Beauty

Der südafrikanische Regisseur Oliver Hermanus erzählt in einem spröden, sehr präzisen Film von einem weißen Familienvater mittleren Alters, der einem jungen Mann nachstellt.

Beauty  3

Bloemfontein, Südafrika. Die Männer stehen in der Küche, jeder mit einem Bier in der Hand. Das Gespräch läuft schleppend. Man redet über feinmotorische Schwierigkeiten mit dem Öffnen von Bierdosen. Könnte ein Treffen zu einer Grillparty sein. Oder zum Fußballgucken. Männersachen halt, aber irgendetwas stimmt hier nicht. Es ist ein Elefant im Raum, etwas, über das nicht geredet wird und das doch der Grund für das Treffen ist. Nach einem beiläufigen Schnitt entpuppt sich die peinlich betretene Zusammenkunft als schwule Sexorgie.

Die Szene ist recht explizit und kommt als Schock, als einer von zweien in Beauty (Skoonheid). Der zweite ist eine Vergewaltigung im letzten Drittel, und die ist dann nur noch halb so überraschend, weil man bis dahin den mühsam unter Verschluss gehaltenen Druck, der unter dieser mit spröden filmischen Mitteln erzählten Geschichte lauert, schon geradezu körperlich spüren gelernt hat.

Beauty  2

François, ein wohlhabender, sexuell desorientierter weißer Familienvater, ist in fast jeder Szene zu sehen. Eine grandiose Leistung von Deon Lotz, der den innerlich zerrissenen Mann mittleren Alters so zurückhaltend wie intensiv spielt. In der ersten Szene, der brillantesten des Films, nimmt die Kamera zunächst seine Perspektive ein und braucht sehr lange, um mittels eines Zooms unter den Gästen einer Hochzeitsfeier das Objekt der Begierde zu entdecken: Christian, ein attraktiver Mann von Anfang zwanzig. Dann folgt einer dieser beiläufigen, aber sehr exakt gesetzten Schnitte, und der bewundernde Blick auf die anbetungswürdige Schönheit, unterlegt von klassischer Musik, macht Platz für die Unbehaglichkeit eines guilty pleasure.

Beauty 03

François gerät im Verlauf von Beauty immer mehr in einen Strudel von Lügen und Manipulationen, die alle nur dem Ziel dienen, Christian nahe zu sein. Ein Stalker im Gewand des reichen Onkels. Die Erzählung hält den extrem langsamen Rhythmus der Eröffnungsszene bei und wechselt zwischen andauernden, statischen Bildern, zaghaften Kamerabewegungen und intimen Nahaufnahmen. Das ist in der Struktur konsequent als Abbild der vermeintlich ruhigen gesellschaftlichen Oberfläche, erzeugt aber nicht jedes Mal dieselbe Bewunderung wie zu Beginn.

Dennoch wird sehr deutlich, dass es nicht nur um das persönliche Drama eines Mannes geht, der den Bezug zu seiner Umwelt verliert. Am Rande gibt es auch immer wieder Andeutungen auf gesellschaftliche Schranken sozialer oder ethnischer Natur – obwohl Schwarze kaum vorkommen.

Beauty 04

Am Schluss ist François wieder, wie zu Beginn, in der Position des ausgeschlossenen Beobachters und sieht in einem Café traurig einem glücklichen schwulen Paar am Nebentisch zu. Es ist das einzige Mal, dass in Beauty zwei Menschen sich als das geben, was sie sind. Danach sieht man nur noch in einer hypnotischen Einstellung aus dem Inneren eines Autos heraus die spiralförmige Abwärtsbewegung einer Parkhaus-Ausfahrt.

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