Blitz

Wo Statham draufsteht, ist manchmal Seltsames drin.

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Jason Statham ist ein Wanderer zwischen den Welten. Sowohl im englischen als auch im französischen und amerikanischen Kino gibt er den gestählten Leading Man. Er ist so omnipräsent und wenig wählerisch in seiner Stoffwahl, dass ihm schnell dieselbe Aufmerksamkeit wie einem absoluten Topstar entgegengebracht wird. Doch in Wirklichkeit ist Statham ein Schauspieler, der sich, egal wo, fast ausschließlich im Low-Budget- und B-Picture-Sektor tummelt. Was nichts daran ändert, dass einige seiner Filme – gemessen gerade an den günstigen Produktionskosten – enorm erfolgreich sind. Andere aber verschwinden so schnell von der Kinobildfläche, dass man sie schnell vergisst oder gar nie sieht. Insofern ist es nur auf den ersten Blick verwunderlich, dass Blitz, der Zweitling von Regisseur Elliott Lester, hierzulande als DVD-Premiere erscheint. Dasselbe Schicksal hatte den Copthriller auch in den USA ereilt. Was nicht ausschließlich mit einer sicherlich grundsätzlichen Skepsis gegenüber kontinentalen Genre-Produktionen zusammenhängt. Denn tatsächlich unterscheidet sich Blitz grundlegend nicht nur von der Transporter-Trilogie (2002-2008), sondern auch von den amerikanischen Produktionen wie Stallones The Expendables (2010) oder dem Bronson/Winner-Remake The Mechanic (2011) und von Stathams Guy-Ritchie-Wurzeln.

Auffällig zurückgenommen ist die Körperlichkeit des Akteurs und dadurch der Aktionen. Was, vorsichtig formuliert, weder Statham noch dem Film zugute kommt. Der Protagonist Tom Brant scheint eher dem Universum des Policier-Experten Olivier Marchal (MR 73) entliehen. Alkoholisiert und entwurzelt macht er als Freizeit-Vigilante von sich sprechen – was wieder auf amerikanische Vorbilder verweist – und ist dabei um keinen Einzeiler verlegen – was wiederum Stathams Persona geschuldet scheint.

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Die Widersprüchlichkeit der Hauptfigur wird aufgehoben in einem Setting, das Blitz ganz als englischen Film seiner Zeit markiert. Wie in zahlreichen Genrevertretern, beispielsweise Harry Brown (2009) mit Michael Caine, betont das englische Kino seine sozialrealistische Tradition gerne auch im Hauptstadt-Thriller. Es zieht die Filmemacher geradezu auf die Straße und in jene Viertel, die einst dem Kitchen-Sink-Cinema eine Heimat boten. Während sich das amerikanische Kino seit Giulianis Zeiten eine rigide Bronx-Kur auferlegt hat, gilt South London noch immer als filmischer Ort des polizeilich unkontrollierbaren Verbrechens. Doch wo es in den vergangenen Jahren gleich zwei Schauspielern (Gary Oldman mit Nil by Mouth, 1997 und jetzt Paddy Considine mit Tyrannosaur) in ihren Regiedebüts gelungen ist, dem Londoner Elend eine kinematografische Dimension abzugewinnen, die sich der Tradition von Ken Loach und Mike Leigh verschreibt, aber dennoch eine eigene erzählerische und ästhetische Kraft entwickelt , erlebt Lester noch stärker als Harry Brown-Kollege Daniel Barber ein künstlerisches Fiasko. Als wolle er alle Klischeevorurteile bestätigen, verliert sich der ehemalige Videoclipregisseur in seinem künstlichen Look. Während es ihm durchaus gelingt, einzelne Bilder zu kreieren, gerät ihm die Handlung der Literaturvorlage völlig aus den Fugen. Verschiedene Handlungsstränge stehen als Genrerepliken nebeneinander, genauso wie die Figuren, unter anderem ausgerechnet von Paddy Considine verkörpert. Dem gelingt es im Gegensatz zu Statham, sich mit seinem Schauspiel gegen das Umfeld des Films abzuschotten. Was nur zur Isolation seiner Figur im Handlungs-Nebeneinander beiträgt. Dasselbe lässt sich über Theater-Ikone Mark Rylance sagen, der hier einen seiner seltenen Kino-Auftritte zelebriert.

Dem globalen Phänomen Statham wird das egal sein. Schon ist er wieder auf der Leinwand als Teil einer Killer Elite zu sehen, der er auch in Stallones Sequel angehören wird. Außerhalb Londons. In Ihrem Kino.

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