Blood Diamond

Der erbarmungslose Bürgerkrieg in Sierra Leone sowie der korrupte Handel mit sogenannten Blutdiamanten und Waffen dienen in Edward Zwicks neuem Film als Ausgangspunkt für aktionsreiche Spannung und aufklärerische Ambitionen.

Blood Diamond

Das zu Beginn des Films gezeigte morgendliche Idyll der Familie im landschaftlich atemberaubenden Afrika währt nicht lange. Bereits auf dem Rückweg von der Schule werden Vater und Sohn Opfer des Überfalls einer Rebellenarmee auf ihr Fischerdorf. Denjenigen, denen die Flucht misslingt, hackt man die Hände ab oder deportiert sie zum Arbeiten in die Diamantenminen. Sierra Leone ist im Bürgerkrieg, die Revolutionary United Front (RUF) kämpft gegen die wechselnden Regierungen des Landes und terrorisiert die Zivilbevölkerung durch buchstäbliche Abschlachtungen und Verschleppungen.

Mittels Handel mit sogenannten Blutdiamanten finanziert, dauerte jener Alptraum über 10 Jahre und kostete tausende von Menschen das Leben. Die von der Rebellenarmee brutal betriebene Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten sowie die stete Verstümmelung ihrer Gefangenen hinterließ 2002 ein traumatisiertes und bettelarmes Land, welches aufgrund seiner Bodenschätze tatsächlich zu den reichsten der Erde zählen könnte. Diese Fakten werden in Blood Diamond zum Anlass genommen, die Jagd des Ex-Söldners Danny Archer (Leonardo DiCaprio) und des Fischers Solomon Vandy (Djimon Hounsou) nach einem übergroßen, rosafarbenen Diamanten in den Wirren jenes Krieges zu erzählen.

Blood Diamond

Darstellungen, die das Leid Anderer zum Thema haben, sehen sich regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, sich an eben diesem zu bereichern. Ohne zugleich ins Normative verfallen zu wollen, stellt sich - wie vor zwei Jahren zu Hotel Ruanda - auch bei Blood Diamond die zeitlose Frage, welches die adäquate Art und Weise ist, solch reale Gräuel abzubilden und sie an den Rest der Welt zu vermitteln. Ist es allein dem dokumentarischen Film und der Berichterstattung vorbehalten, sich solchen Themen angemessen zu nähern, oder haben auch große Hollywoodproduktionen mit Starbesetzung die Eignung zu einer angebrachten Auseinandersetzung mit Krieg und Armut unserer Tage?

Blood Diamond

Blood Diamond ist ein Beispiel dafür, dass auch wirklichkeitsnahe Fiktion ihrem Gegenstand gerecht werden kann, ohne ihre Authentizität aus dokumentarischem Bildmaterial beziehen zu müssen: Die Unmenschlichkeit des Krieges erfährt in Zwicks Inszenierung eine evidente Darstellung, Blood Diamond stellt sich herrschenden Klischees auf vielen Seiten, lädt an den wesentlichen Stellen emotional nach und öffnet ferner seine Problematik auf einen globalen und zeitlosen Zusammenhang hin. Figurenführung wie der Verlauf der Geschichte brechen auf subtile Weisen mit ihren Stereotypen und Konventionen, so dass Blood Diamond trotz Staraufgebot und aktionsreichem Geschehen nie den angebrachten Respekt vor seinem Thema verliert und sein Genre zu gebrauchen weiß, um die Drastik der Lage Afrikas zur öffentlichen Diskussion zu bringen. Der Film erreicht eine öffentliche Wahrnehmung, von der engagierte Dokumentarfilmer wie Sorious Samura, der in seinem dokumentarischen Film Cry Freetown die Massaker der RUF zeigt, nur träumen können: Die sonst als verschwiegen berüchtigte Diamantenbranche reagierte auf den US-Start im Dezember mit einer hoch budgetierten Werbekampagne gegen einen befürchteten Imageverlust kurz vorm Weihnachtsgeschäft, was wiederum den Medien eine umfassende Debatte zur Verknüpfung von Krieg und Rohstoffhandel in Afrika wert war.

Blood Diamond

Edward Zwick setzt vor und nach dem Filmgeschehen eine anhand von Fakten aufklärerische sowie den Bezug zur Realität explizierende Klammer und schließt mit der Botschaft: „Es ist Sache des Kunden, darauf zu bestehen, dass Diamanten blutfrei sind.“ Sicher braucht wer mit offenen Augen durch die Welt geht und an dieser teilnimmt keinen Film wie Blood Diamond um über das herrschende Elend in Afrika und dessen Ausbeutung informiert zu werden. Aber Fakt ist auch, dass es dem Film mit seinem Konzept gelungen ist, jenes unerwünschte Thema für kurze Zeit ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu katapultieren. Ob und welche konkreten Konsequenzen er bezüglich des Edelsteinerwerbs nach sich ziehen wird, steht auf einem anderen Blatt geschrieben, wirft allerdings umgekehrt die Frage danach auf, ob das grundlegende Problem nicht schlicht die Ignoranz des Betrachters ist und bleibt, welcher nicht sehen und Verantwortung übernehmen will, egal, ob ihm Unrecht in schönen Farben oder per wackelnder Kamera vor Augen geführt wird.

Was dem Film Blood Diamond einzulösen gelingt, darauf scheint dessen Promotion jedoch allein nicht vertrauen zu wollen. Auffallend versucht der Verleih, seinem Produkt einen rundum politisch korrekten Anstrich zu geben und wirbt mit ökologisch wiederhergestellten Drehorten und karitativen Aktionen seitens der Filmcrew. Derart verbleibt am Ende der Eindruck, dass nicht nur die anrüchige Diamantenbranche etwas wieder wett zu machen versucht, sondern selbst die Macher von Blood Diamond an ihren Ambitionen zweifeln.

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Kommentare


Martin Z.

Edward Zwick hat ein ganz passables Drama über Blutdiamanten und Kindersoldaten abgeliefert. Es kracht oft und lange in diesem Streifen und Leo rennt unbeschadet durch Explosionen und Feuergefechte, ohne vorerst! ernsthaft verletzt zu werden. Man sieht das Chaos in Afrika, spürt die permanente Unsicherheit und erfährt etwas über die vielen Parteien, die hier viel Geld verdienen.
Die Botschaft des Films versucht die Realität wieder zu spiegeln : es wird immer so weiter gehen; daran lässt sich leider nichts ändern; die Kleinen bleiben auf der Strecke und die Großen machen sich nicht die Finger schmutzig, die sahnen nur kräftig ab. Und manche Kleine wie Leonardo di Caprio erliegen dann doch dem Trugschluss, sie seien die Größten. Ein insgesamt lohnender Blick auf Afrika, wenn auch durch die Hollywood-Brille etwas geschönt. Bis auf die überflüssige, herbe Love Story geht alles dann eigentlich doch viel zu glatt.






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