Being Julia

István Szabó präsentiert seine zweite Komödie. Nach dem Zauber der Venus (Meeting Venus, 1991) lässt er uns nun dem Zauber Julias verfallen – und dies in einem phantastischen Film!

Being Julia

Eine Binsenweisheit der Theaterwelt besagt, dass es in der Theaterliteratur für Schauspielerinnen nur gute Rollen gibt, solange diese jung sind – oder sehr alt. Daran hat sich immer noch nicht allzu viel geändert. Vierzig-, Fünfzigjährige werden meist auf Mitte Zwanzig oder Ende Achtzig geschminkt. Was aber macht eine Schauspielerin, die, wie man uncharmant sagen könnte, „in die Jahre kommt“? Im Leben kann sie sich mit einem jungen Liebhaber verjüngen – aber auf der Bühne?

An diesem Punkt ihres Lebens steht auch Julia Lambert (Annette Bening), die gefeierte Theaterdiva eines Londoner Theaters Ende der dreißiger Jahre. Die 46-jährige fühlt sich ausgelaugt und überarbeitet. Als sie ihren Mann, den Theaterleiter Michael Gosselyn (Jeremy Irons), um eine längere Pause bittet, sieht der zunächst die finanziellen Ausfälle, denn schließlich füllt der Star allabendlich das Haus. Lange muss er sich darum aber nicht sorgen. Nur ein paar Tage später – er hat das Haus eigentlich schon an einen Zirkus vermietet – ist Julia wieder spielwütig wie eine Schauspielschülerin! Von einer Pause will sie nichts mehr wissen. Gosselyn freut das – aber er kennt nicht den Ursprung von Julias neuerlichem Enthusiasmus. Dieser ist nämlich ein junger, ein sehr junger Mann: der Amerikaner Tom Fennel (Shaun Evans). Kaum älter als der Sohn der Diva hat er sich im Kopf, im Herz und – dies vor allem – im Bett der Dame breit gemacht. Bald bemerkt Julia aber, dass sich Tom nicht nur recht gern von ihr, der reichen Schauspielerin, aushalten lässt, sondern dass er ihr auch schnell eine andere Frau vorzieht. Avice Crichton (Lucy Punch) ist auch Schauspielerin – die etwas unbedarfte Blondine ist aber vor allem viel, viel jünger.

Being Julia

Dieser Stoff scheint nicht gerade ideal für einen Regisseur wie István Szabó, der sich in erster Linie mit politischen Filmen (allen voran Mephisto, 1980) einen Namen machte. Er hat sich hier als der Meister leiser Töne bewährt, bleibt diesem Stil aber auch bei der Inszenierung seiner Komödien treu. Schon in Zauber der Venus (Meeting Venus, 1991) war zu sehen, wie auf elegante, fast unspektakuläre Weise eine Komödie entstehen kann, die ganz spielerisch noch Themen einzubinden vermag, die sich eigentlich nur schwer für eine Komödie eignen. War dies in Zauber der Venus ein so dezidiert politisches Thema wie der sich neu gestaltende „Ostblock“, sehen wir als Zentrum von Being Julia die Entwicklung einer Frau, an deren Ende sie sich in einem wahren Akt von souveräner Selbstbehauptung gegen alles stemmen wird, das ihr bis dahin im Wege stand.

Annette Bening füllt diese Julia mit soviel Leben und Energie, dass neben ihr alle anderen Rollen zu Nebenrollen eindampfen. Das soll auch so sein, gelingt aber eben auch nur, weil sie diese alternde Diva immer so spielt, dass wir als Zuschauer nur noch Sympathie empfinden können und uns mit ihr gegen ihre Sorgen stellen wollen. Man spürt, besonders in den Szenen mit Jeremy Irons, wie viel von ihrer Energie sich noch in den anderen Figuren spiegelt. Irons ist der distinguierte Brite par excellence und spielt diese Rolle auch hier wieder – aber anders, selbstironischer, komischer. Es verblüfft zu sehen, dass dieser große Charakterdarsteller an einer Shakespeare-Rolle gerade deshalb fast gescheitert ist (The Merchant of Venice, 2004), weil er zuviel in ihr interpretiert – und hier als Komödiant wieder zu einer Zurückhaltung findet, die in jedem Moment überzeugt.

Being Julia

Szabós Film beruht auf einem Roman W. Somerset Maughams, der sein Thema im Titel trug: Theatre (1937). Auch im Film steht das Theater im Mittelpunkt, hier ist die Bühne das Leben und das Leben eine Bühne. Der alte Schauspiellehrer Julia Lamberts, der längst verstorbene, aber ihr als guter Geist und ständiger Wegbegleiter immer wieder erscheinende Jimmie Langton (Michael Gambon) sagt es auch gleich zu Beginn des Filmes ganz direkt in die Kamera: „Das Theater ist die einzige Wirklichkeit!“ Und so ließe sich dem Film vielleicht vorwerfen, dass auch er sich seine eigene Kunstwelt erschafft und die Außenwelt weitgehend negiert. Allerdings ist genau dies ein weiteres Thema des Filmes. Julia erschafft sich in der Tat eine neue, eigene Wirklichkeit – ihr Sohn sagt es ihr einmal mitten ins Gesicht: „Du gibst jedem eine Vorstellung. Ich glaube Du existierst gar nicht!“ Aber gerade in der Art, wie Szabó noch dieses Problem in einen komischen Gesamtzusammenhang einzubinden vermag, ohne ihm die Schärfe zu nehmen, hebt seinen Film weit über sonstige Komödien hinaus.

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Kommentare


wolfgang kübel

Ein belangloser Plot, superbrav bis langweilig inszeniert: Man weiß immer schon, was als nächstes passiern wird. Dazu viele Ärgerlichkeiten und Schlampigkeiten im Drehbuch - etwa die Figur des im Internat lebenden Sohns, der als Deus ex Machina bei Handlungsstillstand versucht wird, die Dramaturgie wieder zu Beatmen.
Sehr enttäuschend für einen der Regie-Größen wie Szabo.






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