Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien

In der kahlen Weite Patagoniens versucht der arbeitslose Mechaniker Juan (Juan Villegas) in Würde ein Leben am Existenzminimum zu führen. Eine Dogge scheint den Ausweg aus seiner misslichen Lage zu versprechen.

Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien

Nach Historias mínimas (2002) dreht der Regisseur Carlos Sorin mit Bombón – El perro (El perro) ein weiteres Roadmovie, in dem ein Porträt der argentinischen Gesellschaft entworfen werden soll.

Der Mittfünfziger Juan (Juan Villegas), ein arbeitsloser Mechaniker, nimmt stillschweigend Erniedrigungen in Kauf, die der Alltag für ihn bereithält. Sei es ein herablassender Wachmann, den er wegen einer Bagatelle bestechen muss oder der Leiter einer Arbeitsagentur, der ihn spüren lässt, dass er sich auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Leiter befindet, stets muss sich Juan mit der Obrigkeit arrangieren.

Nicht zufällig erinnert Villegas’ Rolle an Umberto D., die titelgebende Figur in Vittorio De Sicas Film von 1951, in dem ein verarmter Rentner um ein Dasein in Würde kämpft. Sorin stellt alsbald seiner Hauptfigur einen Hund an die Seite, wie es bereits der Regisseur des Neorealismus getan hat. Jedoch ist die aggressive Dogge Bombón, im Gegensatz zum Hündchen Umbertos, alles andere als der beste Freund seines Besitzers. Erst als sich herausstellt, dass der teure Zuchthund mit Auftritten auf Hundeschauen nicht nur eine gesicherte Existenz, sondern auch Wohlstand bedeuten könnte, wird das Tier für Juan interessant.

Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien

Wie bereits die US-Komödie Best in Show (2001) nutzt auch Bombón Hundeschauen um ein Panoptikum von Skurrilitäten zu präsentieren. Die quietschbunte Veranstaltung ist dabei nicht nur Zweck zum grotesken Witz, sondern verdeutlicht im Kontrast zum ärmlichen Leben im trockenen, argentinischen Teil Patagoniens die Gegensätze einer Gesellschaft, in der ein extremes Gefälle von Arm und Reich besteht. Juan wird durch Bombón zum Grenzgänger, der sich als Fremdkörper in einer Umgebung des Wohlstandes bewegt.

Das konsequent durchformulierte Konzept der Gegenüberstellung sozialer Schichten als Anprangerung von Missständen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Film bisweilen eine Stil-Unsicherheit anhaftet. Allzu häufig greift Sorin auf Versatzstücke konventioneller Komödien zurück. So kommen insbesondere die gemeinsamen Szenen zwischen Juan und Bombón nicht über ein Niveau von Filmen wie Scott & Huutsch (Turner & Hootch, 1989) hinaus, deren oft vorhersehbaren komischen Momente darin bestehen, das Konfliktpotential des ungleichen Paares, Mann-Hund, mit Albernheiten gespickt, auszureizen. Angesiedelt zwischen Sozialdrama und Familienunterhaltung krankt der Film an seiner Unentschlossenheit, da es dem Regisseur nicht gelingt, diese unterschiedlichen Modi der Erzählung miteinander zu verknüpfen.

Eine Sensation hat der Film jedoch zu bieten: der Hauptdarsteller Juan Villegas, der es versteht durch Understatement zu glänzen. Eindrucksvoll transportiert er als Personifizierung des „kleinen Mannes“ die verletzliche Seite der Figur, die durch Perspektivlosigkeit zu verbittern droht. Eine bemerkenswerte Leistung des Laiendarstellers.

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