Beim ersten Mal

Das „erste Mal“ ist es genau genommen weder für Ben Stone (Seth Rogen), noch für Alison Scott (Katherine Heigl). Nur eben in dieser Konstellation und ohne Verhütung. Und so kommt, was kommen muss...

Beim ersten Mal

Innerhalb weniger Jahre ist Judd Apatow zu einem der großen Hoffnungsträger des amerikanischen Mainstreamkinos aufgestiegen. Noch Anfang dieses Jahrtausends fiel sein Name höchstens in Zusammenhang mit den kurzlebigen TV-Formaten Voll daneben, voll im Leben (Freaks and Geeks, 1999-2000) und American Campus – Reif für die Uni (Undeclared, 2001-2002), an deren Produktion er maßgeblich beteiligt war. Doch seitdem machte er nicht nur mit dem Überaschungserfolg Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40 Year Old Virgin, 2005) auf sich aufmerksam, sondern produzierte außerdem mit den beiden von Adam McKay inszenierten Will Ferrell-Vehikeln Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy (Anchorman: The Legend of Ron Burgundy, 2004) und Ricky Bobby – König der Rennfahrer (Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby, 2006) zwei der außergewöhnlichsten Komödien der jüngsten Zeit. Nun startet sein Regiezweitwerk in den deutschen Kinos.

Judd Apatows Werke sind stets zuallererst Ensemblefilme. Und dieses Ensemble setzt sich bereits seit Voll daneben, voll im Leben größtenteils aus denselben Personen zusammen. So sind auch in Beim ersten Mal (Knocked Up) wieder die üblichen Verdächtigen an Bord. Diesmal teilen sie sich sogar eine WG: Ben Stone, Jason (Jason Segel), Jay (Jay Baruchel), Jonah (Jonah Hill) und Martin (Martin Starr) wohnen zusammen und entwickeln, zumindest soweit ihr Drogenkonsum dies zulässt, gemeinsam die Website fleshofthestars.com, die nebenbei bemerkt genau das halten soll, was der Name verspricht. Doch eines Abends trifft Ben mit seiner Posse auf die ehrgeizige Journalistin Alison, die gerade dabei ist, mit ihrer Schwester Debbie (Leslie Mann) feuchtfröhlich einen Karrieresprung zu feiern. Und Alkohol hilft auch hier wieder einmal zusammenzufügen, was eigentlich nicht zusammenzugehören scheint.

Beim ersten Mal

Die Welten der beiden Protagonisten könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Und doch haben sie etwas gemeinsam. Denn eines hat in beider Lebensentwürfen garantiert keinen Platz: ein Kind. In der Tat gehört der erste gemeinsame Besuch des anfangs noch recht unfreiwilligen Paares beim Gynäkologen zu den stärksten Momenten des Films. Umgeben von lärmenden Kindern und hochschwangeren Frauen sind sich die beiden zumindest darin einig, was sie nicht wollen. Und wissen gleichzeitig sofort, dass sie es doch nicht verhindern können. In Momenten wie diesen, die zahlreich über den gesamten Film verstreut sind, zeigt Beim ersten Mal gekonnt soziale Zusammenhänge auf, gleichzeitig mit einfachen Mitteln und großer Präzision. Und Momente wie diese legen den Schluss nahe, dass im amerikanischen Kino die Mainstreamkomödie derzeit vielleicht tatsächlich am meisten über die soziale Realität der USA zu sagen weiß.

Natürlich trifft dies nicht auf alle Genrevertreter zu. Doch Beim ersten Mal kann beispielhaft stehen für eine Gruppe von Filmen, die ihren Reiz aus einem besonderen Verhältnis zwischen den Filmemachern und ihren Sujets zu ziehen scheint. Der Film bezieht einen Großteil seiner Komik aus den gut geölten Routinen seines Casts, aus den perfekt getimten Wortwechseln zwischen den WG-Bewohnern, die sichtbar großen Spaß an ihren Rollen haben. Wie in Jungfrau (40), männlich, sucht versucht Apatow auch in Beim ersten Mal, so wenig Distanz wie nur möglich zwischen dem Publikum und seinen Figuren aufzubauen. Vor allem geht es darum, keinerlei ironische Brechungen einzuführen und dem Zuschauer dadurch kein Gefühl der Überlegenheit zu erlauben. So belässt er seinen Charakteren auch in deren erbärmlichsten Momenten ihre Würde und erreicht gerade dadurch eine wundervolle Form von Humor, die den Teeniekomödien der American Pie-Schule für immer fremd bleiben muss. Viel näher ist Apatow in diesen Momenten am Kino Jared Hess´ (Napoleon Dynamite, 2003; Nacho Libre, 2006), einem weiteren herausragenden Vertreter der derzeitigen Rennaissance des Genres.

