Beautiful Boxer
Schönheit siegt über Gewalt in diesem für das Genre ungewöhnlichen Boxfilm aus Thailand: Der junge Nong Toom (Asanee Suwan) streift die Fesseln seines Mannskörpers über den Umweg durch den Boxring ab und nähert sich dem weiblichen Geschlecht.

Öl tropft auf einen muskulösen Oberkörper, kräftige Hände werden sorgsam mit Stoffbahnen umwickelt. Eine Netzstrumpfhose überzieht ein langes Frauenbein und roter Lack schmückt kunstvoll gefeilte Fingernägel. Die verschiedenen Körperfragmente legen zu Beginn des Filmes das Puzzlebild zweier Personen auf die Leinwand, die sich für den nahenden Abend vorbereiten. Ein Boxer und eine Frau - das noch fehlende Stück ihrer Begegnung wird sich am Ende eines harten Kampfes auffinden.
Schon in sehr jungen Jahren äußert Nong Toom (gespielt von Profiboxer Asanee Suwan) seine Vorliebe für allerlei Tand, den man für gewöhnlich mit Frauen in Verbindung bringt. Geschminkt ertanzt er sich mit einer kindlich-unschuldigen Showeinlage vor dem Abendessen die Skepsis seiner Eltern, die fortan damit beschäftigt sind, die weiblichen Seiten ihres Sohnes kennen und akzeptieren zu lernen.
Früh steht für Nong Toom fest, dass er im falschen Körper geboren wurde, aus dem er mit Lippenstift gelegentlich auszubrechen versucht. Nach einem Ausgang aus der Armut der nordthailändischen Provinz und der männlichen Hülle des eigenen Körpers suchend, beginnt der Gewalt scheuende Toom eine Karriere als Boxprofi. Bei einem Kampf wider Willen als talentierter Kämpfer entdeckt, begibt er sich in eine Boxschule, die ihn zum Boxstar aufbaut. Eine polarisierende Berühmtheit erlangt er vor allem dann, als er sich entschließt als Transvestit in den Ring zu treten.

Augenblicke des Zweifels und der Erkenntnis vor Tableaus wildromantischer, thailändischer Landschaften, sehnsuchtsvolle Bilder von traditionell wie Puppen geschminkten Tänzerinnen und das bunt-hysterische Flirren der Thaiboxwelt begleiten die schleichende Verweiblichung der Hauptfigur, von deren Irrungen und Wirrungen anfangs im Schnelldurchlauf, später zum Glück etwas ausführlicher, aber immer zielgerade berichtet wird. In seinem ersten Spielfilm zeichnet der in Thailand und Singapur etablierte Theater- und Musicalregisseur Ekachai Uekrongtham die wahre Geschichte der Verwandlung des Boxers Nong Toom vom männlichen Körperpanzer zur Frau mit Modellmaßen als farbenprächtiges und sentimentales Biopic nach, das zuweilen mit interessant gestalteten Boxszenen überrascht.
Nur als synchronisierte DVD-Version in den deutschen Kinos zu sehen, verfällt Beautiful Boxer durch die Flachheit und Unschärfe des Bildes sowie der im Deutschen unbeholfen wirkenden Dialoge leider ins Trashige. Schade auch, dass der durchaus ambitionierte Film mit dem Vorbeispurten an den Lebensstationen von Toom einerseits und dem Verweilen auf verkitschten Gefühlsmomenten andererseits sein B-Movie-Gewand entgegen seines Anspruchs nicht recht abzulegen vermag.
Filmkritik von Marguerite Seidel
Veröffentlicht am 23.08.2005
Kommentare zu Beautiful Boxer
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Beautiful Boxer. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Beautiful Boxer
Thailand 2003
Laufzeit: 118 Minuten
Regie: Ekachai Uekrongtham
Drehbuch: Ekachai Uekrongtham, Desmond Sim Kim Jin
Produktion: Ekachai Uekrongtham
Darsteller: Asanee Suwan, Sorapong Chatree, Orn-Anong Panyawong, Nukkid Boonthong
Kinostart: 25.08.2005
DVD-Angaben
Titel: Beautiful Boxer
Vertrieb: Eurovideo
Bild: k.A.
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1)
Untertitel: k.A.
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 120 Minuten
Extras: Making Of; Kinotrailer; Teaser; Zwei Musikclips mit Karaoke-Untertiteln
Verleih ab: 06.10.2005
Verkauf ab: 17.11.2005
Copyright Beautiful Boxer
Fotos: © MFA+
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Captive
R: Brillante Mendoza
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Barbara
R: Christian Petzold
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Die Wand
R: Julian Pölsler
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Neandertal
Mo 13.02, 09:25 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR
Schläfer
Mi 15.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
Yella
Mi 15.02, 22:25 Uhr, 3sat






