Chloe

Atom Egoyan hat einen Thriller über die Liebe gedreht und erzählt von der Eskalation einer gefährlichen Leidenschaft namens Eifersucht.

Chloé

„Wann haben wir aufgehört, uns gegenseitig vom Flughafen abzuholen?“ Die Frage hinterlässt den schalen Nachgeschmack der verloren gegangenen Liebe und formuliert die Sehnsucht zweier Menschen, die einander vermissen, obwohl sie sich im selben Augenblick gegenüberstehen. Catherine (Julianne Moore) und David (Liam Neeson) haben sich ineinander verliebt, sie haben geheiratet, ein schönes Haus in einer guten Wohngegend bei Toronto gekauft und einen hübschen Sohn bekommen. Sie haben Karriere gemacht, er an der Universität, sie als Frauenärztin. Die Jahre sind verstrichen und sie haben darüber vergessen, dass sie einmal ineinander verliebt waren. Sie haben angefangen, sich aneinander zu gewöhnen.

Die Vorgeschichte jener Figuren ist vielleicht die Nachgeschichte all jener Paare, die im Kino zueinander finden und von denen wir nie wissen, ob es für sie gut oder schlecht ausgehen wird. Für Atom Egoyan ist sie der Ausgangspunkt einer aufreibenden und bitter ehrlichen Auseinandersetzung mit der in die Jahre gekommenen Liebe.

Chloé

Wahrscheinlich weil sie sich selbst nicht mehr gefällt, verdächtigt Catherine ihren Mann, seinen Studentinnen Privatunterricht zu geben. Ihre wachsende Eifersucht frisst sie auf und erstickt ihre eigene Fähigkeit, zärtlich und liebevoll mit David umzugehen.

Der Stoff, dem Egoyan sich hier widmet, und den Erin Cressida Wilson vom französischen Film Nathalie (2003) von Anne Fontaine adaptiert hat, hätte auch ein samtenes Melodram mit weich gespülten Bildern und klebriger Streichmusik inspirieren können. Die Autoren haben Egoyan jedoch die Möglichkeit gegeben, einen spannenden Thriller zu drehen, den der Regisseur im düsteren Stil des Neo-Noir inszenierte und so weitaus dunklere und spannungsreichere Pfade einschlug als Anne Fontaine. Aus Catherines Eifersucht wird ein Tatmotiv, aus ihr selbst eine Täterin. In einem Restaurant lernt sie auf der Damentoilette die Prostituierte Chloe (Amanda Seyfried) kennen, die nicht nur wegen ihres Namens an Eric Rohmers Liebe am Nachmittag (1972) erinnert, sondern auch weil sie als Verführerin eine Ehe verwirren soll. Die Konstellation um Chloe verhält sich bei Egoyan jedoch spiegelverkehrt zu Rohmers Film: Hier wird Chloe von der Ehefrau selbst dazu beauftragt, ihren Mann zu verführen und ihr von den „Ergebnissen“ zu berichten. Für jene „Transaktion“, wie Catherine ihr eigenes Vorhaben recht nüchtern und technisch bezeichnet, wird Chloe zum üblichen Tarif bezahlt.

Chloé

In Chloes Erzählungen entdeckt Catherine bald eine neue erotische Nähe zu ihrem Mann, die in der so kontrolliert und kühl erscheinenden reifen Frau einen psychologisch verquasten Gefühlssturm auslöst. Anders als in Fontaines Film werden bei Egoyan Chloes Erzählungen mit den entsprechenden Szenen zwischen David und Chloe illustriert. Der Regisseur entwickelt somit ein intelligentes Spiel mit den unterschiedlichen Realitätsebenen des Erzählten, des Wahrhaftigen und beugt sich gewissermaßen der Macht der Einbildung. Die in Chloes Erzählungen erotisch aufgeladenen Spiele zwischen ihr und David will Catherine nachvollziehen können – am eigenen Körper. Bis ihr eigenes Gewissen so belastet ist, dass sie beschließt, ihren Mann mit seinem Gewissen zu konfrontieren: Jener Moment, in dem Chloe, Catherine und David aufeinander treffen, ist es, der in diesem Thriller über die Liebe wie die Sackgasse am Ende einer Verfolgungsjagd in einem Thriller über Bösewichte funktioniert – ein Showdown der besonderen Art.

Chloé

Intelligent konstruiert und emotional inszeniert berührt Atom Egoyans Film in seiner bitteren Ehrlichkeit und führt in seinen spannendsten Momenten zu einem aufreibenden Nervenkitzel, den der Stoff auf den ersten Blick nicht vermuten lässt. Die drei Figuren, um die der Film kreist, erleben die vielen erotisch aufgeladenen Momente mit großer Lust aneinander und Julianne Moore und Liam Neeson schaffen es, das unsichtbare Gewissen zum Vorschein zu bringen – das gute und das schlechte. Denn beides ist in Egoyans Film gleichermaßen präsent.

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Kommentare


KinoKino

Die Filmmusik untermalt eindrucksvoll
das "wenig dramatische" Geschehen; zum
Ende hin wirkt der Film doch recht klischeehaft, auch durch die Einbeziehung des Sohnes in Cloes Verführungskunst, das Ende erfolgt abrupt, wie ein Ausklinken aus der Realität.
Fazit, man hätte mehr aus dem Stoff machen können.






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