Burn after Reading

Nach dem düsteren Oscar-Streifen [filmid: 1161]No Country for Old Men (2007) versuchen sich die Coen-Brüder in leichter Unterhaltung und inszenieren mit Burn After Reading eine unbeschwerte Spionage-Komödie.

Burn after Reading

Wissen ist Macht, das denken sich zumindest Linda Litzke (Frances McDormand) und Chad Feldheimer (Brad Pitt), zwei Angestellte eines Fitness-Studios in Washington DC, die durch Zufall an eine CD-Rom mit vermeintlich brisanten CIA-Informationen gekommen sind. Nachdem der erhoffte „Finderlohn“ ausbleibt, den die beiden sich von dem Eigentümer der Daten, dem ehemaligen CIA-Agenten Osborne Cox (John Malkovich) erhoffen, bieten die Amateur-Spione den Russen jene vertraulichen Informationen an. Zu Zeiten des globalen Terrors, in denen der Kalte Krieg lediglich noch in Geschichtsbüchern und John le Carré-Romanen überdauert zu haben scheint, ist es wenig verwunderlich, dass der anvisierte Deal der Amateur-Spione verpufft, wie letztlich auch die Handlung des Films, doch darum scheint sich Burn After Reading herzlich wenig zu scheren.

Burn after Reading

Der jüngste Streich von Joel und Ethan Coen möchte sein Unterhaltungspotential fast ausschließlich aus den gut gelaunten Stars wie Pitt, McDormand und George Clooney speisen, die sichtlich Freude daran haben, in die Rollen von nerdigen Witzfiguren zu schlüpfen. Ob die Rechnung auf geht ist fraglich, denn leider hat Burn After Reading darüber hinaus nicht viel mehr zu bieten, als ein Pastiche aus Versatzstücken vorangegangener Coen-Brüder-Filme. So ist Burn After Reading ein bisschen Loser-Posse à la The Big Lebowski (1998), teilt die Freude an der drolligen Verschrobenheit einfacher Leute, was den Motor von Fargo – Blutiger Schnee (Fargo, 1996) bildete und setzt unvermittelte Ausbrüche extremer Gewalt, wie einst deren Debut-Film Blood Simple (1984), in Szene. Letztere Ingredienz begründete den Ruf des Duos als enfants terribles jenes Schwellenkinos, das zwischen Independent-Film und Mainstream-Kino anzusiedeln wäre und bereits in Miller’s Crossing (1990) auf die Spitze getrieben wurde.

Dass der Verstrickung einfacher Leute in Geheimdienstangelegenheiten unterhaltsame Seiten abzugewinnen sind, bewies 1959 bereits Carol Reeds Verfilmung des Graham Greene-Klassikers Unser Mann in Havanna (Our Man in Havanna), in dem Alec Guinness als Otto-Normal-Verbraucher Waffenpläne der Russen fingierte. Nach jener Prämisse werden Geheimdienste zu Selbstläufern, deren Hunger nach der Aufdeckung vermeintlich konspirativer Machenschaften erst das eigene Dasein legitimiert. Burn After Reading übersetzt diesen Gedanken in ein Amerikabild, das sich aus dillettantistischer Nachrichtendienstarbeit und wiedererwachter Paranoia generiert. So unverblümt simpel, wie diese Projektion nationaler Identität, ist dann auch der Einsatz des angestaubten narrativen Stilmittels der message in Burn After Reading untergebracht. Leute wie Linda und Chat stünden nach Aussage des ehemaligen CIA-Manns Cox für die „Idiotie von heute“, womit dieser sich vor allem auch auf seinen ehemaligen Arbeitgeber zu beziehen scheint, der ihn wegen seiner Auffassung, die Cox als free thinking bezeichnet, gefeuert hätte.

Burn after Reading

Als Farce, in der sich Verwechslungen und absurde Zufälle aneinanderreihen kann Burn After Reading mit einer Prise trockenem Witz bisweilen gut unterhalten, doch leider verlässt der Film sich zu häufig auf den Gute-Laune-Faktor seines hochkarätigen Schauspielerensembles, deren komisches Potential lediglich MacDormand als frustrierte Mittvierzigerin und Tilda Swinton als humorlose Kinderärztin mit Kontrollzwang auszuloten wissen. Pitt, der mit seiner Föhnfrisur und den blondierten Haaren an seinen Look, den er in den frühen 90er Jahren in dem Film Johnny Suede (1991) kultivierte, anknüpft, beschert vor allem eingeweihten Zuschauern einige unterhaltsame Momente durch ein Quäntchen Selbstironie. Der Name des oberflächlichen Fitnesstrainers Chad reimt sich nicht nur auf Brad, sondern entspricht auch dem der Figur eines tumben wie eitlen Schauspielers, den der Johnny-Suede -Regisseur Tom Dicillo in Living in Oblivion – Total abgedreht (Living in Oblivion, 1994/95), seiner Persiflage auf die Filmindustrie, offenbar als Reaktion auf dessen Zusammenarbeit mit dem damals noch jungen Pitt ersann.

