Coach Carter
Als ihre schulischen Leistungen zu schlecht werden, sperrt Coach Carter seine Mannschaft kurzerhand vom Training aus. Damit handelt er sich reichlich Ärger ein, behält aber recht – wie immer.

Als Ken Carter (Samuel L. Jackson) die Stelle als Basketballtrainer an seiner ehemaligen Schule antritt, trifft er mit seinen Schülern eine Vereinbarung: Sie dürfen nur dann trainieren und in der Mannschaft mitspielen, wenn sie auch regelmäßig am Unterricht teilnehmen und einen bestimmten Notendurchschnitt halten. Carter sieht dies als einzige Chance für seine Schützlinge, aus dem vor allem von Schwarzen bewohnten sozialen Brennpunkt Richmond aufzusteigen, denn nur mit entsprechenden schulischen Leistungen können sie eines der begehrten Sportstipendien fürs College ergattern.
Als Carter nach einer Serie von gewonnenen Spielen feststellt, dass nicht alle seine Spieler – für die Basketball der wichtigste Teil ihres Lebens ist und die Carters Sicht auf ihre Zukunft nicht unbedingt nachvollziehen können – ihre Vereinbarung eingehalten haben, sperrt er die ganze Mannschaft aus der Sporthalle aus und lässt sogar Spiele ausfallen, bis die Noten der Schüler dem von ihm geforderten Niveau entsprechen. Mit seinem Verhalten bringt Carter allerdings die Eltern gegen sich auf, denn die Schulmannschaft war auf dem besten Weg, sich für die kalifornischen Meisterschaften zu qualifizieren.

Obwohl Coach Carter auf einer wahren Begebenheit von 1999 beruht, ist an diesem Film von Thomas Carter (nicht verwandt oder verschwägert) nichts Realistisches, und das betrifft insbesondere seine Hauptperson: Jacksons Carter ist von keinerlei Selbstzweifeln berührt, er findet stets und überall die richtigen Worte und weiß das Richtige zu tun. Steinewerfer, die seinen Sportladen demolieren, bringen ihn nicht aus dem Konzept, und selbst die anscheinend wenig liebevolle Beziehung zu seinem Sohn wird in Thomas Carters Film nicht zum Problem: der junge Mann verehrt seinen Vater abgöttisch und wechselt sogar an die Richmond High School, um bei ihm trainieren zu dürfen.
Mit diesem strahlenden Heiligen an der Spitze beschreiten die Richmond Oilers, so der Name der Mannschaft, die ohne Ken Carter keinen Fuß auf den Boden bekommen hatte, den Weg vom Underdog zum Meisterschaftskandidaten. Sie durchlaufen alle Aufs und Abs, die man aus Sportfilmen so kennt, inklusive flott inszenierter, spannender Basketballszenen und einer motivierenden Ansprache Carters kurz vor Schluss des letzten Spiels. Denn natürlich haben Coach Carters Methoden Erfolg, und seine Spieler lernen außer Basketball noch viel fürs Leben: Coach Carter ist zu einem Großteil eine idealisierte Geschichte vom Erwachsenwerden à la Club der toten Dichter (Dead Poets Society, 1989).

An einer ähnlich deutlich ans junge schwarze Publikum gerichteten Aufstiegsgeschichte hatte sich Regisseur Thomas Carter, der ansonsten vor allem fürs Fernsehen arbeitet, bereits erfolgreich mit Save the Last Dance (2001) versucht. Während es ihm in diesem Film allerdings gelang, neben der Beschäftigung mit seinen interessanten Charakteren auch den alltäglichen Rassismus zu thematisieren, verfranst sich Coach Carter in der Vielzahl der Figuren, die zwar alle mit mehr oder minder großen persönlichen Problemen zu kämpfen haben und zudem in ihrer gesellschaftlichen Position gefangen zu sein scheinen, jedoch für sich genommen nie als Personen interessant werden. Der gesellschaftliche Rassismus, gegen den Ken Carter seine Schüler zu kräftigen beabsichtigt, kommt hier nur noch als vage strukturelle Größe vor, die dadurch allerdings auch unangreifbar scheint.
So bleibt der Zuschauer am Happy End dieser letzten Endes recht langatmigen Schnulze paradoxerweise in Hoffnungslosigkeit zurück. Trotz des Pathos und des emotionalen Aufwands, den der Film betreibt, gelingt es ihm dennoch nicht, eine über die Filmhandlung hinausweisende Vision anzubieten. Der Film lastet seinen Figuren die Verantwortung auf, dass sie allein sich aus ihrer – auch fremdbestimmten – gesellschaftlichen Position befreien können und müssen. Man braucht nur wenig Lebenserfahrung um zu begreifen, dass dies nur in seltenen Ausnahmefällen gelingen kann – im realen Leben steht einem keine makellose Figur wie Jacksons Ken Carter zur Seite.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 31.03.2005
Kommentare zu Coach Carter
Katha 04.01.2006 12:11
Channing Tatum ist ein verdammt geiler schauspieler und ein sehr interessanter typ!
birdy 10.08.2006 18:16
this movie shows how hard live might be in the bronx. u ve got to fight to earn respect in those streets. in the beginning jackson seems to be the only one who realizes what counts and what s important, untill he transfers the knowledge to his unillumined pupils.
jeWell 10.03.2007 23:58
Wie kann man denn kritisieren dass der Mann immer die richtigen Worte findet? Es gibt immerhin auch weise Leute auf dieser Welt und dieser Mann war ein weiser Mann!
Außerdem ist es klar dass in dem Film keine liebevolle Verbindung zu seinem Sohn Damian gezeigt wird, da es in den szenen nur welche gibt, in denen Coach Carter und Damian sich im Training begegnen und als Coach muss man alle gleichberechtigen, egal ob Sohn oder nicht. (Das weiß ich selbst, in meinem Team sind 2 Spieler dessen Vater unser Coach ist)
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Film-Angaben
Titel: Coach Carter
USA 2005
Laufzeit: 136 Minuten
Regie: Thomas Carter
Drehbuch: Mark Schwahn, John Gatins
Produktion: Brian Robbins, Mike Tollin, David Gale
Darsteller: Samuel L. Jackson, Rob Brown, Robert Ri´chard, Nana Gbewonyo, Antwon Tanner, Channing Tatum, Ashanti
Kinostart: 07.04.2005
DVD-Angaben
Titel: Coach Carter
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 2.0/DS)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Türkisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Spieldauer: 131 Minuten
Extras: Coach Carter: Der Mann hinter der Geschichte; Schneller Break an der Richmond High; entfernte Szenen; Musikvideo: TWISTA Featuring FAITH EVANS HOPE
Verleih ab: 25.08.2005
Verkauf ab: 08.09.2005
Copyright Coach Carter
Fotos: © United International Pictures
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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