Beautiful Creatures - Eine unsterbliche Liebe

Twilight trifft Harry Potter trifft True Blood: Wenn das keine Buchvorlage ist, die nach einer Adaption schreit! Zumindest auf den ersten Blick.

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Die Twilight-Saga ist zu Ende erzählt, und auch Harry Potter hat sein großes Kino-Finale bereits hinter sich. Die romantisch-fantastischen Stoffe haben längst das Fernsehen erobert und lassen hier junge und attraktive Menschen als Vampire, Werwölfe, Formwandler und Hexen aufeinander los, um sich zu lieben und zu bekämpfen. Der ideale Stoff, um Coming-of-Age-Dramen und verkitschte Eskapismus-Fantasien in unzähligen Variationen nach einem immergleichen Prinzip neu zu erzählen. Kein Wunder also, dass es mit Beautiful Creatures eine weitere millionenfach verkaufte Romanserie aus dem Segment „Teenie-/Young Adult-Fantasy“, in Deutschland unter dem Titel Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe vermarktet, auf die Leinwand schafft.

Bleibt die Frage, ob ein solcher Film zu einem so späten Zeitpunkt noch von der Zugkraft des Hypes profitieren kann.

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Um nachhaltigen Erfolg zu erzielen, also möglichst viele Sequels nach sich zu ziehen, muss ein solches Projekt genügend Schauwerte, aber auch einen gewissen Grad an Originalität bieten: Der Film muss seine Nische finden, ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen. Da reicht es nicht, junge unverbrauchte Haupt- und ein paar renommierte Charakterdarsteller (Jeremy Irons, Emma Thompson), die das Werk mit charismatischen Nebenfiguren erden, zusammenzubringen. Die Verpflichtung von Drehbuchautor und Regisseur Richard LaGravanese (König der Fischer, The Fisher King, 1991 / Die Brücken am Fluss, The Bridges of Madison County, 1993 / Der Pferdeflüsterer, The Horse Whisperer, 1998) macht jedenfalls neugierig, welches entwicklungswürdige Potenzial ein Filmemacher mit solchem Background wohl in dem Stoff gefunden haben mag.

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Und wirklich überrumpelt der Film kritische Vorbehalte mit einem smarten Anfang. Da ist der angeödete Teenager Ethan (Ehrenreich), der es kaum erwarten kann, aus seinem trostlosen Südstaatenkaff herauszukommen. Er liest Salinger, Vonnegut und Kerouac und untermauert seine Anti-Haltung mit lässigem Sprachwitz. LaGravanese inszeniert den Auftakt wie eine etwas entschärfte, aber immer noch scharfzüngige Popcorn-Variante von True Blood, fängt den Kleinstadtmief samt Highschool-„Terror“, in dem sich der jugendliche Held auf dem Weg zum Erwachsenwerden behaupten muss, mit wenigen Szenen lebendig ein und verpasst dem Setting mit dem konservativen Südstaatencharakter des fiktiven Städtchens Gatlin das passende Flair. Auch die Figurenkonstellation sorgt für eine frische Perspektive, ist es hier doch endlich einmal der männliche Protagonist, der das faszinierende und gefährliche Mädchen, Lena Duchannes (Englert), anhimmelt, das ihm die Lektüre von Bukowski empfiehlt und so gar nicht nach Prom-Queen aussieht.

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Die großen Pluspunkte des ersten Drittels – die sorgsame Etablierung von Charakteren und Story – verkehren sich mit dem Fortschreiten des Films aber ins Gegenteil. Die dialoglastige Handlung lässt eher an eine Fernsehserie als einen Spielfilm denken, und tatsächlich entwickelt sich der Plot von Beautiful Creatures, als könne sich LaGravanese eine ganze TV-Staffel zum Erzählen Zeit lassen. Das Problem: Es passiert einfach gnadenlos wenig! Die dünne Story wird quälend in die Länge gezogen, ohne ansatzweise Dramatik oder spannungsgeladene Konflikte zu entwickeln. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man sich endlich langsam dem „Höhepunkt“ nähert – dem 16. Geburtstag der Hauptfigur Lena, an dem sich entscheidet, ob sie eine gute oder eine böse Hexe werden wird. Dabei kommen zuvor in keinem Moment ernsthafte Sorgen auf, dass sie tatsächlich auf die dunkle Seite der Hexenmacht gezogen würde.

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Letztlich fehlt dem Film alles, was Spannung erzeugen könnte: Es gibt keine wirklich präsenten Gegenspieler – Lenas ominöse Mutter Serafine (Thompson) greift viel zu spät und halbherzig ins Geschehen ein, ihr Onkel Macon (Irons) will eigentlich nur ihr Bestes, und ihre Cousine Ridley (Emmy Rossum) ist selbst nur ein Opfer der bösen Hexenmacht. Nennenswerte Konflikte zwischen dem Liebespaar gibt es ebenfalls keine, vielmehr verwandeln sich die Turteltauben von Minute zu Minute mehr in austauschbare Stereotypen. Besonders Ethan, immerhin zu Beginn präsenter und cooler Erzähler der Story, wird nach und nach zum Mann ohne Eigenschaften. Auch die Special-Effects – ein wirbelnder Tisch hier, wachsende Pflanzen-Ornamente da – sind weitgehend überflüssig und unspektakulär.

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So steht am Ende wohl nur eine Auszeichnung, um die sich Beautiful Creatures ernsthaft zu bewerben scheint: die für den „Besten Kuss“ bei den MTV Movie Awards. Wenn die beiden Protagonisten nach einem pseudodramatischen Standard-Dialog übertrieben hungrig übereinander herfallen und ein Blitz das Schild neben ihnen in Flammen setzt, hat das genau den Schauwert, den sich die zielgruppenorientierten Produzenten wahrscheinlich wünschen, während sich hormonell ausgeglichene Zuschauer verabschieden, die nach der ersten halben Stunde hoffen konnten, dass der Film genau diese mechanisch-blutleere Leidenschaftssymbolik vermeiden würde.

Trailer zu „Beautiful Creatures - Eine unsterbliche Liebe“


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