Burn after Reading

Der Karneval der Stars von Burn After Reading, in dem sich die beiden vermutlich bestbezahlten Schauspieler Hollywoods, Pitt und Clooney, den Narrenhut aufsetzen dürfen und dabei eben soviel Spaß gehabt zu haben scheinen, wie bei deren gemeinsamer Arbeit an der Ocean’s-Trilogie (2001, [filmid: 83]2004, [filmid: 895]2007), teilt letztlich das Manko der Fernsehübertragung eines Faschingsumzugs: Zugucken macht nur halb so viel Spaß.

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Kommentare


June

Stimm ich voll zu. Zugucken macht keinen Spaß. Kann mir ber durchaus vorstellen, dass die Darsteller am Set Spaß hatten.
Hm, Brad Pitt ist in seiner Rolle zu gewollt witzig, nervt eher, als dass man darüber lachen muss. Hatte mehr vom Film erwartet, wurde enttäuscht. Kann heute schon nicht mehr sagen, zu welchen der ohnehin wenigen lustigen Szenen ich richtig gelacht hab, obwohl ich den Film erst gestern gesehen habe.


laZee

Ich versteh gar nicht, was alle immer an dem Film zu meckern haben. Ich habe mich köstlich amüsiert und in der letzten Szene wurde die Steigerung in immer härtere Lachsalven schon anstrengend. Ich war damit nicht allein im Kino. Das dieser Film hauptsächlich auf seine Darsteller aufbaut, finde ich nicht im geringsten schlimm. Gerade Brad Pitts Mimik als leicht doofer Fitnesscoach war herrlich und man muss kein Kenner der eventuellen Anspielungen auf etwaige frühe Rollen von Brad Pitt sein um dort zu lachen. Tolle Darsteller, nette Gags, bisweilen urkomisch, und keine konventionelle Dramaturgie. Letzteres scheucht dann den Standard-Komödien-Liebhaber gern mit einem unzufriedenen Gesicht aus dem Kino.


Evil_Mind

Zwar schon alles etwas älter, aber ich frage mich wirklich, was die Leute an diesem Film gefunden haben.
Habe ihn mir heute ausgeliehen und dachte, wäre mal wieder nett, eine Komödie zu sehen, besonders eine, die aber auch wirklich von Allem und Jeden hoch gelobt wurde.
Nach den ersten 20 Minuten ging ich dann schon freiwillig zum Kühlschrank, da sich das Sitzenbleiben nicht lohnte.
Ich weiß nicht, was diesem Film einen Komödienstatus einbringt. Irgendwo muß ich zwischen den 96 Minuten des Films, meinen Humor verloren haben. Selbst ein Film wie Starship Troopers regt mich mehr zum lachen an und das soll was heißen!
Auch das Prinzip und die Handlung ist nicht wirklich neu.
Auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich diesem Machwerk eine 2,5 geben, allerdings auch nur wegen einem Staraufgebot von Schauspielern, ansonsten bin ich mehr als enttäuscht!


Martin Z.

Die fünf Topstars garantieren schon, dass es lohnt, sich den Film anzuschauen. Wie die fünf Handlungsstränge dann mit einander verbunden werden, ist schon gekonnt gemacht. Und wenn sie sich auf drei verengen, steigt die Spannung. Allerdings ist von Zeit zu Zeit eine Bestandsaufnahme von Nöten, die vom Zuschauer gern angenommen wird. Die Komik kommt nicht zu kurz und erhöht den Unterhaltungswert; ebenso wie ein paar Abstecher ins blutige Handwerk, die einfach dazugehören. Komisch ist es dann auch, wenn es den Falschen erwischt!? Und wenn dann völlig überraschend und keineswegs am Ende aller Aktivitäten der Abspann kommt, hilft als Erklärung nur der Titel: ’Verbrennen Sie diese Nachricht, nachdem sie sie gelesen haben!’ Das alles ist also nur eine Notiz, die man bitteschön zur Kenntnis nehmen und dann vernichten (vergessen!?) soll. Oder ist es mit dem Film so, wie mit der berühmten Symphonie von Schubert, die man auch die Unvollendete nennt? Dieser Beiname gilt inzwischen als Kennzeichnung und Typisierung des Werkes von Schubert. Der Vorteil beim Film ist, man braucht sich keine Sorgen um den Schluss zu machen. Haben die Coens auch nicht getan.


Sebastian

Nur weil dieser Film als Komödie klassifiziert wurde, muss ich nicht gleich erwarten, dass er voller Brüller ist. Das hat dieser Film auch nicht nötig. Nach 15-20 Minuten kommt er etwas mehr in Schwung und hat keineswegs gelangweilt. Bei einer oberflächlichen Betrachtung mag der Film wie ein Machwerk wirken, nur weil er nicht zum Totlachen ist und keine wichtige Botschaft in ihm steckt, muss er aber noch lange kein solches sein.






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