Café Society – Kritik

Technicolor mit Einsen und Nullen: In seinem ersten digital gedrehten Film erzählt Woody Allen von der Wahl zwischen dem schönen Schein der Liebe und dem ernüchternden Sein in der High Society.

Cafe Society 08

Es gibt keinen allzu großen Unterschied zwischen elitären Poolpartys in Hollywood und halbseidenen New Yorker Nachtclubs, in denen sich Gangster und Wall-Street-Bosse die Klinke in die Hand geben: Letztlich, so legt Woody Allens neuer Film nahe, dreht sich doch alles nur darum, Kontakte zu pflegen und sich möglichst spektakulär zu inszenieren. Glücklich werden ist in der Welt von Café Society dagegen kein leichtes Unterfangen. Das muss auch der verschrobene Nerd Bobby (Jesse Eisenberg) erfahren, als es ihn in den frühen 1930er Jahren von New York nach L.A. zieht, um bei seinem Onkel, dem einflussreichen Hollywood-Agenten Phil (Steve Carell), Karriere zu machen. Was ihn dort jedoch deutlich mehr beeindruckt als die Reichen und Schönen, ist die bodenständige Vonnie (Kristen Stewart), die zwar seine Liebe zum Kino teilt, dem ganzen Trubel aber skeptisch gegenübersteht. Für sie würde Bobby seine Zukunftspläne sofort aufgeben –wenn sie nur nicht in seinen Onkel verliebt wäre.

Eine gewisse Müdigkeit

Cafe Society 04

Nachdem sich die Coen-Brüder mit Hail, Caesar! (2016) gerade erst sarkastisch dem alten Hollywood gewidmet haben, teilt nun auch Woody Allen einige Seitenhiebe auf die Wichtigtuereien in der Filmindustrie aus. Sein Blick wirkt dabei aber versöhnlicher und nostalgischer. Allen lässt die Vergangenheit mit der für die Zeit typischen Dekors und locker sitzenden Anzügen aufleben, und als Kameramann hat er den Oscar-dekorierten Vittorio Storaro engagiert, der für seinen eher altmeisterlichen, von warmen Lichtstimmungen geprägten Stil bekannt ist. Dabei weisen die Bilder von Café Society aber auch deutlich in die Zukunft. Denn Allens neuester Streich ist zugleich auch sein erster digital gedrehter Film. Am Anfang beschreibt das vom ihm selbst gesprochene Voice-over, dass Hollywood damals in ein Licht getaucht war, das aussah wie Technicolor. Tatsächlich sehen die Bilder mit ihrem scharfen Glanz und ihren grellen Farben in erster Linie aber nach Einsen und Nullen aus.

Cafe Society 07

Nun ist es müßig, einem Film das Material, auf dem er gedreht wurde, vorzuwerfen. Vielleicht fallen solche Äußerlichkeiten auch nur deshalb auf, weil Allen seit Jahrzehnten seine Ästhetik kultiviert. Als Zuschauer fühlt man sich jedes Mal, als kehrte man in eine vertraute Welt zurück. Die Schriftart der Vorspanntitel ist immer noch dieselbe, und der frühe Jazz – der in Café Society fast den gesamten Film über im Hintergrund dudelt – ist schon lange zum Markenzeichen des Regisseurs geworden. Auch inhaltlich wird kräftig aus dem eigenen Werk zitiert. Jesse Eisenberg wirkt durch sein notorisch unsicheres und fahriges Auftreten wie eine junge Version des Regisseurs, ein Streitgespräch zwischen ihm und einer naiven Prostituierten wie eine Szene aus Geliebte Aphrodite (Mighty Aphrodite, 1995) und Bobbys schrullige jüdische Familie wie ein Panoptikum von Figuren, die sich in Nebenerzählsträngen früherer Filme Allens herumtreiben. Manchmal ist das ganz witzig, oft beschleicht einen aber das Gefühl, dass in der Routine zwar auch großes Potenzial stecken könnte, aber manchmal eben nur Routine steckt. Man muss Allen nicht an seinen frühen Arbeiten aus dem alten Jahrtausend messen, um festzustellen, dass Café Society nichts richtig falsch macht, aber doch eine gewisse Müdigkeit ausstrahlt.

Mit gebrochenem Herzen zurück nach New York

Cafe Society 02

Dabei ist der Film durchaus raffiniert konzipiert. Sein alles durchdringendes Leitmotiv ist ein Dualismus, der sich in der Wahl zweier gegensätzlicher Möglichkeiten niederschlägt. Die Protagonisten sind zwischen zwei Polen hin- und hergerissen – meist zwischen einem offiziellen und einem inoffiziellen Partner, aber auch zwischen zwei Städten (New York und L.A.) oder Lebensentwürfen (Bodenständigkeit und Glamour). Am Ende interessiert sich Café Society weder für Hollywood noch für die New Yorker Unterwelt, sondern dafür, wie sich die Figuren in den Widersprüchen, die ihr Leben bestimmen, einrichten; wie sie zwischen einem Traum, der sich nicht verwirklichen lässt, und einer unbefriedigenden Wirklichkeit ihren Frieden mit sich selbst machen müssen. Nachdem Bobby mit gebrochenem Herzen zurück nach New York zieht, um ein gänzlich anderes Leben als geschäftiger Nachtclub-Besitzer zu führen, wird er dort auch zu einem anderen: einem erfolgreicheren und selbstbewussteren, aber eben nicht glücklicheren Menschen. Später trifft er wieder auf Kristen Stewart, die zu einer der oberflächlichen Hollywood-Tanten geworden ist, die sie früher so verachtet hat. Da stehen die beiden nun einander gegenüber, werfen sich vor, dass sie nicht mehr so sind wie früher, und müssen sich schließlich verschämt eingestehen, dass man eben erwachsen wird.

Trailer zu „Café Society“


Trailer ansehen (2)

Neue Trailer

alle neuen Trailer

Neue Kritiken

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.