Borat
Alarmstufe Rot: Ali G-Erfinder Sacha Baron Cohen fällt in der Rolle des kasachischen TV-Moderators Borat über die USA her. Seine fiktive Reisereportage entpuppt sich als subversive Satire mit eingebauter Lachgarantie.

Angefangen hat alles mit der Rolle des streetkredibilen Gangsters Ali G, einer Persiflage auf die vor allem von jugendlichen Immigranten dominierte urbane Hip Hop-Kultur. Der Gastgeber der gleichnamigen auf dem britischen Privatsender Channel 4 ausgestrahlten TV-Show (Da Ali G Show, 2000-2004) verhalf seinem Schöpfer, dem Comedian Sacha Baron Cohen, endgültig zu dessen Durchbruch – national wie international. Einem größeren Publikum wurde der mit Goldkettchen und Goldzähnen ausstaffierte Checker im gelben Jogginganzug spätestens bekannt, als Madonna ihn seinerzeit für ihr Video Music (2000) engagierte. Zu den Figuren, in die Cohen regelmäßig bereits zu Ali G-Show-Zeiten schlüpfte, gehörte auch die des kasachischen TV-Moderators Borat Sagdiyev.
Borat vereint so ziemlich alle Vorurteile und Klischees, die einem als westlichen Zuschauer beim Stichwort „ehemalige Sowjetrepublik“ und „Kaukasus“ einfallen können. Natürlich entstammen Borats Moralvorstellungen einem sexistischen Rollenverständnis. Natürlich sind für ihn Frauen nur Menschen zweiter Klasse, und ganz selbstverständlich scheint er stellvertretend für ein ganzes Land ein in jeglicher Hinsicht rückständiges Leben zu führen. Auf dieser Prämisse – Kasachstan benötige dringend die Hilfe und das Wissen des glorreichen Westens – basiert letztlich auch Borats erster Kinofilm. Zusammen mit dem schmierigen Produzenten Azamat Bagatov (Ken Davitian) soll er im Auftrag der kasachischen Regierung in die USA reisen, um seinen Landsleuten in einer Reportage den Wohlstand und die Errungenschaften Amerikas nahe zu bringen.

Das nicht nur physiognomisch ungleiche Duo – Erinnerungen an alte Dick & Doof-Zeiten werden angesichts der körperlichen Gegensätze zwischen Borat und Bagatov wieder wach – startet den Trip durch „God’s Own Country“ in der vitalen Metropole New York. Nach ersten Begegnungen mit mehr oder weniger überraschten Großstädtern zieht es Borat in die Weiten des Mittleren Westens und der Südstaaten. Dabei hat er nur das eine Ziel: Er will die Westküste erreichen. Dort werde er hoffentlich seine im US-Kabelfernsehen erstmals entdeckte Traumfrau Pamela Anderson auf die traditionelle kasachische Art ehelichen können. Den passenden „Hochzeitssack“ hat er stets griffbereit.
Einen Großteil des Reizes und des politisch wunderbar unkorrekten Humors bezieht die als „gefakedte“ Dokumentation getarnte Satire aus dem unkontrollierten und ungebremsten Zusammenprall zweier Weltanschauungen. Während Borat für seine Haltung zu Themen wie Homosexualität, Gleichberechtigung und guten Umgangsformen bei seinen zahlreichen zumeist überraschten Gesprächspartnern auf wenig Verständnis stößt, muten gerade die Momente, in denen er für die eigenen geschmackslosen bis antisemitischen Ansichten und Statements Zustimmung erfährt besonders bizarr an. Mit tosendem Applaus begleitet das Publikum einer Rodeoshow Borats entlarvenden Gruß: „We support your War of Terror!“ Martialische Formulierungen wie „Er (gemeint ist George W. Bush) sollte nicht ruhen, ehe er vom Blut jedes einzelnen Irakers und auch dem ihrer Frauen und Kinder getrunken hat!“ werden begeisternd beklatscht. Und sogar die Frage, ob er auch Waffen habe, um einen Juden zu töten, scheint den Besitzer eines Waffengeschäfts nicht weiter zu beunruhigen.