Beim ersten Mal

Und Beim ersten Mal behandelt nicht nur die komödienaffine Kiffergesellschaft um Ben Stone in dieser Weise, sondern auch eine ganz andere soziale Schicht, nämlich das Yuppiemilieu um die Schwestern Alison und Debbie. So stellt etwa die Familie Debbies anfangs nur scheinbar das Beispiel einer misslungenen Verbürgerlichung dar und bereits die vorhersehbaren Pointen, die aus ihrem Aufeinandertreffen mit Ben resultieren, sind um einiges zurückhaltender, als es die Ausgangslage erwarten lässt. Im weiteren Verlauf zeichnet Apatow ein weitaus komplexeres Bild einer sozialen Schicht, die den Kiffern um Ben fremder nicht sein könnte. Insbesondere Debbies Mann Pete entpuppt sich als eine ungewöhnlich vielschichtigere Figur, die sich so recht in keines der bereitliegenden Komödienklischees einfügen lässt und gerade dadurch ungeheuer komisch ist. Verkörpert wird Pete von Paul Rudd, dem zwar oft eher unauffälligen aber möglicherweise talentiertesten Mitglied des Apatow-Camps. Insbesondere der gemeinsame Ausflug Petes und Bens nach Las Vegas, die schönste Szene des Films, dient Rudds Schauspielkunst, die mit spielerischer Leichtigkeit dramatische Momente in komische übersetzen kann und umgekehrt, als beeindruckendes Showcase.

Nicht, dass Beim ersten Mal mit seinen 129 Minuten Laufzeit ein Film ohne kleine Durchhänger wäre. Denn gerade im direkten Vergleich mit dem alles in allem doch etwas stärkeren Jungfrau (40), männlich, sucht wird deutlich, was Paul Rudd nicht ist, und der zwar solide, aber nicht herausragend spielende Seth Rogen schon gar nicht: Ein klassischer Comedystar vom Schlage eines Steve Carell. Dass sich mit zunehmender Laufzeit bisweilen einige weniger beschwingte Abschnitte einstellen, hängt wohl einerseits mit dem Fehlen eines wirklich dynamischen Hauptdarstellers zusammen. Andererseits aber vielleicht auch an der Widerständigkeit des Erzählmaterials, das sich selten wirklich auffällig, aber durchaus effektiv den Konventionen des Genres entzieht. Und so sind möglicherweise auch die etwas zu ausführlich ausformulierten Passagen des Films, wie auch das ohnehin nur scheinbar konservative Ende, fast notwendige Makel eines Filmes, der sich näher an die amerikanische Wirklichkeit herantraut als noch fast alles, was in den letzten Jahren aus Amerika, sei es nun Holly- oder Indiewood, im Spielfilmbereich den Weg nach Deutschland fand.

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Kommentare


jeannie19

Es fällt mir erheblich schwer, über diesen Film eine objektive Meinung zu fällen, sowie ihm eine positive Seite abzugewinnen. Ich empfand den Film in erster Linie ziemlich niveaulos. Die Dialoge klangen zu gewollt obszön und die Darsteller, sowie der Inhalt, überzeugten mich nicht ausreichend. Als Zuschauer ertrug man es nicht einmal mehr zu sehen, wie sich Ben bei seinen Freunden aufhielt, weil man gleich daruf erwartete, dass wieder etwas ekelhaftes passiert oder Sätze fallen, wo man sich besser die Ohren zuhalten sollte. Es war auch nicht nachvollziehbar, weshalb Allison nach dem ernüchterndem Frühstück und ihrerseits deutlicher Abneigung, noch einen Weg findet sich für Ben auch auf der emotionalen Ebene zu begeistern. Als Fazit meiner Seite ist nur zu sagen, dass ich den Film niemandem empfehlen kann, weil man sich mit den Dialogen auf die Dauer nicht anfreunden kann, was deutlich das gesamte Vergnügen, genauso wie das Niveau, senkt.


Anna

Ich finde der Film ist einfach klasse.
Ich musste ständig lachen. Ist aber nichts für Leute die was gegen Kiffen und "assisprache" haben ;)






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