Brautalarm

Die Vorbereitungen zu einer Hochzeit eskalieren zu einem erbitterten Zickenkrieg. Brautalarm versucht sich an einer ungewohnten Mischung aus Romantic Comedy und Fäkalhumor. 

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Mit den Fernsehserien Voll daneben, voll im Leben (Freaks and Geeks, 1999–2000) und American Campus – Reif für die Uni? (Undeclared, 2001–2002) hat Judd Apatow seinerzeit den filmischen Nachwuchs herangezogen. Neben Schauspielern wie Seth Rogen und James Franco, denen mittlerweile der Schritt vom Fernsehen in den Kino-Mainstream gelungen ist, finden auch Regisseure und Drehbuchautoren von damals Verwendung. Greg Mottola (Adventureland, 2009) und Nicolas Stoller (Männertrip, Get Him to the Greek, 2010) haben bereits eigene Filme gemacht, die von Apatow produziert wurden. Paul Feig, der als Drehbuchautor und Produzent von Voll daneben, voll im Leben angefangen hat, verschlägt es nach jahrelanger Fernseharbeit nun mit Brautalarm (Bridesmaids) auf die große Leinwand. Heraus gekommen ist eine relativ konventionelle Komödie über die ständig eskalierenden Vorbereitungen zu einer Hochzeit.

Annie ist eine von Defiziten geplagte Anti-Heldin, wie man sie aus den Bridget Jones-Filmen (2001–2004) kennt. Sie wünscht sich eine perfekte Beziehung und lässt sich stattdessen bei rein sexuellen Treffen mit einem Arroganzling (Jon Hamm) erniedrigen, und auch beruflich läuft es nicht gut. Als die beste Freundin Lilian (Maya Rudolph) ihre Verlobung bekannt gibt, fühlt sich Annie als eine der Brautjungfern zunächst geehrt. Wäre da nur nicht Lilians neue Freundin Helen (Rose Byrne), die scheinbar alles besser kann als sie und zur erbitterten Konkurrentin wird. In einer Rahmenhandlung versucht Annie unterdessen mit dem Polizisten Nathan anzubandeln.

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Brautalarm wagt sich zunächst an eine ungewohnte Mischung: eine Romantic Comedy mit streckenweise sehr derbem Humor. Die Brautjungfern-Clique setzt sich zwar aus ähnlichen Stereotypen zusammen wie das Ensemble aus Sex and the City (1998–2004) – von der älteren Lasziven bis zur jungen Unbedarften –, eine Figur wie Megan (Melissa McCarthy) ist derart prominent platziert allerdings eine Seltenheit. Normalerweise findet man ein schmierig aufdringliches Verhalten und anzügliche Witze eher in der Darstellung von Männern. Dank Megan findet aber im wahrsten Sinne des Wortes der Fäkalhumor Einzug in die ansonsten so saubere Frauenkomödie. Der Nachteil davon ist, dass sie als Klischee der trampeligen Dicken auch unter dem ständigen Zwang leidet, neue Lacher produzieren zu müssen.

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Auch mit seiner Protagonistin attackiert der Film teilweise sehr aggressiv ein von Kino und Werbung propagiertes Frauenideal. Annie lästert über abgemagerte Modepüppchen und gebleachede Arschlöcher und hat nebenbei auch noch Geldprobleme. In der ansonsten eher realitätsfernen Welt der Romantic Comedy geht es selten um ökonomische Sorgen. Als ehemalige Besitzerin einer Bäckerei wird Annie nicht nur als Opfer der Wirtschaftskrise eingeführt, ihre Geldsorgen bleiben auch den restlichen Film über stets im Bewusstsein. Im Gegensatz zu den anderen Brautjungfern kann sie sich weder einen Sitzplatz in der ersten Klasse leisten noch das überteuerte Designerkleid für die Hochzeit. Damit bietet Annie eine angenehme Gegenposition zu einer materialistischen Tussi wie Carrie Bradshaw.

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Das Potenzial, das in einigen der Figuren steckt, weiß Brautalarm aber letztlich nicht zu nutzen und hält sich vorwiegend auf ausgetrampelten Pfaden auf. Der vermeintliche weibliche Traum von einem betont sensiblen Mann mit Dackelblick darf da ebenso wenig fehlen wie ein klassisches Happy End. So gelungen einzelne Dialoge oder Szenen – wie ein Eklat im Flugzeug nach Vegas – auch sein mögen, sie bleiben häufig nur Füllmaterial für ein reichlich uninspiriertes Drehbuch. Kristen Wiig demonstriert ihr komödiantisches Talent als Darstellerin durchaus überzeugend, mit ihrer formelhaften Story traut sie sich aber schlichtweg zu wenig. 

Trailer zu „Brautalarm“


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Kommentare


Rita

Von diesem Filmkann mn nur abraten, nachganz nettem Start zieht er sich elendig in die Länge undhat außer müden Witzen, Fäkalhumor und frustierendem Sex nur wenig zu bieten


Linn

Dieser Film war einer der lustigsten, den ich seit langem gesehen habe. Ich würde den Film jeden empfehlen, der abgedroschene Hochzeitskomödien a la "27 Dresses" und "Valentinstag" satt hat und mal wieder herzhaft lachen möchte. Erfrischend anders und auf jeden Fall eine gelungen Kinoüberraschung in diesem Sommer.


Melli

Der Film ist ganz witzig aber mehr halt auch nicht, ich würde nicht unbedingt dafür ins Kino gehen sondern einfach warten bis er irgendwann im TV läuft ;)


rina

der hammer, super lustig. wer sich auf den humor einlassen kann, wird super abschalten können. das komplette publikum war super amüsiert. geiler film!






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