Cohen, selber Jude, teilt nach allen Seiten aus. Keine Minderheit darf sich vor ihm und seiner Kunstfigur Borat sicher fühlen. Und obwohl er sogar vor Schlägen unter die Gürtellinie nicht zurückschreckt, schimmert gerade in dem Verzicht auf einen oftmals falsch verstandenen Artenschutz für Minoritäten mehr Respekt als in den meisten Hollywood-Komödien durch, die diese oftmals nur als skurriles Beiwerk und spaßige Sidekicks einsetzen.
Selbst auf höchster diplomatischer Ebene steht das Thema Borat (Borat - Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan) auf der Agenda. So kritisierte unlängst der kasachische Präsident Nasarbajew die angeblich herablassende Darstellung seines Landes. Zum Zwecke der Imagepflege schaltete Kasachstan bereits Werbespots im amerikanischen Fernsehen. Die Menschen aus der ehemaligen Sowjetrepublik seien keine unzivilisierten und rückständigen Analphabeten. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass sich Cohen nicht über sie, sondern über die Vorurteile des Westens lustig macht. Diese gilt es zu bekämpfen. Die knapp zehnminütige in Borats Heimatdorf angesiedelte Exposition ist nichts weiter als ein einziger überlanger subversiver Witz. Indem das Land als eine Ansammlung plumper wenig charmanter Klischees charakterisiert wird, verurteilt der Film den mitunter recht überheblichen Umgang der Industrienationen mit sogenannten Entwicklungsländern. Dass man Cohen missversteht oder bewusst missverstehen will, erinnert an die Kontroversen um die satirisch ebenfalls provokante Zeichentrickserie South Park (seit 1997) von Trey Parker und Matt Stone. Hier wie dort entlarven sich selbsternannte Moralapostel, weil sie in ihrem Eifer nicht merken, dass sie es sind, denen in Wahrheit der Spiegel vorgehalten wird.
Filmkritik von Marcus Wessel
Veröffentlicht am 11.10.2006
Kommentare zu Borat
Kasach aus NRW 15.10.2006 17:36
diese missgeburt.der beleidigt alle kasachen.wir sind garnicht so wie er uns in diesem mislungenen film darstellt.aso ey
Olli 16.10.2006 21:58
Seine Darstellung von Kasachstan ist so übertrieben, dass es schon gar nicht mehr als "ernsthafte" Beleidigung verstanden werden kann.
In der Tat finde ich, dass die unwissenden amerikanischen Protagonisten des Films viel schlechter wegkommen, da ihre Reaktionen sie oftmals als wahre Idioten enttarnen!
Ich habe den Film bereits auf der Premiere gesehen und ich habe selten so gelacht! Dieser Film hebt sich sehr von üblichen Komödien ab! Sehr empfehlenswert!
"Russkaja" 18.10.2006 21:41
ich finde der kasach aus nrw hat recht...dieser borat ist echt ein A**** und schlechter schauspieler....kasachstan is niemals so wie er es im film darstellt...also leute,lasst euch nicht beeinflussen......
Ali G 23.10.2006 01:11
Borat hat Recht, alle Osteuropäer sind primitv.
messut 23.10.2006 18:09
Ey alde ! isch find fol scheise wie kasachstan beleidigt wirt fon diese borat! er sol sein dumes maul halten! oder mir sein adress geben damit ich im in die frese haun kkan!
Borat fan from the U S and A 23.10.2006 18:12
how can i make the comment to stop?? please help! i will give you my sister if you help me!
GanGzt@1010 23.10.2006 18:12
Hab den film geshen ey und ich fand den total cool*gg* !
Sau lustig und so ey! Ich kann echt net verstehn warum die leude rumheulen wegen beleidigung und so ey! also leude anschaun und ablachen^^! Peace!
Asiz 23.10.2006 18:15
I watched BORAT-The Movie yesterday and I think it was very funny! Especially the Kazakians, who are realy stupid persons! Jezz was that crazy!!!
echterGangster 23.10.2006 18:17
Hahaha ey leude ich versteh net was ihr habt ey^^ is doch voll geil gemacht der film und so^^
ihr kasachen geht ins kino und seid ruhig, beschwert euch net imma ;)
Bernd 01.11.2006 18:37
Gut gebrüllt Messut!
Aber so rückt man das idiotische Klischee vom blöden Osteuropäer mal wieder ins Bild. Peinlich.
