Beim Leben meiner Schwester

Wie weit darf man gehen, um ein Leben zu retten? Cameron Diaz spielt eine kämpferisch-verbissene Mutter, die ihr todkrankes Kind nicht loslassen will.

Beim Leben meiner Schwester

Die schlimmen Schicksale, hier treten sie im Rudel auf. Kate (Sofia Vassilieva) hat Leukämie, ihre Schwester Anna (Abigail Breslin, die Kleine aus Little Miss Sunshine, 2006) wurde, durch künstliche Befruchtung, nur aus dem Grund gezeugt, Kates Leben retten zu können: als Ersatzteillager, wenn man es so harsch ausdrücken will. Anna verklagt ihre Eltern auf medizinische Selbstbestimmung, weil sie ihre Niere nicht hergeben mag. Die Richterin (Joan Cusack), die den Prozess verhandelt – hier kommt das zweite Schicksal –, hat kürzlich eine Tochter verloren, bei einem Autounfall. Und, Schicksal Nummer drei, Annas Anwalt (Alec Baldwin in einer seiner Standardrollen als wichtiger Mann hinter einem großen Schreibtisch) ist selbst nicht Herr über seinen eigenen Körper: Er leidet unter Epilepsie.

So viel muss verraten werden, um zu zeigen, wie wenig Regisseur Nick Cassavetes sich auf das emotionale Potenzial des Stoffes verlässt und stattdessen immer wieder neue redundante Schichten von schwach gestalteter Melodramatik einzieht. Beim Leben meiner Schwester (My Sister’s Keeper) ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Jodi Picoult. Aber obwohl er völlig anders endet – im Buch stirbt Anna bei einem Unfall, nachdem sie den Prozess gewonnen hat, ihre Organe werden Kate eingepflanzt, die nun überleben kann – bleibt er unter den Händen von Cassavetes (Wie ein einziger Tag, The Notebook, 2004) ein allzu simples Rührstück.

Beim Leben meiner Schwester

Beim Leben meiner Schwester wirft zwar interessante Fragen über körperliche Selbstbestimmung und die Möglichkeiten neuer medizinischer Verfahren wie der (in Deutschland nicht erlaubten) Präimplantationsdiagnostik auf, kratzt also an Problemen von Ethik und Wissenschaft, von Möglichkeit und Verbot – verfolgt sie aber nicht weiter. Der Film will nicht das Tabu, sondern die Tränen. Was manchmal auch klappt, schließlich ist es eine traurige Geschichte, und Cassavetes weiß ganz genau, welche Knöpfe er drücken muss. Oft aber wird eine Szene einfach nur so lange ausgedehnt, bis es wirklich zum Weinen ist: Eine Sequenz am Strand mit der noch einmal glücklich vereinten Familie schneidet ein lachendes Gesicht hinter das nächste, einen verständnisvollen Blick neben den anderen, eine Einstellung des Sonnenuntergangs über die folgende; selbst für einen Lebensversicherungs-Werbespot wäre das zu viel.

Beim Leben meiner Schwester

Diese Familie umfasst neben den beiden Schwestern und einem Bruder noch die gegen ihren Typ besetzte Cameron Diaz als Matriarchin an der Grenze zwischen kompromisslosem Mutterinstinkt und verzweifelter Hysterie und den von Jason Patric gespielten Ehemann, einen eher ausgeglichenen Typen, der von der Willenskraft seiner Frau zur Passivität verurteilt ist. Diaz hat ihre komödiantische Persona vollkommen abgelegt und gibt eine Vorstellung von verhärmter Verzweiflung, die, wenn überhaupt an irgendetwas aus ihrer bisherigen Karriere, an ihren Auftritt als zurückgewiesene Geliebte in Vanilla Sky (2001) erinnert. Man ist nicht sicher, ob man diesem so offenen Gesicht, das man vor allem aus lachenden Rollen in Erinnerung behalten hat, einen solchen Charakter abnimmt.

Man würde es vielleicht tun, wenn sie besser in Szene gesetzt wäre. Aber die Bildgestaltung besteht vor allem aus Gesichtern in Großaufnahme vor unscharfem Hintergrund und dem ewig sich wiederholenden Blick der besorgten Eltern auf das kranke Kind. Dazu werden traurige Songs zu Gitarre oder Klavier gespielt. Die Handlung besteht im Wesentlichen aus länglichen Rückblenden, in denen es um der kranken Kate erste Liebe geht, das erste Ballkleid oder den ersten Sex. Mit einem jungen Mann, den sie im Krankenhaus kennenlernt, und der – Schicksal Nummer vier – tags darauf an Krebs stirbt.

