Black Gold

Sex and crime in the Arabian world.

Black Gold 1

Zwei Stammesführer stehen sich in der sengenden Wüstensonne gegenüber. Für Amar, Sultan von Salmaah (Mark Strong) ist die Schlacht verloren. Widerwillig muss er Nesib, Emir von Hobeika (Antonio Banderas), seine Söhne übergeben, während sich Sanddünen ringsum erstrecken. Unwillkürlich stellen sich in den ersten Minuten von Black Gold bestimmte Assoziationen beim Zuschauer ein. Bei Jean-Jacques Annauds Wüstenepos bedarf es keiner überdurchschnittlichen Expertise, um dessen kinematografischen Paten auszumachen. Der Regisseur unternimmt den gewagten Versuch, an große Epen wie Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia, 1962) anzuschließen. Doch David Leans Klassiker besticht nicht nur durch opulente Bilder und Schlachten, sondern durch die tiefgründige Analyse seines Protagonisten. Das schürt große Erwartungen an Annauds Abenteuergeschichte.

An einer hochkarätigen Besetzung und einer konfliktbeladenen Story fehlt es Black Gold schon einmal nicht. Als texanische Erdölsucher auf ein großes Vorkommen im Gebiet des „Gelben Gürtels“ in Arabien stoßen und daraufhin in Hobeika, dem Sitz des Emirs Nesib, eintreffen, nutzt dieser die Gelegenheit, seinem Volk zu unendlichem Wohlstand zu verhelfen. Dummerweise wurde besagtes Territorium nach einem Krieg mit dem Sultan Amar zur freien Zone erklärt, die keiner Herrschermacht obliegt. Damit gerät Nesib in erneuten Streit mit dem traditionsbewussten Amar, bei dem der sensible Prinz Auda (Tahar Rahim) als Mittler fungieren soll. 

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Eine interessante Herangehensweise an die Thematik lässt Black Gold leider vermissen. Die Figuren bleiben marginal, eher darf man sich mit wohldosiertem Kitsch begnügen. Spätestens nachdem die jungen Jahre der beiden Prinzen in aller Schnelle abgearbeitet werden, wird klar, dass Annauds Bild der arabischen Welt der 1930er Jahre eine dem Exotismus frönende Klischeevorstellung ist. Das Massenwirksame steht hier stets im Vordergrund. Wenn die Alten mit dem Sultan über den Koran schwadronieren, seine Forderungen und Grundsätze kundtun, dann spult der Film nur sein Pflichtprogramm ab. In quietschbunten, akkurat ausgeleuchteten Schauplätzen wird eine zur Genüge durchgekaute, verklärte Romantik bedient. Prinz Auda und Prinzessin Leyla (Freida Pinto) sind von Anfang an füreinander bestimmt. Da finden gegenseitige Interessensbekundungen im sonnendurchfluteten Palastgarten zwischen Palmen statt, wie es in keiner Vorabendserie besser hätte ausgestellt werden können.

Immerhin, ein Haufen Stereotype, eine früh sich anbahnende Liebelei und ein opulentes Setting versprechen noch eine unterhaltsame Großproduktion. Annauds Faible für das Spektakuläre ist hier unverkennbar, doch leider gerät sein Film zum überambitionierten Möchtegern-Epos.

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In der zweiten Hälfte fährt Black Gold schwere Geschütze auf und lässt eine regelrechte Schlachtorgie mit allerlei Kampfgefährt und überbordenden Musikeinsätzen auf den Zuschauer los. Pausenlos löst ein Kampf den anderen ab, von wohlüberlegter Dramaturgie kann hier keine Rede mehr sein. Trotzdem müssen, so pathetisch überhöht es nur geht, der vermeintliche Tod des Protagonisten, das Ableben des Halbbruders und die Gefahr der Verführung durch die gerettete Stammesangehörige Aicha (Liya Kebede) noch schnell hineingefriemelt werden. Mit dieser allzu gewollten Dramatik zerrt der Film gehörig an den Nerven. Auch dass Prinz Auda und seine Mitstreiterin dabei aussehen wie Johnny Depp und Naomi Harris in der Fluch der Karibik-Reihe, trägt nicht dazu bei, den Film zu retten.

Etwas abgewinnen kann Black Gold wohl nur jemand, der sich gerne an unfreiwilliger Komik erfreut: Bei derartigem Hang zum Trash bleibt nicht viel mehr übrig. Dann lässt sich wenigstens ansatzweise verzeihen, dass man gerade geschlagene 130 Minuten für dumm verkauft werden sollte.

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Kommentare


Mike Deejay

Genau meine Meinung! Eine Aneinanderreihung von Schwachsinn!






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