Bee Movie – Das Honigkomplott
Eine Biene mit unbändigem Freiheitsdrang steht im Mittelpunkt des neuesten Dreamworks-Animationsfilms. Die von Multitalent Jerry Seinfeld produzierte und als Co-Autor mitentwickelte Geschichte richtet sich trotz ihrer bunten Verpackung vornehmlich an ein älteres Publikum.
In was für Welten hat der moderne Animationsfilm den Zuschauer nicht schon alles entführt? Ausflüge in die Eiszeit folgten auf Entdeckungsreisen in den Mikrokosmos tapferer Käfer und Ameisen, eine kulinarische Begegnung zwischen einem Nager und der Haute Cuisine löste die abenteuerliche Unterwasserexpedition eines treusorgenden Clownfisches ab. Dank der jüngsten Produktion aus dem Hause Dreamworks Animation erhält auch die gemeinhin als fleißig geltende Biene endlich ihren leinwandfüllenden Auftritt in 3D.
Tatsächlich entpuppen sich die kleinen, gelb-schwarz gestreiften Gesellen als wahre Workaholics, deren einziger Lebensinhalt in der Produktion von Honig besteht. Als Teil des Kollektivs haben sich alle dieser Aufgabe voll und ganz unterzuordnen. Jung-Biene Barry graust es jedoch bei der Vorstellung, sein gesamtes Leben tagein, tagaus in der Honigproduktion schuften zu müssen. Dort ist kein Platz für Individualisten wie ihn, die Abwechslung und das große Abenteuer suchen. Während sein bester Freund Adam den ersten Arbeitstag bei Honex, dem Monopolisten auf dem Gebiet der Honigproduktion, kaum erwarten kann, verlässt Barry mit der Fliegerstaffel den schützenden Bienenstock. Irgendwo dort draußen, das spürt er intuitiv, liegt seine wahre Bestimmung.
Noch bevor ihm bewusst wird, was seine Entscheidung für ihn bedeutet, findet er sich auch schon mitten im hektischen, großstädtischen Treiben wieder. New York ist für eine Biene ein äußerst gefährlicher Ort. Überall wimmelt es nur so vor Menschen, die auf Barry und seine Artgenossen mit allem, was ihnen zwischen die Finger kommt, einschlagen und schon beim Anblick einer Biene in Panik geraten. Dass die Geschichte von Bee Movie – Das Honigkomplott (Bee Movie) ausgerechnet in der Metropole am Hudson River spielt, ist kein Zufall. Immerhin zeichnet mit Jerry Seinfeld einer von New Yorks bekanntesten Comedians für Produktion, Teile der Story und in der Originalfassung auch für Barrys Stimme verantwortlich.
Die Analogien zwischen einer Großstadt wie New York und dem Leben im Bienenstock, wo eine streng organisierte Arbeitsteilung herrscht, in der jeder seinen festen Platz einnimmt, nutzt der Film immer wieder für intelligente Querverweise. Wie die stressgeprüften Taxifahrer in ihren Yellow Cabs schwirren auch die Bienen in ihrer gigantischen Honig-Fabrik von einem Ort zum nächsten. Was auf den ersten Blick chaotisch und wirr erscheint, folgt in Wahrheit einer wohl durchdachten Ordnung und festen Regeln.
In seiner Art des Humors grenzt sich Bee Movie merklich von vielen anderen Animationsgeschichten ab. Im Unterschied zu Pixar-Produktionen wie Findet Nemo (Finding Nemo, 2003) oder Ratatouille (2007) setzen Seinfeld und seine Co-Autoren weniger auf den Niedlichkeitsfaktor ihres kleinen Protagonisten als auf einen mitunter durchaus subversiven Witz, der sich erkennbar an ein erwachsenes Publikum richtet. Gerade die Einführung in der Honig-Fabrik strotzt nur so von unterschwelliger Kritik an der Reduzierung des Individuums auf einen beliebig austauschbaren Kostenfaktor im Arbeitsprozess. Die Biene lebt, um zu arbeiten. Nach ihrem Tod – das macht die Szene in der Eingangshalle der Fabrik deutlich, wo eine riesige Anzeigetafel Auskunft über den Status der offenen Stellen gibt – wird sie umgehend von einem Artgenossen ersetzt. Diese Erkenntnis, obwohl sie wie fast alles reichlich farbenfroh verpackt wurde, dürfte die Kleinsten überfordern.
Zum Ende verstrickt sich der Film in einen nicht unerheblichen Widerspruch. So wird die zuvor kritisierte Unterordnung des Einzelnen unter die Vorgaben eines konformistischen Systems plötzlich als Lösung eines viel größeren Problems präsentiert. Nur in der Gruppe lässt sich wahrlich Großes vollbringen, wobei jeder die ihm zugedachte Aufgabe zu erfüllen hat. Ein Hinterfragen von Strukturen und Hierarchien, das suggeriert uns unglücklicherweise der Ausgang der Geschichte, kann daher mitunter mehr schaden als nützen. Gegen diese zweifelhafte Aussage tritt letztlich sogar die gut gemeinte Öko-Botschaft in den Hintergrund.
Filmkritik von Marcus Wessel
Veröffentlicht am 07.12.2007
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Film-Angaben
Titel: Bee Movie – Das Honigkomplott
Originaltitel: Bee Movie
USA 2007
Laufzeit: 90 Minuten
Regie: Simon J. Smith, Steve Hickner
Drehbuch: Jerry Seinfeld, Spike Feretsen, Barry Marder, Andy Robin
Produktion: Jerry Seinfeld, Christina Steinberg
DVD-Angaben
Titel: Bee Movie – Das Honigkomplott
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 92 Minuten
Extras: Kinotrailer; Trailer von anderen Filmen; Musikvideo(s); Kommentar von Jerry & den Machern des Films; „Im Bienenstock: Die Schauspieler in Bee Movie - Informationen zum Staraufgebot“; Entfernte Szenen mit Kommentar; DreamWorks Animation Video Jukebox; Die Technik hinter Bee Movie - Das Honigkomplott; Barry B. Benson stellt sich vor; DreamWorks Animation Kids: „Save a Bee and save the World“, „The Ow! Meter“, „Un-BEE-lievable!“, „Pollination Practice“, „Be A Bee“
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 17.04.2008
Copyright Bee Movie – Das Honigkomplott
Fotos: © Dreamworks
BERLINALE 2012

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