Beim Leben meiner Schwester

Wie schon in Alpha Dog (2006) setzt Cassavetes Schriftzüge ein, durch die jede Person bei ihrem Eintritt in die Geschichte kurz vorgestellt wird. Dazu gibt es einen Off-Kommentar von abwechselnd fast allen beteiligten Personen. Statt aber die vermutlich erhoffte Synthese aus klassischer Hollywood-Erzähltradition und Stilmitteln des Independentkinos zu erzeugen, entsteht eine merkwürdige Diskrepanz zwischen dieser vorgeblich dokumentarisch-multiperspektivischen Struktur und den manipulativen filmischen Mitteln.

Gegen selbige ist ja nichts zu sagen, wenn sie geschickt und einfallsreich eingesetzt werden. Einem guten Melodrama schenkt man seine Tränen gern. Von einem schlechten aber fühlt man sich um die eigenen Gefühle betrogen.

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Kommentare


dana

Ich finde es schlimm das so ein tolles buch verfilt wird.Dabei verliert mann doch das was Bücher ausmacht: seine EIGENE Fantsie!!!!!


Anne

Ich habe diesen Film im Kino geguckt. Gabei habe ich sogar ein bisschen geweint, denn es tat mir schon leid wie es dem krebskranken Mädchen und deren Famiele ging. Ich bin froh, dass so etwas in meiner eigenen Familie noch nicht vor gekommen ist, was ja nicht heißt, dass es niemals vorkommen wird.
Nun habe ich mir auch das Buch,, Beim Leben meiner Schwester gekauft" aber habe es noch nicht durchgelesen bin aber gespannt wie es geschrieben wurde.


Malli

ich finde das buch einfach klasse. es ist so schön geschrieben! klar kann man so ein klasse buch nicht so verfilmen wie es geschrieben wird. aber warum muss man die ganze geschichte verfuschen und das ende anders machen?
ich saß im Kino und konnte es einfach nicht fassen. Alle um mich herum haben geheult nur ich war völlig fassungslos... Ich finde das ende wie es ich buch ist viel trauriger und auch verdammt wichtig für die Geschichte....


dani

eigentlich wollten sich meine freundin und ich den film im kino anschauen, aber irgendwie ist es dazu nicht gekommen und im kino haben sie ihn nicht mehr gespielt... =/ weil ich aber umbedingt wissen wollte, ob der film gut ist, hab ich einfach das buch gelesen und es ist T.O.L.L ! es ist wirklich total spannend geschrieben und ich fand es sehr gut. weil ich den film aber auch noch sehen wollte, hab ich mir später die DVD gekauft und ich muss sagen: ich bin total enttäuscht ! das ende ist anders und die personen hab ich mir ( da können natürlich die schauspieler nix dafür ) ganz anders vorgestellt ! das war total blöd... und ich denk mir: was denkt sich der regisseur dabei ? der kann doch nicht einfach das ende neu erfinden !?
aber auf jeden fall bin ich froh, dass ich dieses spannende buch gelesen und erst später den film gesehen hab ! naja... manchmal sind die bücher einfach besser... =)


Julia

dani, du hast geschrieben, dass du zuerst das Buch gelesen hast, und damals noch nicht gewusst hast, wie diese Personen aussehen...Doch auf dem Titelbild des Buches ist die Mutter mit ihren Töchtern abgebildet. Man kann sagen, dass das Titelbild des Buches daselbe ist, wie auf der DVD! Meinst du etwa ein anderes Buch, das so heisst, aber von derselben Person geschrieben wurde, da es mehrere Bücher von ihr gibt, die "Beim Leben meiner Schwetser heissen". Kannst du das Titelbild deines Buches bitte beschreiben, denn ich möchte unbedingt das originale und beste Buch kaufen, und so wie du schreibst, muss deines sehr, sehr gut sein! Meint ihr alle das Buch zu Film, die hier schon geschrieben haben. Vor allem: Hast du das Buch zum Film...aber du hast ja wiederum geschriueben, du hst dir die Personen anders vorgestellt. Dann kann es nicht das Buch direkt zum Film sein, denn dieses hat das Filmcover als Titelbuld...Ich wäre sehr froh über deine Antwort! LG Julia


