwar erzählen die beiden Regisseure Longman Leung und Sunny Luk in ihrem Debütfilm davon, wie die Hongkonger Polizei einen Ausnahmezustand erlebt, im Mittelpunkt stehen jedoch nicht die kleinen Beamten, sondern die Entscheidungsträger im Anzug, die ebenso wie der Film das Büro nur selten verlassen. Es ist somit kein Zufall, dass sich der Filmtitel auf einen Krieg ohne militärische Auseinandersetzungen bezieht. Zwar kommt es auch mal zum Schusswechsel oder zur Verfolgungsjagd, der wahre Fokus liegt aber auf dem Bürogebäude der Polizei, den kalten und sterilen Räumen, aus denen jegliche Farbe gewichen ist und nur noch Grautöne dominieren. Hier ist die Arena für einen Kampf unterschiedlicher Berufsmethoden.

Cold War 04

Doch zunächst zurück zum Anfang: Hongkongs Ruf als sicherste Stadt Asiens schein in Gefahr zu sein, als eines Nachts ein Einsatzwagen mit fünf Beamten verschwindet und auch mithilfe von GPS-Signalen nicht mehr aufzuspüren ist. Polizeichef Lee (Tony Leung Ka Fai) reagiert auf diese öffentliche Demütigung auf die harte Tour und plant die Entführer mit einem Offensivangriff zu überraschen. Heikel dabei ist, dass sein Sohn einer der Entführten ist. Der etwas jüngere Lau (Aaron Kwok), der Anwärter auf Lees Posten ist, spielt dieses Detail gegen seinen Vorgesetzten aus, um seine eigene, vorsichtigere Strategie durchzusetzen. Doch der Weg zum Ziel ist steinig und führt über eine Reihe von lautstarken Rededuellen, die den Film an Intensität gewinnen lassen. Der Blick bleibt dabei stets auf der differenzierten Dynamik innerhalb des Polizeiapparats, auch als der gesuchte Wagen plötzlich wieder auftaucht und die Jagd nach dem Maulwurf in den eigenen Reihen beginnt. Plötzlich ist auch das Kriegsbeil zwischen Lee und Lau begraben, als sich die beiden im Rahmen einer internen Untersuchung den Fangfragen eines milchgesichtigen Ermittlers (Aarif Rahman) stellen müssen.

Cold War 01

Cold War hat kaum mehr etwas mit dem exzessiven, hyperemotionalen Stil vieler Filme, die aus Hongkong kommen, zu tun. Damit grenzt er sich zwar weniger vom westlichen Genrekino ab, eignet sich dafür aber umso besser für den internationalen Markt. Obwohl sich der Film mitunter in seinen etwas verwirrenden Handlungssträngen verfängt und dem ein oder anderen Schauwert – wie einem Feuerwerk auf dem Dach eines Hochhauses – verfällt, ist der Stil der Inszenierung doch stark fokussiert. Der obligatorische melodramatische Erzählstrang fehlt, wie überhaupt das Privatleben der Figuren keine Rolle spielt, wenn es sich nicht gerade auf ihre Arbeit auswirkt. Ständig angetrieben von neuen Wendungen, kommen die Protagonisten nie zur Ruhe, werden durch ihren unermüdlichen Einsatz in ein heroisches Licht gerückt und haben gleichzeitig damit zu kämpfen, dass sich auch das Verbrechen schon in die Polizei eingenistet hat.

Cold War 02

Durchaus nachvollziehbar, dass Cold War in seiner Heimat bereits ein Blockbuster ist. Schließlich hat man es hier mit solidem Genrekino zu tun, das über seine Laufzeit auch funktioniert. Das Problem des Films ist eher, wie berechnend er dabei ist. Die Regisseure und Drehbuchautoren gehen kein Risiko ein, sie können es gar nicht, weil viel zu viel am Erfolg einer so aufwändigen Produktion hängt. Ob mit seiner anspruchsvollen Besetzung, unter der sich auch Superstar Andy Lau in einer Nebenrolle als Minister für innere Sicherheit befindet, oder seiner aggressiven Werbekampagne, die den Film schon weit im voraus als neuen Erfolg à la Infernal Affairs (Mou gaan dou, 2002) angepriesen hat, die Macher schienen derart mit dem Funktionieren der großen Filmmaschine beschäftigt gewesen zu sein, dass es Cold War hinter seiner auf Hochglanz polierten Oberfläche letztlich an Profil und Persönlichkeit mangelt. Unterhalten wird man natürlich trotzdem gut, aber dafür wurde der Film ja auch gemacht.

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