Born to Fight

Kurz nach Revenge of the Warrior (Tom yum goong) schlägt das thailändische Actionkino hierzulande gleich noch einmal zu. Born to Fight (Kerd ma lui) heisst das neueste Werk, welches in Thailand bereits ein Jahr vor dem neuesten Tony Jaa-Vehikel produziert wurde.

Born to Fight

Regie führt der Veteran Panna Rittikrai, der bereits eine lange Reihe hierzulande vollkommen unbekannter Genrefilme realisierte. Born to Fight ist ein Remake eines seiner eigenen Werke, welches – je nach Quelle, die Informationslage ist sehr dünn – Ende der Siebziger oder Anfang der Achtziger Jahre entstand. Der Film führt viele Elemente, die dem Publikum aus Revenge of the Warrior und Ong Bak, dem internationalen Durchbruchsfilm des thailändischen Actionfilms, bekannt sind, konsequent fort. Wie diese Streifen, zeichnet sich Born to Fight durch einen äußerst geradlinigen, funktionalen Plot aus und verhandelt inhaltlich vor allem den Kampf um die bedrohten, von der Modernisierung bisher verschonten, Dörfer Thailands.

Tony Jaa, der Shootingstar der Martial-Arts Fangemeinde, ist zwar hier nicht mit von der Partie, über einen Mangel an spektakulären Stunts kann sich dennoch niemand beschweren. Im Gegenteil: Born to Fight setzt im Actionbereich zumindest stellenweise neue Maßstäbe. Die Intensität der Actionszenen, unterstützt von den inzwischen zum Genrestandard gehörenden hektisch-treibenden Elektrobeats und die Rücksichtslosigkeit, mit welcher Rittikrai sein menschliches und maschninelles Material behandelt, suchen zweifelsohne im europäischen oder amerikanischen Kino ihresgleichen. Einige Outtakes der Kampfsequenzen, die während dem Abspann zu sehen sind, machen zumindest eines deutlich: Stuntman in Thailand zu sein, ist kein Zuckerschlecken. Und die Sanitäter sind am Set im Dauereinsatz.

Born to Fight

Die Handlung dieses neuen thailändischen Actionspektakels ist wie gesagt simpel, aber effektiv: Nachdem der Polizist Daew (Dan Chapong) den verbrecherischen General Yang (Nappon Gomarachun) nach einer fulminanten Verfolgungsjagd, die einem seiner Kollegen das Leben kostete, zur Strecke gebracht hat, glaubt er, sich ein bisschen Erholung auf dem Lande gönnen zu können. Gemeinsam mit seiner Schwester und deren Freunden besucht er ein Dorf, dessen Bewohner die Gruppe mit Nahrungsmitteln und Kampfsportvorführungen beglücken möchten. Allerdings wird die ländliche Idylle bald von einer Horde Terroristen gestört, die die gesamte Dorfbevölkerung als Geisel nimmt, im Besitz einer Atomrakete ist und die Freilassung Yangs fordert.

Die bedrohte Dorfgemeinschaft ist seit Akira Kurosawas Die Sieben Samurai (Shichinin no samurai, 1954) ein beliebter Ausgangspunkt für Actionfilme. Im Gegensatz zu ihren Kollegen im japanischen Klassiker müssen die Bauern in Born to Fight allerdings nicht auf Hilfe von außerhalb hoffen, da sich ausgerechnet in dem Dorf, welches die Schurken für ihren Überfall auswählen, eine Gruppe von Martial-Arts-Experten befindet. Schnell wird klar, dass Daew und seine Kollegen nicht im Traum daran denken, den Forderungen der Terroristen nachzugeben. Nach einem Drittel der Gesamtlaufzeit des Films hat das Dehbuch seine Schuldigkeit getan, es folgt ein gut einstündiges Actionspektaktel, das sich optisch und inhaltlich nicht nur, wie die Tony Jaa-Epen, an den Kung-Fu Spektakeln der Shaw Brothers aus den Siebziger Jahren orientiert, sondern auch Elemente der amerikanischen B-Actionfilme der Achtziger Jahre aufgreift.

Born to Fight

Die Bedrohung des ländlichen Thailands ist nur schemenhaft umrissen: Zwar wird die Terroristengruppe anfangs mit Drogenhandel in Verbindung gebracht, doch um die tatsächlichen Beschäftigungen und Motivierung der Gangster kümmert sich Born to Fight im Folgenden nicht im Geringsten. Weshalb möchten die Bösewichter nach der Befreiung Yangs Bangkok dem Erdboden gleich machen? Stellen die roten Armbinden der Kämpfer ein politisches Bekenntnis dar? Einige inhaltliche Feinheiten sind möglicherweise der deutschen Synchronisation zum Opfer gefallen, doch insgesamt macht sich ein deutliches Missverhältnis in der Darstellung der beiden gegnerischen Lager bemerkbar. Das traditionelle, ländlich verortete Thailand muss mit der Unterstützung aller nationalen Insignien und einer Jahrtausende alten Kultur verteidigt werden – gegen eine Ansammlung scheinbar einem Chuck Norris-Film entsprungener B-Movie Klischees.

Born to Fight zelebriert die totale Mobilmachung des dörflichen Thailands gegen diese militaristischen Abziehbilder. Ob Kind, Krüppel oder Großvater, jeder wird für die Verteidigung der heimatlichen Gemeinschaft gebraucht. Verbunden wird diese kompromisslose, pathetisch inszenierte Aufrüstung der naiven Zivilisten mit extrem nationalistischer Diktion. Die thailändische Nationalhymne sowie die Landesfahne werden zur Motivation der Bauernfamilien eingesetzt und im Kampf dienen nicht nur Maschinengewehre und Fäuste, sondern auch die Früchte der heimischen Erde, sowie traditionelles Kunsthandwerk dem guten Zweck.

Fußball hingegen gilt im Allgemeinen nicht als besondere Spezialität Thailands. Dennoch werden gleich mehrere der Terroristen mit gezielten, professionell ausgeführten Weitschüssen erlegt. Über die pathetische Botschaft stellt der Regisseur Rittikrai im Zweifelsfall stets das Spektakel. Und das ist natürlich auch gut so.

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