Behind the Couch

Wie werde ich ein Star? Behind the Couch weiß zumindest zu berichten, wie es nicht funktioniert.

Behind the Couch

Das Ende wirkt deprimierend: Abertausende von „Headshots“, Porträtbildern, mit denen sich hoffnungsvolle Jungschauspieler bei Castingagenturen bewerben, landen auf der Müllhalde, bereit fürs Recycling. 70 Minuten früher hatte Behind the Couch frohgemut, vielversprechend und glamourös begonnen: Stars und Sternchen sonnen sich im Licht der Paparazzi. Doch wie kommt man vor ihre Abzüge und auf die roten Teppiche dieser Welt? Über die sogenannte Besetzungscouch, so legen Titel und Anfang von Veit Helmers Dokumentarfilm nahe. Verschiedene mehr oder minder namhafte Castingagenten werden eingeführt, ehe der Focus zunehmend der gebürtigen Engländerin Zora Dehorter gilt. Sie erhält das Drehbuch zu einem Low-Budget-Independent-Regiedebüt. Sondierungsgespräche mit Produzenten und der Regisseurin verlaufen erfolgreich, sie erhält den Zuschlag. Dem Erstellen einer Besetzungswunschliste folgt der „Breakdown Service“: die Figuren werden in Synopsen „runtergebrochen“ und an Schauspielagenten verschickt. Einer Vorauswahl schließt sich die Auswahl der Regisseurin an. Bis zuletzt im Rennen um eine der zentralen Rollen ist der junge TV-Schauspieler Lee.

Behind the Couch

Nicht ganz so erfolgreich verläuft der Kalifornien-Abstecher einer anderen, selbsternannten Schauspielhoffnung. April Kian aus Singapur folgt den „Wie werde ich ein Star“-Rezepten diverser Karrierekochbücher, mit absehbar nichtigem Erfolg. Ihre naiven Aussagen und verträumten Vorstellungen werden in Kontrast gesetzt mit den Interviews diverser Branchengrößen. So verwundert einen nicht mehr die Aussage, sondern eher der späte Zeitpunkt, wenn E.T.-Casting-Director Mike Fenton nach einer Stunde des Films indirekt meint, sie solle nach Hause gehen und eine Familie gründen. So kommt es denn auch, zumindest ersteres.

Behind the Couch gibt mit dem Blick hinter die Kulissen des Starapparates ein Versprechen, das nicht gehalten wird. Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich schon das Blitzlichtgewitter der Eingangssequenz als Ouvertüre der überschaubaren Premiere eines Independent-Films. Was wir anschließend zu sehen bekommen, sind weder fertige noch aufsteigende Stars und schon gar kein Postengeschachere im Blockbustermilieu. Tatsächlich beobachtet Helmer die Frühphase eines minimal budgetierten Projektes, das bis heute auf seinen Kinostart wartet.

Vielleicht wollen wir uns aber auch einfach nicht mit dem Bild von einer bürokratischen Mühle, äußerst unaufgeregt durchschnittlichen Menschen und absehbaren Enttäuschungen zufrieden geben, wenn es um die Traumfabrik geht. Ja, dem Dreck der Schutthalde hätten wir doch wahrlich ein wenig Schmutz hinter unter und auf der Besatzungscouch vorgezogen.

 

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