Che - Guerilla

Nach Kuba nun Bolivien: Einige Jahre später als Steven Soderberghs erster Teil des Che-Epos angesiedelt, beobachtet Che - Guerilla seinen Protagonisten bis zu seiner Erschießung, die ihn zur politischen Ikone werden ließ.

Che - Guerilla

Erzählte Che - Revolucion (Che: Part One) vom Guerillakampf der Revolutionäre auf Kuba und zählte die verbleibenden Kilometer nach Havanna rückwärts, ist es im zweiten Teil die fortschreitende Zeit, die den Rhythmus der Narration prägt. In Hunderten von Tagen wird das Martyrium und das Scheitern Ches (Benicio del Toro) gemessen, als er mit kubanischer Unterstützung und den gleichen revolutionären Idealen nach Bolivien geht, um die dortige Militärdiktatur zu stürzen. Der zeitliche Sprung zwischen beiden Teilen ist offensichtlich. Soderbergh lässt Ches Ankunft in Havanna und seine Funktionen in der Administration Kubas ebenso wie seine Aufenthalte im Ausland, etwa im Kongo, aus. Ungeachtet dessen wird die Erzählstruktur nahtlos fortgesetzt.

Che - Guerilla

Che - Guerilla (Che: Part Two) arbeitet sich an militärischen Begebenheiten ab, die immer blutiger werdenden Scharmützel wiederholen sich stetig. Von immer Neuem suchen die Guerillakämpfer nach Nahrung in den Wäldern und bei Dorfbewohnern, müssen vor der nahenden bolivianischen Armee, die mehr und mehr durch die amerikanische Regierung unterstützt wird, flüchten. Durch die Vielzahl an kleinen Episoden hebt die dramaturgische Struktur, wie schon im ersten Teil, nicht auf die Makro-, sondern die Mikroperspektive ab. Es ist klar, dass es Soderbergh – wie auch in der kubanischen Episode – nicht primär um eine konsistente Historizität seines Films oder eine Bewertung der gesamten revolutionär-kommunistischen Bewegungen im Südamerika der 1960er Jahre geht. Nur peripher werden die gezeigten Konflikte im globalen Rahmen situiert. Che wird über seine Tätigkeit als vorbildhafte Führungspersönlichkeit und als Arzt charakterisiert, der ungeachtet aller Umstände seinen selbstlosen Weg fortsetzt. Er ist aufgrund seines Asthmas am Rande der Lebensfähigkeit, erlaubt jedoch nicht, dass einer seiner Mitstreiter den Weg auf sich nimmt, um Medikamente für ihn zu holen. Gezeichnet wird ein Porträt von Che, das unter der Folie von Revolution und politischem Guerillakampf auf sein heroisches Scheitern hinausläuft.

Che - Guerilla

Der Duktus des Films bleibt über die gesamte Spiellänge beider Teile gleich, ein langsamer Rhythmus mit genügend Redundanzen bietet ausreichend Zeit, den Tod Guevaras zu antizipieren. Das filmische Bild scheint sich allmählich aufzulösen, in verwaschenen Farben und grober Textur kündigt die Kamera die drohende Katastrophe unübersehbar an. Beharrlich zeigt Soderbergh, der wie in etlichen seiner anderen Filme auch hier die Kamera übernahm, das Leiden der Kombattanten aus nächster Nähe, leidet physisch mit den Schwerverletzten, die trotz Guevaras medizinischer Expertise kaum Chance aufs Überleben haben. Der stark subjektiv geprägten Kamera inmitten der aufopferungsvoll kämpfenden Individuen um Che wird ein mechanisierter Maschinengewehr-Blick entgegengesetzt – die Kämpfenden werden aus der Anonymität bolivianischer Truppen heraus dezimiert. Das ist ein Problem des Films: Der narrative Subtext und die visuelle Konnotation sind die einzigen wertenden Instanzen, während Soderbergh auf der Oberfläche die großen Fragen oft umgeht, sich an die Person Ernesto Guevara klammert. Selbst Fidel Castro wird zu einer Nebenfigur, die zwar von Kuba aus materielle und moralische Unterstützung verspricht, aber in keinem deutlichen Verhältnis mehr zu Guevaras Person und seinen Zielen steht.

Che - Guerilla

Nicht nur in Bezug auf den Máximo Líder verfolgt Che - Guerilla eine Strategie, die Che in Opposition zu den anderen Figuren rückt. Narrativ und formal bewegt er sich in eine immer stärker subjektive Haltung. Aus der Perspektive Guevaras betrachtet, erscheint etwa das Verhalten der bolivianischen Bauern als Verrat, die den Sinn der kommunistischen Revolution nicht begreifen wollen und ihm die Unterstützung verweigern. Das Stereotyp des Offiziers mit dunkler Sonnenbrille, der Che kaltblütig erschießen lassen wird, ist letztlich die Zuspitzung dieses deutlicher gezeichneten Freund-Feind-Denkens. Dieser rhetorische Strang, der das Scheitern der Freiheitsbewegung in Bolivien begleitet, trägt dazu bei, das Bild Ches als Märtyrer, als Ikone zu festigen und nicht zu hinterfragen.

Che - Guerilla

Trotz dieser Ebene gegen Ende von Che - Guerilla vermeidet Soderbergh in beiden Filmen eine allzu deutliche Wertung. Scheinbar distanziert und mit verschiedenen visuellen und narrativen Formen spielend, umkreist er seinen Heroen, den er zunächst weder einen Helden nennen will noch kritisiert. Symptomatisch dafür ist der Schluss, der eines der ersten Bilder aufgreift – das Schiff, mit dem Castro, Guevara und die ersten Kämpfer auf Kuba landeten. Sowohl in Bezug auf die Biografie Ches als auch auf die Bewertung der revolutionären Bewegungen wird hier eine Klammerung geschaffen, die im Vergleich zur restlichen Narration isoliert und stark metaphorisch wirkt: Steht die Revolution wieder am Anfang? Ist Che auch in seinen eigenen Idealen gescheitert, oder hat er sie gar bewahren können und mit dem Tod bezahlt? Klar ist, dass Soderbergh keine Antworten gibt. Das Problem ist nur, dass er die interessanten Fragen gar nicht erst stellt.

Kommentare


Iris Chambi

Vielen Dank für Ihre Kritik. An wen aber ist sie gerichtet ? Ihr Schreibstil läßt schließen, dass Sie zur intellekten Oberschicht dieses Landes gehören und lässt vermuten, dass der Film ebenso nur von "Studierten" gesehen werden sollte. Obwohl mich die Geschichte Lateinamerikas sehr interessiert , überlege ich mir, ob ich hingehen soll, oder lieber meine Lateinkenntnisse noch einmal auffrische ( ist schon so lange her ) damit ich die Kritik lesen kann.

- Ich glaube ich vergesse Ihre Kritik und gehe in den Film und mach mir meine eigene.....






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