Solche Machwerke gehören verboten!
janine 03.11.2006 02:29
nur mal so: kasachstan ist asien und nicht osteuropa...
nicht nötig 04.11.2006 01:50
icj glaube manche leute sind schlichtweg zu dumm um den sinn von borat zu verstehen.
klar macht er sich über "kasachen" (der film wurde in rumänien gedreht) lustig, aber im vergleich wie amerika dargestellt wird, ist das nichts weiter als eine nebenerzählung, um die story aufzubauen.
ich finde den film sehr lustig, der auch zum nachdenken anregt. vor allem die amis sollten mal darüber nachdenken wer zurückgebliebener im fortschritt (geistlicher) ist - sie oder dritte welt länder. weder die osteuropäer noch asiaten sollten sich angegriffen fühlen.
ich fand es teilweise schockierend wie südländer in den USA verblödet und zurückgeblieben sind.
wie gesagt, film anschauen, ablachen, und sich nochmal überlegen wieviel am spruch "amerika - das land in dem traäume wahr werden" dran ist. zumindest was den südlichen bereich angeht.
HTV 06.11.2006 14:22
Ich habe diesen Film geshen und fand diesen geschmacklos. Ich habe auf meinen Amerika Reisen nur freundliche wenn auch weltfremde Amerikaner
kennengelernt. Wer die entsetzten Gesichter in diesem Film sieht, weiß daß diese echt und nicht gespielt sind. Die Antismeitischen Äußerungen sind geschmacklos.
Kunst hat seine Grenezen. Hier wurden diese deutlich überschritten.
bibsi 06.11.2006 20:52
hi leute
obwohl der film sehr viele geschmacklose witze bietet sollte man eben berücksichtigen das diese witze sich eigendlich nur über "unsere" vorurteile lustig machen. und ehrlich gesagt ich hab schon sehr lange nicht mehr über einen film so gelacht^^
gruß bibsi
BORAT FAN 12.11.2006 01:22
HAHAHAHAHHAHAHAHAHAH ich liebe diesen film er verarsch jeglich erandgruppen und minderheiten hahahahahahahahahahahahahaha betse vallah beste!
Sebastian Wendt 13.11.2006 12:52
Rassistisch und ohne jeden Tiefgang
Unter dem Deckmantel eines Journalisten ständig Witze auf Kosten von Minderheiten machen - das soll lustig oder subversiv sein? Spätestens bei der Szene, als Borat die Gastfreundschaft eines älteren jüdischen Ehepaares in den Dreck zieht und das Publikum durch antisemitische und andere rassistische Äußerungen zum lachen bringen will, ist klar: außer Geschmacklosigkeiten hat der Film nichts zu bieten, nach dem Motto: jetzt hat endlich der Mob auch etwas zu lachen. Abstoßend! - sonst nichts.
Moralapostel 17.11.2006 18:55
Borat – das Letzte
Wie überheblich muss man eigentlich sein, ein weitgehend unbekanntes Land wie Kasachstan in der Öffentlichkeit derart in den Dreck zu ziehen? Wäre der Film genauso lustig, wenn statt Kasachstan Deutschland oder ein anderes Land des alten Europas derart verunglimpft würde? Wie feige muss der Autor des Films eigentlich sein, sich ausgerechnet einen Kasachen auszusuchen?
Wirtschaftskraft hat bekanntlich nichts mit sexueller Perversität zu tun. Oder gibt es da neue Erkenntnisse.
Dieser Film gehört aus dem Kino genommen. Müsste man Diskriminierung bis zur Volksverhetzung nicht zensieren? Schonmal was von Menschrechten gehört? Wann übernehmen die Medien endlich mal Verantwortung anstelle sich hinter ihrer Pressefreiheit feige zu verstecken?
peter der griffin 20.11.2006 19:23
Wer die wirkliche Absicht vom Film, sofern es überhaupt eine gibt, verstanden hat wird nicht mehr sagen dieser Film sei sexistisch, rassistisch etc.
Natürlich wird Kasachstan sehr schlecht dargestellt, aber mal ernsthaft die Darstellung ist so übetrieben, das kein Mensch, der nicht total verblödet ist, den Film als authentischen Bericht über Kasachstan ansehen wird.
Borat darf man NICHT ernst nehmen. Wer in eine Komödie geht um dann alles Ernst zu nehmen versteht einfach nichts, sry...
Im Prinzip wird Kasachstan zwar als sehr "primitiv" und ungebildet dargestellt, aber keineswegs als schlechtes Land. Am Ende des Films kommt Borat von einer "schrecklichen" Reise aus den USA zurück und findet sich wieder in seiner Heimat, die er so wie sie ist (im Film wohlgemerkt)mag.
