Beastly

Daniel Barnz‘ Film erzählt von der Wichtigkeit innerer Werte und bedient sich dabei eines eigenwilligen Konzepts von Hässlichkeit.

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Wenn sich Hollywood moralisch gibt, ist das oft mit Vorsicht zu genießen. Beastly etwa ist eine freie, an die Gegenwart angepasste Version von „Die Schöne und das Biest“. Die auf dem Jugendbuch von Alex Flinn basierende Geschichte propagiert im Prinzip eine ehrenwerte Aussage: Es kommt nicht auf Äußerlichkeiten, sondern auf innere Werte an. Im Hinblick auf die Lebensrealität von Jugendlichen, die unter dem Druck leiden, einem herrschenden Schönheitsideal entsprechen zu müssen, mag man dem Film seine naive Botschaft nachsehen.

Kyle (Alex Pettyfer) ist nicht nur die Personifizierung dieses Schönheitsideals, sondern auch ein arroganter Widerling, der sich mit Vorliebe über die Hässlichen dieser Welt lustig macht. Nachdem er das über Zauberkräfte verfügende Goth-Girl Kendra (Mary-Kate Olsen) verspottet hat – die stellvertretend für alle jugendlichen Außenseiter steht –, wird er von ihr mit einem Fluch belegt und ist daraufhin mit einem unattraktiven Äußerem gestraft. Nur die Liebe eines Mädchens kann die Verwandlung rückgängig machen. Die zuckersüße Lindy (Vanessa Hudgens) scheint für diese Aufgabe wie gemacht zu sein.

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Beastly ist eine klassische, mit einigen Fantasy-Elementen versehene Teenie-Romanze, ein modernes Märchen mit stark typisierten Figuren – Lindy etwa, die ihren drogenabhängigen Vater pflegt und Obdachlose mit Essen versorgt, ist die Karikatur eines Gutmenschen. Der Film beschränkt sich darauf, ein zielgruppenkompatibles Fließbandprodukt sein zu wollen. Sowohl aktuelle (Pettyfer, Hudgens, Olsen) wie ehemalige (in der Rolle des Hauslehrers Neil Patrick „Doogie Howser“ Harris) Teeniestars geben sich die Klinke in die Hand, und ein mit Acts wie Regina Spektor und Death Cab for Cutie überfütterter Soundtrack untermalt die flott geschnittenen Szenen.

Wirklich albern ist die Vorstellung von Hässlichkeit, die Beastly vermittelt. Nach seiner Verwandlung zum Monster hat Kyle eine Glatze, Tattoos, Piercings und einige Narben. Hässlich ist das nicht. Tatsächlich sieht er damit besser aus als mit seinem gelackten Schnösel-Look vor der Verwandlung. Auch andere Figuren sollen dem Zuschauer mit eher dekorativen als entstellenden äußerlichen Attributen als hässlich verkauft werden. Mary Kate Olsen entspricht auch in schwarzen flatternden Gewändern und eigenwilligem Make-up nicht annähernd dem, was man landläufig als hässlich bezeichnet. Der Film ist sich seiner Doppelmoral dabei durchaus bewusst. Nur so lässt sich erklären, dass der „hässliche“ Kyle regelmäßig sein T-Shirt auszieht, um seinen nach wie vor gestählten Oberkörper zu präsentieren. Auch der Reichtum Kyles, von dem die bodenständige Lindy profitiert, hat bei Weitem nichts mit inneren Werten zu tun. Es ist wohl nicht so schwer, einem entstellten Jungen zu erliegen, wenn er über ein Anwesen mit Zugang zum See verfügt.

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Diese Verlogenheit findet sich allerdings nicht nur bei Beastly, auch anderen Adaptionen des französischen Märchens mangelt es an Aufrichtigkeit. Die Disney-Verfilmung Die Schöne und das Biest (The Beauty and the Beast, 1991) etwa propagiert ebenfalls innere Werte, für ein gelungenes Happy End muss sich das Biest aber dann zwingend in einen makellosen Schönling zurückverwandeln.

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