Irina

Also ich habe das Buch nicht gelesen, sondern nur den Film gesehen.
Und ich glaube wenn man das Buch nicht gelesen hat, hat man auch nicht so spezielle Erwartungen an den Film, weil man noch gar nichts über die Personen beziehungsweise das Ende weiß.
Ich persönlich hab schon in der ersten Stunde Rotz und Wasser geheult. Mag sein, dass der Film wie in der Kritik beschrieben manchmal keine gute Bildgestaltung aufweist oder so.. aber ich bin fasziniert von den Schauspieler und vor allem auch von Cameron Diaz. Ich finde es sehr sehr realistisch gemacht wie sie um das Leben ihres Kindes kämpft und bis zum letzten Moment nicht loslassen kann. Mich hat dieser Film wahnsinnig gefesslt und ich finde ihn um so viel besser als die meisten solcher Kitch Filme!! Eine der schönsten Szenen finde ich wie Taylor bei Kate sitz und ihr die Haare zurück hält während sie Chemo bekommt und wie sie sich kennen lenrne.. den Schauspieler von Taylor ist der Wahnsinn! Ich finde es sehr sehr realitätsnah wie Cameron Diaz nie die Hoffnung verliert und bis zum schluss verbissen kämpft. Ich hab sleber während meines Medizinstudiums mal auf einer Kinderkrebsstation mal ein Praktikum gemacht und ich kann nur sagen, es ist sehr sehr realistisch , auch wie sich die Mutter die Haare abrasiert und fast ihre ganze Tasche ausleert als sei Taylor einen Stift geben will um Kates Telefonnummer aufzuschreiben..und ich kann nur sagen ich hab so krass geweint die ganze Zeit.. WAHNSINNS FILM


Mila

Auf 'Beim Leben meiner Schwester' bin ich eigentlich durch den Trailer aufmerksam geworden, hab mich aber dann entschieden zuerst das Buch zu lesen. Ich fand das Buch wahnsinnig toll und hatte auch an mehrern Strellen Tränen in den Augen. Das Buch ist der absolute Hammer! Und das war auch der Grund, dass ich dann unbedingt auch den Film sehen wollte. Doch als ich ihn dann geschaut habe war ich so ENTTÄUSCHT! Er war schon gut gemacht und blaa aber wie kann man denn das Ende so verändern? Ich hab zwar trotzdem geweint aber ich hätte noch viel mehr geheult, wenn der Film einfach so wie das Buch gewesen wäre. Ich bin total froh, dass ich zuerst das Buch gelesen habe!


marcel

mein gott immer so viel fordern von einem film es ist ein schöner film mit guten schauspielern und einer rührenden geschichte
wenn man so eine kritik direkt nach dem film liest wird man wirklich wütend


EVE

Wenn man das Buch gelesen hat und dann denn Film sieht, kann man hinter her nur enttäuscht sein. Man kann ein Ende nicht so drastisch ändern ohne Kritik einzustecken. Das macht einen einfach nur wütend. Gott sei dank hab ich kein Geld fürs Kino ausgeben. Das Ende ruiniert einfach alles!


Cla

Ich finde es total schade, dass das Ende so angeändert wurde... Es wurde eine komplett andere Geschichte daraus gemacht!!! Und alles die das buch nicht gelesen haben, haben kein recht Kommentare zu kritisieren!


Selina

Also ich fand den Film gar nicht so schlecht, wie ihr alle sagt. Eigentlich fand ich den Film sehr gut, da ich ein grosser Fan von Cameron Diaz bin.


Sunny

Also ich habe durch zufall das Buch gelesen und habe dann im einem Laden den Film dazu gesehen und musste den anschauen nachdem ich von dem Buch schon so hin und her gerissen war.
Der Film ist zwar wirklich sehr mitreisend und emotional es gab einige stellen an dem ich weinte dennoch muss ich leider zugeben das ich es schade finde das sie den Film so abweichend vom Buch gedreht haben.
Am ende des Films war ich enttäuscht denn das was das Buch ausmachte fehlte....


Filmlover

also ich liebe diesen film, war voll am heulöööön und souuu ._. I LoVVe YoU aLL soOo MatsCh !


Teil_Zeit_Heldin

Wer da nicht weint, muss ein Eisklotz sein..


Sandra

hey Leute,
ich kann eure Kritiken ja i-wie verstehen, jedoch finde ich nicht, das man über den Film entäuscht sein kann.
ich habe das Buch 2 Mal gelesen.
das erste Mal mal mit der schule (also viele Anhalysen, Fragen was würdest du als ...... machen? Beschreibungen, Erklärungen, Charakterbeschreibungen usw.)
das zweite Mal einfach nur so, weil ich es sehr schön finde.
der film habe ich erst nach dem 1. lesen gesehen.
ich habe mich zwar gewundert, wie der Film manche Situationen und Charaktere beschrieben wurden. Aber ich fand es gut umgesetzt.
ich denke, wenn man das Buch nicht gelesen hat, ist es einfach ein wundervoller und nachdenklicher Film.

aber ich würde jeden Empfehlen erst das Buch zu lesen.
(hab es auch bei P.S. ich liebe dich so gemacht)






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