Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2

Am Ende ihrer Geschichte werden Bella und Edward zur bürgerlichen Musterfamilie.

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Wer mehr als einmal einen Film aus der Twilight-Reihe rezensieren muss, steht vor der Frage, was er denn jetzt noch schreiben soll. Obwohl die fünf Teile von vier verschiedenen Regisseuren gedreht wurden, unterscheiden sie sich kaum. Als Letzter legt jetzt Bill Condon (Kinsey, 2004, Dreamgirls, 2006) mit Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2 (The Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 2) den Abschluss der Vampir-Saga vor, der nach bewährter Harry-Potter-Manier zweigeteilt wurde. (Condon inszenierte auch schon Breaking Dawn – Teil 1, der vor einem Jahr im Kino lief.) Für die Verfilmung des vierten Buches der Reihe tritt die Autorin Stephenie Meyer erstmals als Produzentin auf – sicher keine Entscheidung, durch die ein neuer Blick auf den Stoff gewonnen werden könnte.

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Bella und Edward (Kristen Stewart und Robert Pattinson) hatten zuletzt geheiratet und dann (endlich!) miteinander geschlafen. Nach der Hochzeitsnacht kam gleich die Schwangerschaft, der halb vampirische Fötus erwies sich als äußerst aggressiv, und Bella wäre fast gestorben. Breaking Dawn – Teil 1 endete damit, dass Edward seine Frau unmittelbar nach der Niederkunft, um sie zu retten, zur Vampirin machte.

Der Anfang des nun wirklich allerletzten Teils befasst sich damit, wie die gerade erwachte Bella ihre neuen Kräfte kennenlernt und ihre Umgebung völlig neu wahrnimmt. Diese wenigen Szenen sind die stärksten, weil sie sich Mühe geben, für Kraft, Schnelligkeit und geschärfte Sinne Bilder zu finden. Da jagt sie mit Edward ungestüm durch den Wald und muss aufpassen, wie fest sie ihren Geliebten drückt. Aber mit der bald folgenden ersten und einzigen Sexszene endet auch schon jede Sinnlichkeit. Die Geschichte will es so, dass das Ehepaar tagelang im Schlafzimmer verschwindet, weil Vampire äußerst ausdauernd sind. Aber bei diesem Weichzeichnersex á la David Hamilton sind die Liebenden vielleicht auch einfach eingeschlafen.

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Wenig später sieht man sie als Katalog-Abbild einer bürgerlichen Kleinfamilie steif im Wohnzimmer sitzen, Edward am Flügel, Töchterchen Renesmee auf der Bank neben ihm, Bella vor dem Instrument, als wollte sie gleich eine Arie singen. Oder als sei ein Fotograf bestellt, der das alljährliche Foto für den Weihnachtsgruß macht.

Diese Szenen mit im Wohnzimmer herumstehenden Menschen, Verzeihung, Vampiren und Werwölfen, sind so etwas wie die zugrundeliegende Struktur des ganzen Films. Ein visuelles Element, das immer wiederkehrt und absurd viel Zeit in Anspruch nimmt. Die meisten erklärenden Dialoge finden so statt, durch sturen Schnitt-Gegenschnitt und herkömmliche Orchestrierung kleinerer Gruppen. Als Hintergrund dient dabei meist eine Bücherwand, ein ähnliches Symbol wie der Flügel (einmal wird übrigens auch noch Schach gespielt, weil wenn schon, denn schon). Im Verlauf der Handlung kommen immer mehr Personen dazu, vorwiegend auswärtige Vampire, die auch noch irgendwie in diese steifen Dialogszenen integriert werden müssen, was immer schlechter gelingt.

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Die einfallslose Inszenierung und der hohle Gebrauch von Symbolen waren auch schon ein Problem mancher der früheren Twilight-Filme (Morgengrauen, Mittagsstunde, Abendrot, Ende der Nacht 1), aber in Breaking Dawn – Teil 2 wird dieses Manko ins Extrem getrieben. Verdeckt wird das nur durch Kitsch. Die stets besorgten Blicke Edwards, die wiederholten Liebesschwüre, das grandios unironische Schlussbild mit dem Paar auf einer Blumenwiese. Oder der Einsatz der Musik, die wirklich keine Gelegenheit auslässt, selbst ein vorgeblich intimes Gespräch mit süßen Klängen und sogar Gesang zuzudecken. Man kann das als Camp betrachten und damit unverdient ästhetisch aufwerten. Manches scheint eine solche Betrachtung geradezu zu erzwingen, nicht zuletzt die abschließende Schlacht in einer weiten Schneelandschaft, bei der reihenweise Köpfe aus Vampirkörpern gerissen werden, begleitet von einem seltsamen Geräusch. Der Werwolf Jacob (Taylor Lautner) hat einen heiteren Auftritt, wenn er sich vor Bellas schockiertem Vater auszieht, um ihm einerseits seine Brustmuskulatur zu zeigen, und andererseits die Sache mit den Werwölfen und den Vampiren zu erklären.

