Bordertown

Jennifer Lopez und Antonio Banderas sind als Reporter auf der Spur von Frauenmördern an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Der durchschnittliche Thriller mit humanitärer Botschaft gehörte zu den am meisten kritisierten Filmen bei der Berlinale.

Bordertown

Eine Hand stößt durch die Erde, dramatische Musik ertönt, und ein mit weißem Staub bedeckter Körper kämpft sich aus seinem Grab - man könnte beim Ansehen von Bordertown meinen, in einem Horrorfilm gelandet zu sein. Aber die junge Frau, die hier wiederaufersteht, ist keine Untote, sondern die Überlebende eines Überfalls. Eva (Maya Zapata) wird deshalb zu einer wichtigen Zeugin in einer geheimnisvollen Mordserie. Es folgt ein typischer Thriller-Plot: Die Journalistin Lauren (Jennifer Lopez) wird, zunächst widerwillig, von ihrem Chef in die mexikanische Stadt Juárez geschickt, um der Sache nachzugehen. Dort trifft sie auf Alfonso (Antonio Banderas), den idealistischen Herausgeber einer kleinen Regionalzeitung.

In Juárez hat sich Mitte der neunziger Jahre eine ganz besondere wirtschaftliche Situation entwickelt: Im Zuge des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) sind in Mexiko an der Grenze zu den USA Tausende Fabriken entstanden, so genannte Maquiladoras, die von billigen Arbeitskräften auf mexikanischer und zahlungskräftigen Konsumenten auf US-amerikanischer Seite profitieren. Die Unternehmer setzen fast ausschließlich Frauen ein, weil diese weniger als Männer dazu neigen, sich gewerkschaftlich zu organisieren und höhere Löhne zu fordern. Die Fabriken sind rund um die Uhr in Betrieb, weshalb die Frauen auch spät in der Nacht den Heimweg antreten müssen. Viele dieser Frauen sind überfallen, vergewaltigt und brutal ermordet worden. Es sollen im Laufe der Jahre mehrere hundert sein, im Film ist an einer Stelle sogar von bis zu 5000 Opfern die Rede. Die These von Bordertown besagt, dass Fabrikbesitzer, Polizei und Politiker aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse daran haben, die Mordserie aufzuklären.

Bordertown

Dies ist der Hintergrund (s. Wikipedia), der bereits auf Zwischentiteln während des Vorspanns erklärt wird. Die noch wenig bekannten Zusammenhänge sind gleichzeitig das Interessanteste an dem Film, der sein Anliegen - die Weltöffentlichkeit auf die Situation der Frauen von Juárez aufmerksam zu machen - mit einer unausgegorenen Mischung aus Schockeffekten und dick aufgetragener Nachdenklichkeit zunichte macht. Auf der Berlinale 2007, wo das Werk von Regisseur Gregory Nava seine Welturaufführung feierte, war Bordertown der einzige Film in einem ohnehin schwachen Wettbewerb, der bei der Pressevorstellung ausgebuht und sogar ausgelacht wurde. Wie das Branchenblatt Variety meldet, hat Bordertown noch keinen Verleih in den USA, so dass ausnahmsweise ein amerikanischer Film zuerst in Europa läuft.

Die Geschichte wird mit Genremotiven angereichert, die zwar zu den wenigen gelungenen Momenten zählen, weil sie sich an erprobte Regeln halten, aber völlig deplatziert wirken. Neben der Zombie-Szene vom Anfang ist da noch Laurens Fall in einen Leichenhaufen zu nennen sowie verschiedene Suspense-Momente, die immer mit Geräuscheffekten aus der Trickkiste der Gespensterfilme angereichert werden. Wer eine wahre Geschichte erzählen und sich für die Menschenrechte einsetzen will, begeht aber einen Fehler, wenn er beim Zuschauer Assoziationen erzeugt, die aus B-Horrorfilmen stammen und mit denen man nicht die gemeine Realität, sondern ein angenehmes, fantasievolles Gruseln verbindet. Der Inszenierungsstil verlässt sich außerdem auf ein künstlich erzeugtes Tempo: Bloß um zu zeigen, wie Jennifer Lopez aus einem Auto aussteigt, benötigt Nava ein halbes Dutzend Schnitte. Mexiko wird in hohen Kontrasten und in leicht überbelichteten Bildern dargestellt, was sieben Jahre nach Traffic (2000) langsam selbst zu einem Klischee zu werden scheint.

Bordertown

Das von Regisseur Gregory Nava verfasste Drehbuch webt in eine einfache Thriller-Geschichte ein sehr grobes Geflecht aus reinem Kitsch. Dazu gehört etwa Martin Sheen als Chefredakteur, der in Laurens Reportage aus Juárez „eine unglaubliche Menschlichkeit“ entdeckt, die es in ihren früheren Berichten nicht gegeben habe. Und dazu gehören ganz sicher die in einem kurzen Zwischenspiel eingeworfenen Zweifel der Großstadt-Karriere-Journalistin an ihrem leeren - weil kinderlosen - Leben. Die persönliche Reifung Laurens wird überdeutlich ergänzt durch Rückblenden, aus denen hervorgeht, dass sie ja eigentlich auch einmal ein armes Mädchen aus Mexiko war. Das, und nicht die Anklänge an den Horror, ist das größte Problem des Films: Dass Nava sich mehr für das banale Innenleben seiner Hauptfigur interessiert als für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Frauen in den Fabriken.

Kommentare


era02

der Film war toll!es hat mir leid getan,dass das Kino fast leer war...ich verstehe nicht wieso..sind die Menschen ueberhaupt nicht interessiert was dort passiert?ist uns das alles egal?wir alle geben hunderte Euro fur Harry Potter und fuer andere solche bloedsinne...

Alle muessen etwas tun fur diese vermisste Maedchen..Bitte wachen Sie auf!!!!!!


Wolfgang

Ich habe die DVD "Bordertown" erstanden und ich bin betroffen. Um aufzurütteln, muss ein Film mit gewissen Effekten daherkommen. Aber offensichtlich wollen wir in der heutigen Zeit, wo möglichst alles billig hergestellt und zu kaufen sein muss, dieses Problem nicht wahrnehmen. Weiter zu diesem Thema zu empfehlen: der Song "missing women" von Patricia Vonne.


Martin Z.

Das Drama, auf dem der Film basiert ist ernst und real. Ort der Handlung ist die mexikanisch-amerikanische Grenzregion. Doch wenn wir dann die gut gestylte Jennifer Lopez permanent durchs Bild hasten sehen, ungeachtet der slumartigen Umgebung, kann man nur verdutzt die Stirn runzeln. Als Schauspielerin ist sie hier glatt fehlbesetzt. Sie versinkt mit ihrer Minimalmimik (Gesichtslähmung) in der Hektik der Aktionen und hält lediglich ihr hübsches Gesicht im Blickwinkel der Kamera Auch das Zusammentreffen mit Antonio Banderas wirkt aufgesetzt und unrealistisch. Jeder weiß von vorne herein, dass sie zusammenarbeiten werden. Die Spannung verabschiedet sich dann vollends, wenn auf die Tränendrüse gedrückt wird. Aber das verpufft ohne Wirkung. Da wäre ein echtes Sozialdrama dringewesen. Doch hier gibt’s Action um der Action willen. Das ist an sich durchaus akzeptabel, aber nicht wenn es um Vergewaltigung und Mord um Diskriminierung und Korruption geht. Das was wir hier sehen ist überflüssig wie ein Kropf, es sei denn, man will lediglich Banderas oder/und Lopez bewundern.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.