Bierfest

Aus der adoleszenten Faszination am Kampftrinken haben Broken Lizard (Super Troopers, 2001; Club Mad, Club Dread, 2004) einen Film gemacht, der sich in mal mehr, mal weniger lustigen Geschmacklosigkeiten suhlt.

Bierfest

Die Warnung am Beginn kommt nicht von ungefähr: „Machen Sie das nicht zu Hause nach. Wenn Sie so viel trinken, werden Sie sterben.“ Das Wort „trinken“ ist dabei ein viel zu vornehmer Ausdruck für das, was in Bierfest passiert. Es wird gesoffen, was das Zeug hält.

Der Film der amerikanischen Komikertruppe „Broken Lizard“ ist mit erstaunlichem Fingerspitzengefühl dem Humor von betrunkenen Halbwüchsigen angepasst, was möglicherweise eine einfühlsame Leistung ist. Einer der Charaktere heißt Herr Schniedelwichsen. Es ist tatsächlich diese Art von Witz. Selbst mit benebeltem Blick lässt sich immer noch klar sagen, was genau an welcher Szene lustig sein soll. Da ist zum Beispiel der ehemalige Kumpel, der jetzt auf dem Schwulenstrich arbeitet; da ist die alte Großmutter, die auf obszöne Weise mit einem Würstchen hantiert; da ist der jüdische Wissenschaftler, der einem Frosch sexuelle Erleichterung verschafft, samt gut sichtbarem Ergebnis; da ist der One-Night-Stand mit einer hässlichen, dicken Schwarzen. Politische Korrektheit ist gewiss nicht das Markenzeichen der aus einer studentischen Spaßmacher-Gang hervorgegangenen „Lizards“.

Bierfest

Die Handlung, die all das zusammenhält, geht so: Die amerikanischen Brüder Todd (Erik Stolhanske) und Jan Wolfhouse (Paul Soter) kommen nach München, um die Asche ihres Großvaters auf dem Oktoberfest zu verstreuen. Dabei geraten sie in ein absolut geheimes, in dunklen Gemäuern verstecktes Bierfest: eine Art Olympiade der Kampftrinker, ausgetragen unter den Nationen der Welt. Dort werden sie von ihren deutschen Cousins und ihrem Onkel (Jürgen Prochnow) aufs übelste beleidigt und dann auch noch unter den Tisch getrunken. Bei der Feindschaft zwischen den beiden Zweigen der Sippe geht es um ein angeblich gestohlenes Bierrezept.

Zurück in den USA, trainieren die Brüder ein ganzes Jahr lang, um bei ihrer Rückkehr gegen die Deutschen zu siegen. Dafür stellen sie eine Mannschaft von trinkfesten Individualisten zusammen. Diese werden natürlich von den fünf Mitgliedern der Broken-Lizard-Truppe gespielt, darunter Jay Chandrasekhar, der erneut auch die Regie übernommen hat, und Kevin Heffernan, dessen Rolle den sprechenden Namen „Schluckspecht“ trägt. Dass die Rekrutierungsphase der berühmten und oft kopierten Sequenz aus Kurosawas Die sieben Samurai (Shichinin no samurai, 1954) nachempfunden ist, stellt nur einen Teil der zahlreichen Anspielungen auf die Filmgeschichte dar, mit der hier auf ähnlich unverschämt direkte Weise umgegangen wird wie in Die nackte Kanone (The Naked Gun: From the Files of Police Squad!, 1988). Die Ikonographie des amerikanischen Sportfilms spielt ebenso eine Rolle wie jedem Zusammenhang entbehrende Zitate aus Horrorfilmen. Das Trainingscamp der Deutschen sieht aus wie das der Sowjets in Rocky IV (1985), und weil Jürgen Prochnow dabei ist, gibt es eine Szene, die in einem U-Boot spielt. Als „Das Boot“ wird übrigens auch der Stiefel bezeichnet, aus dem beim Wettkampf getrunken werden muss.

Bierfest

Bierfest ist vermutlich der erste amerikanische Film seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die Deutschen wieder durch und durch böse sind. Das ist es jedoch nicht, was ein deutsches Publikum daran stören dürfte. Problematisch ist vielmehr die Synchronisation, die zu absurden Verhältnissen führt. Die amerikanischen Brüder reden hochdeutsch, ihre seit Jahrzehnten in den USA lebende Großmutter bayerisch (statt, wie im Original, englisch mit starkem deutschen Akzent), ebenso wie ihre in Deutschland lebenden Cousins. Der Münchner Onkel wiederum spricht aus unerfindlichen Gründen auch hochdeutsch, und die Engländer, die ebenfalls am Bierfest teilnehmen, geben ein deutsches Kauderwelsch mit übertriebenem englischen Akzent von sich. Der Witz, der in dem Spiel mit unterschiedlichen Ausformungen des Englischen liegt, geht dabei völlig verloren. Die subtile Andeutung, die in einem Namen wie Schniedelwichsen steckt, dürfte wiederum dem amerikanischen Publikum verborgen bleiben.

Die vollkommen absichtliche Geschmacklosigkeit des Films ist dennoch durchaus gekonnt in Szene gesetzt, und möglicherweise wird Bierfest mit zunehmendem eigenen Alkoholgenuss besser. Aber, wie gesagt, Vorsicht: Wenn Sie so viel trinken, werden Sie sterben.

 

Kommentare


Alk vernichter

voll der geile film müsst ihr rein gehen!!


Liquid_Bread

Der Film ist echt hammergeil (besonders für Bierliebhaber).
Was natürlich klar war (da es ja ein amerikanischer Film ist^^) ist das die Ammis am Ende gewinnen. Sonst echt ein cooler Film.


Hans_Peter

Der Beste Film überhaupt - ein Muss für Bierliebhaber und Leute die das dumm sein perfektioniert haben.






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