Ob Camp oder nicht, die Fans der Serie werden diesen Teil genauso mögen wie die vorherigen. Wer aber für die passgenau auf die Zielgruppe ausgerichtete verkehrte Romantik nicht empfänglich ist, der sieht auch dieses Mal nur eine tragische Ansammlung von Unzulänglichkeiten.

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Kommentare


Lisa

Ich war im Kino. Sogar beim Double Feature. Ja, ich wusste worauf ich mich einlasse. Und normalerweise kann mir nichts zu schnulzig sein. Aber die Twilight-Reihe topt alles! Da wird sogar mir übel. Am schlimmsten sind wirklich die ekelkitschigen Dialoge: "Ich liebe Dich! Nein, ICH liebe Dich, (immer zweimal mehr wie du)..." Echt krass. Aber ein was positives hatte der letzte Teil: Die Kampfszene zum Schluss!! Auch wenn klar war, dass nicht plötzlich alle sterben müssen (das wäre zu schön gewesen), so fand ich trotzdem die Aufmachung mit der Vision gut. Hat bei mir zu einen kurzen Aha-Effekt geführt. (Genauso wie die Bella-Nippel-Szene)


Seraphina

Ich mach's so kurz wie (bei mir) möglich.

Eines mal vorweg! Ich bin eigentlich kein Fan der Bücher. Hab ich mich beim ersten Band noch von der Neuartigkeit mitreissen lassen, so fand ich den zweiten Teil schon langweilig mit all dem nicht enden wollenden Herzschmerz. Dem Dritten konnte ich auch nur wenig abgewinnen und beim Vierten konnte ich mich noch gar nicht durchringen, den überhaupt erst durchzulesen. In die Länge gezogen, allgemein zuviel Liebeskram und zu wenig Action bzw. äussere Handlung -> mein Urteil: Mittelmaß!

Die Fime mochte ich schon aufgrund dessen mehr, da sie nicht so langwierig sind wie die Bücher.
Doch den fünften Film finde ich einfach grossartig. Endlich tritt die Romantik ein klein wenig in den Hintergrund und lässt der Action ein wenig Platz (mehr Platz als bei "Biss zum Abendrot" sogar) . ^^ DAS ist für mich das richtige Maß.

Zudem warten auf den geneigten Zuschauer extrem schockierende Szenen. Ich saß lange Zeit da mit heruntergeklappter Kinnlade. Eine äusserste gelungene Wendung der Ereignisse. *daumen hoch*

Humor vermisst man hier auch nicht. Der Vampirfürst Aro ist schon eine Nummer für sich (diese irre Lache von dem, mannometer! ^^) Die Szenen zwischen Edward und Emmett oder Jacob und Charlie sind auch nicht ohne.

Optisch gefällt mir ganz besonders die Darstellung von Bellas neuen Vampir-Sinnen (endlich sieht auch der Zuschauer - durch ihre Augen - wie ein Vampir seine Umwelt wahrnimmt, z.B. beim Rennen ^^).

A'propos: Langsam erinnert auch die ganze Vampir-Liga mit ihren seltsamen Fähigkeiten schon irgendwie an die X-Men. ^_~

Endlich ist Bella nicht mehr das schwache Mädchen, welches sich von ihrem paranormalen Lover beschützen lassen muss. Nein, hier kämpft sie mit enormen Beschützerinstinkt wie eine Löwin!
Leider kann Mackenzie Foy als unsterbliches Kind Renessmee nicht so gut überzeugen wie seinerzeit Kirsten Dunst als Vampirkind Claudia (aus "Interview mit einem Vampir").

Das Ende bleibt sogar ein klein wenig offen, wobei ich nicht denke, daß die Autorin die Story irgendwann fortsetzten wird (aber man sagt ja niemals nie).

Gelungener Abschluß einer Fantasy-Saga!

PS:
Ich hoffe, daß nach Abschluß von TWILIGHT, jetzt THE MORTAL INSTRUMENTS dessen Nachfolge antreten wird. Der Verfilmung des ersten Bandes CITY OF BONES kommt nächsten Sommer in die Kinos. Da bin ich sogar Fan der Buchvorlagen. ^^






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