Black Dynamite

In einer Zeit da Gangster und korrupte Cops die Stadt terrorisieren und selbst Waisenhäuser im Drogensumpf versinken, nimmt ein Mann das Gesetz in seine Hände: Black Dynamite - He‘s a bad-ass!

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In den letzten Jahren strömten einige Parodien und Spoof-Comedies auf den Markt, in denen sich zunehmend eine uninspirierte Grundhaltung ausdrückte. So trieb die oberflächliche Persiflage, ohne Interesse für das persiflierte Genre, nicht zuletzt die Scary-Movie-Franchise (2000-2006) in die Bedeutungslosigkeit. Black Dynamite dagegen ist mehr,  eine Hommage an das Blaxpoitation-Kino.
Wo viele Spoof-Comedies mindestens rudimentäre Kenntnisse des durch den filmischen Fleischwolf gedrehten Genres voraussetzen, funktioniert Black Dynamite für seine Zuschauer schon alleine über den Hauptdarsteller und Co-Drehbuchautor Michael Jai White (Spawn, 1997). Der extrem physisch agierende White scheint mit seiner Mimik die genretypischen Zooms regelrecht zu provozieren. Dem Kampfkunst-Experten, der für den Film auch gleich einige Freunde aus dem Fitnessstudio engagierte, strömt die Begeisterung für seinen Charakter aus jeder Pore.

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Ob die feministische Filmtheorie diese Begeisterung teilen würde ist zweifelhaft. Handelt es sich bei Black Dynamite doch um einen ausgesprochenen Frauenhelden, der dabei aber nicht gerade zimperlich ist und auch schon mal „Pimpslaps“ an die First Lady (Nicole Sullivan) verteilt. Nichtsdestotrotz verteidigt der Ex-CIA-Agent und Vietnamkriegs-Veteran seine Community gegen Dealer, die sein Viertel mit Drogen vergiften, und stellt sich einer Regierungsverschwörung entgegen, die noch Schlimmeres im Schilde führt. Sieht man davon ab, dass die Handlung zu Gunsten des Klamauk-Konzeptes aus Kung-Fu, Schießereien und „bad-ass“-Sprüchen zur Nebensache wird, verschreibt sich Black Dynamite dem klassischen Blaxploitation-Plot.

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Dieser wurde bereits Ende der 1960er Jahre entwickelt, innerhalb eines Kinos,  das afroamerikanischen Schauspielern eine Plattform bot. Als Genre etablierte sich die Blaxploitation-Bewegung schließlich im Zuge von Melvin Van Peebles Sweet Sweetback‘s Badaaasss Song (1971). Dessen Titel-Antiheld wird unfreiwillig zum Polizistenmörder, kann sich aber dank seines Geschicks und der Unterstützung seiner Community nach Mexiko absetzen. Die Story fängt Van Peebles mit verwackelter Handkamera ein, was Regisseur Scott Sanders für Black Dynamite adaptiert.
Ob rassistisch geprägte Vorstellungen über die Manneskraft der afroamerikanischen Bevölkerung oder die Darstellung fetter, weißer, korrupter Cops - die Klischees werden bei Sanders ebenfalls ganz im Sinne des Blaxploitation-Großmeisters ironisch ins Gegenteil gekehrt.


Ein weiterer Grundstein, den Sweet Sweetback‘s Badaaasss Song legte, ist der für spätere Produktionen typische Soundtrack aus Breakbeat- und Oldschool-Funk-Patterns. Bei Black Dynamite nimmt das wiederkehrende „Dynomite“-Thema eine die Handlung strukturierende Funktion ein und setzt in der Interaktion mit Kamera und Hauptdarsteller dramaturgische Akzente. Überdies finden in den Songtexten des Soundtracks die zum Teil an Spoken-Word-Lyrik erinnernden Monologe auf absurd-komische Weise ihre Dopplung.

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Sanders lässt die genretypischen Stilelemente wie Splitscreen und Freezeframe aufleben, tatsächlich sind es aber gerade die vermeintlichen Filmfehler, die in Black Dynamite bis zum Exzess zelebriert werden. Eine ins Bild hängende Tonangel oder Zigaretten, die „geraucht“ werden, ohne dass man sie zuvor angezündet hätte, zitieren das Fehler-Mantra des Low-Budget-Films. Die prekären Bedingungen für die Postproduktion früherer Werke werden bei Sanders sympathischerweise zum Stilmittel des Genres erhoben.


Der Anspruch, dem Zuschauer möglichst umfassend das Blaxploitation-Universum näher zu bringen, sorgt zwar für einige Längen gegen Ende des Films. Trotzdem bietet Black Dynamite nicht nur im Sinne einer Parodie eine nahezu vollständige Auseinandersetzung mit dem Genre. Ob nun Dynamite wie einst Shaft gemeinsam mit der Black Panther Organisation kämpft oder mit einem gezielten Schuss ein Flugzeug zum Absturz bringt (bei Shaft war es ein Hubschrauber), der Film-Nerd Sanders scheint das Genre studiert zu haben. Für ein Sequel könnte er sich durchaus vorstellen, im Sinne von John Guillermins Shaft in Afrika (1973) Black Dynamite auf Reisen zu schicken, oder gar „Alien-Nazis“ zu thematisieren.  Dass dies  wie bei Guillermin zu einer weiteren Verstärkung des Trash-Anteils führt ,mag man sich zwar kaum vorstellen, eine mögliche Black-Dynamite-Reihe hingegen schon.

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