Black Christmas

Ausgerechnet an Weihnachten geht das Böse in einem Studentenwohnheim für Mädchen um. Black Christmas ist das unambitionierte Remake eines Horrorfilmklassikers aus dem Jahr 1974.

Black Christmas

Selten fand der Horrorfilm in der amerikanischen Gesellschaft so viel Resonanz wie in den siebziger Jahren. Filme wie Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) oder Dawn of the Dead (1978) zogen nicht nur zahllose Fortsetzungen, Rip-offs und Remakes nach sich, sie entwickelten sich auch rasch zu Kultfilmen, auf die die Popkultur in den letzten Jahrzehnten wieder und wieder rekurrierte. Vor allem jedoch drang in diesem Jahrzehnt die soziale Wirklichkeit in die Filme selbst ein. War das Genre vorher von exotischen Klischees und Fantasiemonstern durchzogen, fielen nun die Zurückgelassenen und Vergessenen der eigenen Gesellschaft über ganz normale Kleinstädter her.

Die derzeitige Renaissance des Horrorkinos stützt sich zu einem großen Teil auf Remakes dieser Klassiker. Nachdem dieses Jahr bereits Neukontextualisierungen von John Carpenters The Fog – Der Nebel des Grauens (The Fog, 1980) Richard Donners Omen (1976) und Wes Cravens Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes, 1978) die deutschen Kinos erreichten, folgt nun die neue Version einer kanadischen Produktion aus dem Jahr 1974. Auch Bob Clarks Black Christmas, einer der besten Horrorfilme dieser Epoche, zeichnete sich – abgesehen von seiner hervorragenden technischen Gestaltung – vor allem dadurch aus, dass sich die Lebenswirklichkeit der siebziger Jahre in jede Szene des Werks einschrieb. Black Christmas war in einem Milieu situiert, das durch die gesellschaftlichen Umwälzungen des vorangegangenen Jahrzehnts, allen voran die sexuelle Revolution, geprägt wurde. Das Grauen, das über die Gemeinschaft hereinbrach, stellte zwar keine plumpe politische Parabel dar, wurde jedoch deutlich als Materialisation gesellschaftlicher Konflikte gekennzeichnet. Glen Morgans Remake dagegen folgt einer ganz anderen Logik.

Black Christmas

Der Film übernimmt die Ausgangssituation des Originals: Eine Gruppe von Studentinnen verbringt Weihnachten gemeinsam mit der Herbergsmutter Barbara MacHenry (Andrea Martin) in ihrem Wohnheim. Eines Tages werden die jungen Frauen von mysteriösen Anrufen terrorisiert, und bald fließt das erste Blut. Hier enden jedoch bereits die Gemeinsamkeiten der beiden Filme. Clark versieht die Handlung mit einer um einiges ausführlicheren Hintergrundgeschichte um den Psychopathen Billy Lenz (Robert Mann), der in dem Wohnheim einst seine Familie umbrachte.

Die gleichzeitig ironisch und extrem blutig umgesetzten Rückblenden, die Billys Lebensgeschichte erzählen, gehören zu den gelungensten Sequenzen des Remakes. In diesen kurzen Abschnitten funktioniert Black Christmas als Splatterkomödie recht gut. Als Ganzes betrachtet macht der Film jedoch leider den Eindruck, als sei der gesamte Ehrgeiz der Regie in die Gestaltung dieser wenigen Szenen geflossen. Insgesamt kommt Morgans Film vor allem aufgrund der unambitionierten technischen Umsetzung über das Genremittelmaß nie hinaus. Bis in die einzelnen Kameraeinstellungen hinein wird jedes auch noch so ausgeleierte Klischee eingesetzt, die meist extrem hektische Montage lässt dem Grauen nie genug Platz und erstickt den Film mit einer Masse von Schockmomenten. An dem äußerst mäßigen Gesamteindruck kann auch die verhältnismäßig explizite Gewaltdarstellung, die vor allem das letzte Filmdrittel prägt, nichts ändern. Im Gegenteil: Gerade wenn es ans Eingemachte geht, bleibt Black Christmas tendenziell einfältig, die Splattersequenzen unterscheiden sich kaum voneinander, und auch das Herausreißen eines Augapfels verliert spätestens nach der zweiten Wiederholung seine Wirkung.

Black Christmas

Die politische Haltung des Films ist von einer bedingungslosen Konsumideologie geprägt. Während der Vorgänger sich noch ausgiebig damit beschäftigte, Weihnachten als gesellschaftliches Ritual zu dekonstruieren, ist dies in der neuen Version nicht mehr notwendig. Weihnachten als Ware: Das Fest besteht nur noch aus buchhalterischem Geschenkeaustausch und grell beleuchtetem Neonschmuck. Die Versuche, mit ein paar Dialogzeilen im Stil von „Fuck Christmas“ zu schockieren, sind unter dieser Voraussetzung von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da sie auf die inhaltliche Leere eines Films treffen, der sich darauf beschränkt, die Eliminierungsstruktur des Slasherfilms mehr schlecht als recht zu reproduzieren.

Der Rest ist kühle Profitmaximierung, die auf gespenstische Weise an die geschäftsmäßige Abwicklung des Weihnachtsfests im Film selbst erinnert: Der Streifen, an dessen Produktion unter anderem James Wong, der Regisseur der kommerziell erfolgreichen und technisch deutlich versierteren Genrebeiträge Final Destination (2000) sowie Final Destination 3 (2006) beteiligt war, ist letzten Endes nicht mehr als der Versuch, mit einem höchstens zweitklassigen Horrorfilm, der nur aufgrund seiner Thematik und dem damit verbundenen günstigen Starttermin vor einer Direct-To-DVD-Premiere bewahrt wird, kurz vor Weihnachten ein paar schnelle Euros zu verdienen. Black Christmas lässt die marktökonomische Basis des Filmgeschehens so deutlich zu Tage treten wie nur wenige andere Produktionen der letzten Zeit.

Trailer zu „Black Christmas“


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Kommentare


blah

blubberblase


mausi

find den film echt dumm...
gibt viel bessere horrosfilme!!!


Cr@zyB@by

Also ich find es is einer der BESTEN Horrorfilmen aller Zeiten!!!! Ich find ihn super...aber ja jeder hat seine eigene Meinung






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