Charlie Bartlett – Kritik

Hätte Tom Cruise Rushmore produziert, wäre vielleicht eine Komödie wie diese entstanden: Ein altkluger Teenager wird von einer privaten auf die öffentliche Schule verbannt und stellt nach einer Couch-Hopserei fest, dass Psychopharmaka böse sind.

Charlie Bartlett

„Ritalin ist in der Tüte, Dinner ist im Backofen“. Die Nachricht von Marilyn Bartlett (Hope Davis) an ihren hyperaktiven Sprössling, seine ADS-Pillen und das Abendessen einzunehmen, ist leider die einzige im Regiedebüt des Cutters Jon Poll, die sich um politische oder gesundheitliche Korrektheit nicht schert. Solange sich Charlie Bartlett (Anton Yelchin) von einem ahnungslosen Analytiker diverse verschreibungspflichtige Medikamente verordnen lässt und diese anschließend auf der Schultoilette an seine Mitschüler vertickt, ist Polls Erstling zwar auch nur mäßig komisch, aber immerhin noch angenehm botschaftsfrei.

Charlie Bartlett

Charlie wirkt wie eine Kreuzung aus Richie Rich (1994), Max aus Rushmore (1998) und Harold aus Harold und Maude (Harold and Maude, 1971). Der kauzige Schlaumeier entstammt einem reichen, dekadenten Elternhaus und wird von seiner überspannten Mutter nach wiederholten Rauswürfen aus Privatschulen auf eine gewöhnliche High School geschickt, wo er als rhetorisch gewandter Anzugträger zunächst natürlich angefeindet wird. Aber anders als Max und Harold, die mit Theaterstücken über Watergate und Vietnam quer schießen oder mit kreativen Selbstmordversuchen schockieren möchten, erliegt der zahmere Charlie dem Teenager-Drang nach Beliebtheit und wandelt sich zum People-Pleaser und moralisch einwandfreien Guru für Pubertierende.

Charlie Bartlett

Steh zu deinen Eigenarten und Schrulligkeiten, und such dir jemanden, der zuhört, anstatt Psychopharmaka zu schlucken – die ein jugendliches Zielpublikum adressierende, an sich lobenswerte Aussage des Films ähnelt der von Mike Mills’ Thumbsucker (2005). Im Gegensatz zum Vorgänger wird sie in Charlie Bartlett jedoch mit dem pädagogischen Holzhammer und im Finale mit reichlich Tränen der Rührung inszeniert. Die Entwicklung des Protagonisten vom Drogen dealenden Toiletten-Therapeuten zum selbstkritischen Prediger erscheint ebenso sprunghaft und aufgesetzt wie die der erwachsenen Nebenfiguren von verantwortungslosen zu geläuterten Erziehungsberechtigten.

In einer zum weitgehend entspannten Erzählton überhaupt nicht passen wollenden melodramatischen Szene ruft Charlie verzweifelt aus, er sei doch nur ein Kind. Das ist Max aus Rushmore auch. Der skurrile Witz und Offbeat-Charme seines Charakters liegt allerdings darin, dass er dies trotz zahlreicher kindischer Aktionen vollkommen anders sieht und niemals zugeben würde.

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