Und ja mir wäre es vollkommen egal wenn ein Land aus dem ich stamme in den Dreck gezogen würde in dieser Art und Weise. Ganz einfach weil es NICHT ernst ist
Trinitrotoluol 23.11.2006 23:16
Mal ganz im ernst:
Hört auf als so schlecht über den Film zu reden, bevor ihr überhaupt den Sinn von Borat verstanden habt...
Ich kann jedem nur empfehlen den Film zu sehen, da er erstens inhaltlich sehr wertvoll, und zweitens extrem lustig ist!
Nehmt doch auch nicht immer alles so ernst...
Kann fast gar nicht glauben, dass die ganzen Moralapostel hier überhaupt Spaß in ihrem spießigen Leben haben.
Ich fand den Film jedenfall extrem gelungen und werde ihn mir bestimmt noch mehrmals ansehen ;)
Gruss
Seiro
Peter 13.12.2006 14:57
Klasse Film! Fand den Film wirklich zum schreien. Teilweise recht stumpfsinniger Humor, aber Stumpfsinnig ist gut!
Sehr schön wie die Amerikaner auf die Schippe genommen werden! Bravo!
Walter Bürger 26.12.2006 22:17
Es war höchst interessant, was durch den Film über die Sitten und Gebräuche von Kasachstan zu erfahren war. Wir sollten uns öfter so intensiv mit den Ländern in Osteuropa beschäftigen. Durch das Betrachten des Filmes habe ich mir die Anschaffung von weitergehender Literatur über das urwüchsige Kasachstan erspart. Ein sehr guter Dokumentarfilm!
anna 16.01.2007 18:19
Zitat aus der Kritik: "Borat vereint so ziemlich alle Vorurteile und Klischees, die einem als westlichen Zuschauer beim Stichwort „ehemalige Sowjetrepublik“ und „Kaukasus“ einfallen können.!"
Kaukasus und Kasachstan ist nicht dasselbe!!!! Geographisch sowie kulturell liegen die beiden nicht nah. Also das stimmt wohl mit Vorurteilen und Klischees wie man merkt....
Alpha 10.02.2007 13:47
@ Anna: Volle Zustimmung. Der Verfasser der Kritik weiß selber gar nicht wo Kasachstan liegt und redet auch noch von Klischees. Zum besseren Verständnis: Kasachstan ist eine ehmalige Sowjetrepublik in Zentralasien.
Außerdem: Hammergeiler Film, und das mit Pam Anderson war das geilste was ich seit Jahren gesehn habe :) Einfach klasse
Not4u 19.04.2007 19:36
Schade das so viele den Film nicht verstehen...
niko 12.05.2007 20:38
der film ist echt enz geil aber in kasachstan ist es nicht so wie es dargestellt wird in kasachstan ist es enz geil da sieht es aus wue in deutschland aber den film haben sie in romenien gedreht
Shokan 01.12.2009 21:01
Seid ihr dumm oder was. Der Film ist der blödeste Film den ich kenne.
Der Regisseur und Hauptdarsteller zeigen sich wirklich dumm denn über dieses land wissen sie gar nichts. Brauche nicht mal Deutschlandsdd zu erwähnen mit Hitler un so über sowas kann man auch nicht lachen. Wollt ihr was über Kasachstan wissen seht euch lieber kasachische filme an die fast einen Oscar bekommen haben. Das sind echte filme Kasachstans.
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Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Borat
Originaltitel: Borat - Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan
USA 2006
Laufzeit: 82 Minuten
Regie: Larry Charles
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Peter Baynham, Dan Mazer
Produktion: Sacha Baron Cohen, Jay Roach
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Ken Davitian, Pamela Anderson
Kinostart: 02.11.2006
DVD-Angaben
Titel: Borat
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1), Russisch (DD 2.0/DS)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 80 Minuten
Extras: Kasachisches Warn-Polizeivideo; Trailer; Borat´s Baywatch (sexy drown watch); Unveröffentlichte Szenen; „Rodeo News-Report“; Featurettes zur „World-Promotions-Tour“; Borat Soundtrack
Verleih ab: 05.03.2007
Verkauf ab: 05.03.2007
Copyright Borat
Fotos: © 20th Century Fox
BERLINALE 2012

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