Brüderliebe

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Brüderliebe erzählt die bewegende Geschichte von drei Brüdern, die zwar unter demselben Dach wohnen, aber ihre Probleme nur mit sich selbst austragen. Auf zurückhaltende Weise erzählt Regisseur Gaël Morel von der Suche junger Menschen nach dem individuellen Glück und der Schwierigkeit in einer Männerwelt Gefühle zu zeigen.

Brüderliebe

Nach dem Tod ihrer Mutter müssen die drei Brüder Marc, Christophe und Olivier alleine mit ihrem Vater, der kein übermäßiges Interesse an seinen Söhnen zeigt und mehr mit sich selbst beschäftigt ist, zusammen wohnen und versuchen miteinander auszukommen. In Brüderliebe (Le Clan) erzählt Regisseur Gaël Morel in drei Kapiteln, die jeweils einem der Brüder gewidmet sind, von jungen Männern, die unabhängig voneinander verschiedene Entwicklungen durchmachen und trotzdem versuchen als Familie irgendwie zusammen zu halten.

Morel zeigt uns eine reine Männerwelt, in der die Protagonisten unfähig sind ihre Gefühle auszudrücken und stattdessen gar nichts sagen, sich anschreien oder drauflos prügeln. Das harmonische Zusammenleben wird besonders dadurch erschwert, dass die Brüder in einer jeweils völlig anderen Welt leben. Marc (Nicolas Cazalé) verbringt sein zielloses Leben mit seiner Gang, dem Konsum verschiedener Rauschmittel und kleinen Drogengeschäften, während Christophe (Stéphane Rideau), der Älteste, gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich nach Harmonie und der Normalität von Ehe und Familie sehnt. Olivier, der jüngste und introvertierteste der drei Brüder, verliebt sich in seinen Mitschüler und kapselt sich am stärksten von seiner Familie ab, hauptsächlich bedingt durch den Verlust seiner Mutter, zu der er ein besonders intensives Verhältnis hatte.

Brüderliebe

Mit distanzierter Kamera und einer objektivierenden Erzählweise präsentiert uns der Film realistische Charaktere, die ebenso nuanciert gezeichnet sind wie das Milieu, das sie umgibt. Am Deutlichsten zeigt sich das bei der Darstellung von Christophes Arbeit in der Fleischfabrik, wo die Arbeiter unterschiedlicher Herkunft in erster Linie Geld zum Überleben verdienen müssen und deswegen auch so manche Schikane der Vorgesetzten ertragen. Marcs unbekümmertem Leben auf der Straße, stellt Morel die harte soziale Realität der Fabrik entgegen. In blautonigen Bildern wird sowohl die emotionale wie auch physische Kälte verdeutlicht, der sich die weiß vermummten Fabrikarbeiter tagtäglich aussetzen müssen.

Die starke Körperlichkeit der Schauspieler, wie sie sich in permanenten emotionalen Ausbrüchen zeigt, spielt in Brüderliebe eine zentrale Rolle. Was nicht mit Worten gesagt werden kann, entlädt sich durch den Körper. Besonders Marc pflegt ein intensives Verhältnis zu seinem Körper, den er durch Muskeln und die Entfernung von Körperhaaren zu einem sexuell aufgeladenen Produkt seiner Gangkultur stilisiert. Bei der Inszenierung nackter Körper enttäuscht Morels Sichtweise dann leider aber, weil die ästhetische Darstellung dieser nicht wie der restliche Film auf distanzierte Weise vollzogen wird, sondern sich in einer klischeehaften Bildsprache in Hochglanz verliert.

Brüderliebe

Diese Schwäche in der Ästhetik wird allerdings sowohl von dem intensiven und natürlichen Spiel der Hauptdarsteller als auch von Morels unaufdringlicher Art diese in Szene zu setzen, in den Hintergrund gedrängt. Morels enge Vertrautheit mit der Welt der Jugendlichen zeigt sich besonders in der Zeichnung der Figuren, die an keiner Stelle konstruiert oder schablonenhaft wirken, sondern durch ihre unvorhersehbaren Handlungen und ständigen Ausbrüche stets einen rohen und ungeschliffenen Charakter behalten. Die Figuren werden nicht auf eine narrative Funktion reduziert, wie es bei der Darstellung von Jugendlichen im Film oft zu sehen ist, sie besitzen im Gegenteil alle etwas Unberechenbares und Widersprüchliches, was dem Film eine besondere Authentizität verleiht. So ist es Morel trotz einiger Fehlgriffe gelungen Brüderliebe durch seine überzeugenden Charaktere von anderen Familien- und Jugenddramen abzuheben und einen eigenen und prägnanten Stil zu entwickeln.

Filmkritik von Michael Kienzl

Veröffentlicht am 06.03.2005

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Film-Angaben

Titel: Brüderliebe

Originaltitel: Le Clan

Frankreich 2004

Laufzeit: 90 Minuten

 

Regie: Gaël Morel

Drehbuch: Gaël Morel, Christophe Honoré

Produktion: Philippe Jacquier

Darsteller: Nicolas Cazalé, Stéphane Rideau, Thomas Dumerchez, Bruno Lochet, Aure Atika, Salim Kechiouche

 

Kinostart: 10.03.2005

 

DVD-Angaben

Titel: BrüderLiebe

Vertrieb: Pro - Fun Media

Bild: 1,85:1, 16:9

Sprache(n): Französisch (DD 2.0/Stereo)

Untertitel: Deutsch

Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Spieldauer: 90 Minuten

 

Extras: k.A.

 

Verleih ab: 28.09.2005

Verkauf ab: 28.09.2005

 

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Copyright Brüderliebe

Fotos: © Pro-Fun Media

 

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