Bedtime Stories

„Don’t stop believing“ – der alte Rockdauerbrenner von Journey liefert Adam Shankmans aktuellem Film die Devise. 

Bedtime Stories

Die Menschheit erfreut sich seit jeher am Geschichtenerzählen. Nach der mündlichen Überlieferung folgte die Niederschrift, irgendwann auch in Form von Büchern, viel später kam das Kino daher. Der Schriftsteller, ganz wie der Regisseur und Drehbuchschreiber, editiert seine Geschichten so lange, bis sie die gewünschte Form gefunden haben. Aber am Anfang steht immer die Idee, die Imagination des Erzählers. Hier setzt Adam Shankmans (Hairspray, 2007; Im Dutzend billiger 2, Cheaper by the dozen 2, 2005) neuester Film an. Zum einen geht es um Fantasie (oder Fantasy), umgesetzt im Alltäglichen, als Gegenentwurf zu den aktuell so populären, entrückten Welten wie Mittelerde oder Hogwarts, zum anderen um das aktive Umschreiben einer Geschichte, eben aber nicht vor, sondern während des Erzählprozesses.

Bedtime Stories

Anders ausgedrückt: In Bedtime Stories schreibt die Hauptfigur Skeeter (Adam Sandler) die eigene Lebensgeschichte um. Oder vielmehr tun dies für ihn die Kinder seiner Schwester (Courtney Cox), auf die er einige Zeit aufpasst. Denn die Gutenachtgeschichten, die Skeeter den beiden erzählt, werden wahr – allerdings nur die von den Kleinen beigesteuerten Details. Könnte man nur Einfluss nehmen auf deren Fantasie.

Viele Erzählungen sind in der Realität verankert, und so auch die des unfreiwilligen Märchenonkels, der seine privaten und beruflichen Misserfolge in ihnen widerspiegelt – ob in der imaginierten Rolle eines Cowboys im Wilden Westen oder im All, es ist immer Skeeter selbst, der in diesen Episoden gegen den schmierigen Rivalen Kendall (Guy Pearce) antritt. Denn im realen Leben konkurrieren beide um die Managerposition im geplanten Ableger eines gigantischen Hotelkonzerns.

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Dabei ist Skeeter zunächst Realist und räumt sich als Hausmeister kaum Chancen ein in diesem Rennen. Der ewige Drifter träumt eingangs nur vom Ferrari und der Hotelierstochter Violet (Teresa Palmer), einem Paris-Hilton-Verschnitt. Solche Wünsche können die Kinder freilich nicht nachvollziehen, sie gestehen sie Skeeter in den nächtlichen Hirngespinsten auch nicht zu und vereiteln dadurch ihre Wahrwerdung am nächsten Tag, sehr zum Verdruss ihres Onkels. Die naive Spontaneität ihrer Einfälle, mit der sie Skeeter die Tour vermasseln, amüsiert für eine Weile durchaus. Die Kleinen fungieren als Lektoren, deren Ideen auf der Leinwand nicht mit dem Schnitt, sondern mit der CGI-Trickkiste unmittelbar umgesetzt werden. Eine Verwandlung findet statt, ein weiteres Element wird aus dem Nichts dazu gedichtet, anders ist ein Zurücknehmen in diesem Erzählverfahren nicht möglich. Dabei plottet man mit Vorliebe stets den nächsten peinlichen Fehltritt Skeeters, denn auf diese Art funktioniert der Humor von Kindern.

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Den Drahtziehern von Skeeters realitätsstiftenden Traumfabeln, den Kindern, und demnach ebenso dem Film, der hier eine ganz bestimmte Logik vertritt, sind die bescheidenen (egoistischen?) Ziele des Hausmeisters jedoch auf Dauer zu nichtig. Bald werden Rufe nach einer Moral der Geschichten laut. Das ist schade, denn es ist gerade Skeeters Zynismus, der eingangs recht erfrischt und Adam Sandler für eine Weile wieder einmal einen etwas kantigeren, sympathischen Losertypen spielen lässt. Einige Charaktere beweisen zu viel Realitätssinn, einige zu wenig – Skeeter hat lediglich resigniert. Doch höhere Ideale im Lebensentwurf müssen her, und konsequenterweise auch das erdige, aufrichtige Mädchen, Grundschullehrerin Jill (Keri Russell).

Skeeter assimiliert all das recht schnell, erst in den Gutenachtgeschichten, dann im Leben. Der Märchenkampf zwischen Gut und Böse wird zum Interessenkonflikt zwischen der Lehrerschaft der Grundschule und den Handlangern der Hotelkorporation, die an der Schulstätte ein neues Etablissement errichten wollen. Der aus den Bedtime Stories neu errungene Gestus des „You can do it“ wird von Skeeter nun in den Dienst der guten Sache gestellt und die Selbsterfüllung daran geknüpft. So werden die eingangs spontan ersponnenen Geschichten teilweise zu Lehrstücken, immer noch augenzwinkernd dargeboten, aber eben unmissverständlich in ihrem Kern. Hinzu kommt der Schmalz des Liebeserzählstrangs, und wir befinden uns gen Ende leider im gewöhnlichen Fahrwasser eines Disneyfilms. Jenem Studio, das in jüngster Zeit mit Verwünscht (Enchanted, 2007) die Ebene der Fantasyerzählung noch recht innovativ vereint hat mit der der Realhistorie, und das auch in formaler Hinsicht.

Bedtime Stories

Bedtime Stories ist trotz der Traumfabeln viel mehr im Jetzt verortet. Was er uns erzählt, ist nicht neu. Man ist also besser beraten, sich an einigen der nebensächlichen Details zu erfreuen, die auf dem Weg zum unweigerlichen Happy End in der ersten Hälfte gesät werden. Dazu gehören auch die Unfälle und Schnapsideen, die andere Geschichtsschreiber wegkürzen würden. Aber aus denen eben entsteht nicht nur in Kinderfilmen, für Kinderherzen, der Spaß.

Trailer zu „Bedtime Stories“


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